Facebook soll in den USA mehrere Großbanken nach den Bankdaten ihrer Nutzer gefragt haben. Facebook selbst dementiert.
Dass Facebook von den Daten seiner Nutzer profitiert und immer ein wenig mehr wissen möchte, ist kein großes Geheimnis. Schließlich ist Facebook nicht wirklich kostenlos: Man zahlt mit seinen Daten. Doch bei den Bankdaten wird wohl auch dem sorglosesten Nutzer der Spaß aufhören.
So berichtete das „Wall Street Journal„, dass Facebook im vergangenen bei mehreren US-Banken wie JP Morgan Chase, Wells Fargo und Citigroup nach detaillierten Finanzdaten wie Kreditkarten-Transaktionen und Girokonten. Hintergrund soll sein, dass Facebook den Nutzern neue Finanzdienstleistungen anbieten möchte. So möchte Facebook beispielsweise ermöglichen, dem Nutzer im Messenger den Kontostand anzuzeigen oder Betrugsversuche zu melden.
Facebook dementiert
Verständlicherweise sorgte der Artikel des „Wall Street Journal“ für Aufruhr. Gegenüber „TechCrunch“ dementierte Facebook-Sprecherin Elisabeth Diana nun diese Behauptungen:
„Eine aktuelle Geschichte des Wall Street Journal impliziert fälschlicherweise, dass wir Finanzdienstleister aktiv nach Finanztransaktionsdaten fragen – das ist nicht wahr. Wie viele Online-Unternehmen mit Handelsunternehmen arbeiten wir mit Banken und Kreditkartenunternehmen zusammen, um Dienstleistungen wie Kundenchat oder Kontoführung anzubieten. Die Verknüpfung von Konten ermöglicht es Menschen, Echtzeit-Updates in Facebook Messenger zu erhalten, wo sie ihre Transaktionsdaten wie Kontostände, Quittungen und Versand-Updates verfolgen können.
Die Idee ist, dass Messaging mit einer Bank besser sein kann als das Warten am Telefon – und es ist komplett otional. Wir verwenden diese Informationen nur für diese Möglichkeit – nicht für Werbung oder irgendetwas anderes. Ein wichtiger Teil dieser Partnerschaften ist es, die Informationen der Menschen sicher und geschützt zu halten.“
Zudem benote die Facebook-Sprecherin, dass auch Banken und Kreditkarten-Unternehmen an Facebook herantraten, nicht nur umgekehrt. Man werde diese Funktionen allerdings nur anbieten, wenn datenschutzrechtlich alles gesichert sei.
Tests laufen bereits
In Singapur ist das Online-Banking über die Facebook-App bereits Realität. Kunden der Citibank können dort über den Messenger ihre Bankdaten abfragen, ihre letzten Transaktionen einsehen und mit der Bank in Kontakt treten.
Würdet ihr das machen?
Der Cambridge Analytica-Vorfall, bei dem die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern illegal weitergegeben wurden, ist noch in guter Erinnerung. Möchte man da wirklich sensible Bankdaten dem Konzern anvertrauen? Sollte man da nicht doch lieber direkt die App seiner Bank nutzen, die auf dem Smartphone nur einen Tab entfernt ist? Zudem ist fraglich, inwiefern diese Neuerungen in Deutschland aufgrund des strengen Bankgeheimnisses überhaupt nutzbar ist, obwohl es auch Apps gibt, mit denen man sein Konto auch ohne die hauseigene Bank-App nutzen kann. Aber auch bei solcherlei Apps schleicht sich ein ungutes Gefühl ein, muss man doch der App die Login-Daten der Bank überlassen.
Natürlich möchte sich Facebook neue Geschäftsfelder eröffnen. Banken und Kreditinstitute sind da sicherlich interessante Partner. Ob da aber auch die Nutzer mitmachen, wird sich zeigen.
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