Facebook-Falle, gefälschte Lidl-Gewinnspiele und angeblicher PC-Support: Wenn eine Betrugsmasche nicht mehr reicht

Facebook-Nachricht, Glücksrad-Seite und Support-Anruf: Ein Fall zeigt, wie unterschiedliche Online-Betrugsformen zeitgleich auftreten können

📖Wie erkennt man Facebook-Betrug im Alltag? Antworten finden Sie im Leitfaden Facebook-Betrug.

Ein Messenger-Fenster öffnet sich. Ein vermeintlicher Facebook-Freund bittet um Hilfe: Er brauche kurz deine Telefonnummer, um einen Code zu senden. Wenige Minuten später findest du dich auf einer Seite mit einem virtuellen Glücksrad und der Aussicht auf mehrere Tausend Euro Gewinn. Unten ist ein vertrautes Logo zu sehen: „Powered by Lidl“.

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Solche Situationen sorgen regelmäßig für Verunsicherung. Messenger-Nachrichten von Freunden wirken vertrauenswürdig, Gewinnspiele mit bekannten Marken erscheinen glaubwürdig. Gleichzeitig können hinter solchen Abläufen mehrere bekannte Betrugsmaschen stehen – von kompromittierten Social-Media-Konten über gefälschte Gewinnspielseiten bis hin zu angeblichem Computer-Support, der Zugriff auf Geräte erhalten möchte.

Ein aktueller Fall, der an uns herangetragen wurde, zeigt, wie schnell mehrere dieser Elemente hintereinander auftreten können.

Der Einstieg über ein gehacktes Facebook-Konto

Der Ablauf beginnt häufig mit einer scheinbar harmlosen Nachricht im Facebook-Messenger. Ein Kontakt aus der Freundesliste bittet um eine Telefonnummer und anschließend um einen Code, der per SMS zugeschickt wird.

Der Eindruck entsteht, einem realen Bekannten zu helfen. Tatsächlich sind solche Nachrichten oft ein Hinweis darauf, dass das Facebook-Konto dieser Person bereits kompromittiert wurde. Angreifer nutzen das Vertrauen innerhalb des sozialen Netzwerks, um weitere Nutzer zu erreichen.

Die angeforderten Codes haben in vielen Fällen einen konkreten Zweck. Sie können etwa für Registrierungen, Bezahlvorgänge oder Abonnements verwendet werden. Wer den Code weitergibt, bestätigt unter Umständen eine Aktion, die über die eigene Telefonnummer abgewickelt wird. Wir berichteten HIER und HIER.

Der Wechsel zu einer angeblichen Gewinnspielseite

Nach dem Austausch der Nachrichten erhielt der Nutzer einen Link. Dieser führte auf eine Seite mit der Adresse „lidl.preiseintrag.at“, die wie ein Online-Gewinnspiel aufgebaut war. Diese Seite stammt allerdings nicht von Lidl selbst, die offizielle Domain lautet lidl.de bzw. lidl.at.

Auf der Seite werden Nutzer zuerst aufgefordert, persönliche Daten einzugeben. Dann erscheint ein Glücksrad mit der Aussicht auf Geldpreise, und anschließend folgt eine weitere Stufe. Angeblich, um den Gewinn auszuzahlen. Logos verschiedener Banken werden angezeigt. Man solle seine Bank auswählen und den Verfüger eintragen. Nun erscheint ein Hinweis, dass der Übertragungsvorgang bis zu 15 Minuten dauern könne.

Diese Seite hat nichts mit dem Lidl zu tun. | Screenshot der gefälschten Seite, auf der sensible Daten abgefragt werden.
Diese Seite hat nichts mit dem Lidl zu tun. | Screenshot der gefälschten Seite, auf der sensible Daten abgefragt werden.

Solche Darstellungen sollen Vertrauen erzeugen und gleichzeitig den Eindruck eines laufenden Zahlungsprozesses vermitteln.

Warum bekannte Marken verwendet werden

Auffällig ist auf der Seite ein Hinweis „Powered by Lidl“. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht um ein offizielles Angebot des Unternehmens.

Die Nutzung bekannter Marken ist eine verbreitete Methode bei Online-Betrug. Logos großer Handelsketten oder Banken vermitteln Seriosität und senken die Skepsis von Nutzern. Der bekannte Name Lidl wurde im letzten Jahr häufig für Fake-Shops oder Fake-Gewinnspiele missbraucht.

Solche Inhalte verbreiten sich schneller in sozialen Netzwerken und auch Messengerdiensten, weil vertraute Marken als glaubwürdig wahrgenommen werden. Ein tatsächlicher Gewinn existiert in diesen Fällen jedoch nicht. Eingegebene Daten werden direkt an die Betreiber der betrügerischen Seite übermittelt.

Plötzlich erscheint ein angeblicher PC-Support

Im geschilderten Fall endete der Vorgang nicht bei der Gewinnspielseite. Der Computer war blockiert, es erschien ein gefälschter Hinweis zu einer angeblichen Support-Möglichkeit. Eine Telefonnummer mit der internationalen Vorwahl +353 sollte helfen. Diese gehört zu Irland.

Wer dort anruft, landet bei Personen, die sich als technischer Support ausgeben. Sie erklären, der Computer sei möglicherweise infiziert und müsse überprüft werden. Anschließend versuchen sie häufig, Nutzer dazu zu bewegen, eine Fernwartungssoftware zu installieren. Damit könnten sie direkten Zugriff auf den Computer erhalten. Wir berichteten HIER und HIER.

Mehrere bekannte Betrugsmaschen, aber nicht zwingend verbunden

Der geschilderte Ablauf enthält mehrere Elemente, die aus unterschiedlichen Online-Betrugsformen bekannt sind:

  1. kompromittierte Facebook-Konten,
  2. gefälschte Gewinnspielseiten,
  3. sogenannter Tech-Support-Betrug.

Ob diese Ereignisse tatsächlich Teil einer koordinierten Betrugsstrategie waren oder ob mehrere voneinander unabhängige Maschen zeitlich zusammengetroffen sind, lässt sich im konkreten Fall nicht eindeutig feststellen.

Auffällig ist jedoch, dass jede dieser Methoden ein eigenes Ziel verfolgt:

  • der Zugriff auf Social-Media-Konten,
  • das Sammeln persönlicher Daten oder
  • der Versuch, direkten Zugriff auf Geräte zu erhalten.

Da solche Betrugsmaschen parallel im Umlauf sind, kann es vorkommen, dass Nutzer innerhalb kurzer Zeit mit mehreren unterschiedlichen Täuschungsversuchen konfrontiert werden.

Was in diesem Fall zu tun ist

  • Verdächtige Facebook-Konten blockieren und melden.
    Besonders dann, wenn angebliche Freunde plötzlich nach Telefonnummern oder Codes fragen. Diese Freunde kann man auch zusätzlich über andere Wege (Anruf, SMS, Mail) kontaktieren und informieren.
  • Mobilfunkkonto oder Handyrechnung kontrollieren.
    Wenn ein SMS-Code weitergegeben wurde, sollte geprüft werden, ob kostenpflichtige Dienste oder Abonnements aktiviert wurden.
  • Beim Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre einrichten.
    Dadurch lassen sich ungewollte Abos oder Abbuchungen über die Mobilfunkrechnung künftig verhindern.
  • Gewinnspielseiten überprüfen.
    Gehört die Domain zum angeblichen Absender? Vorsicht bei der Eingabe von Daten!
  • Überprüfen, welche Daten tatsächlich eingegeben wurden.
    Wurden keine sensiblen Informationen übermittelt, ist das Risiko deutlich geringer.
  • Keine Online-Banking-Zugangsdaten eingeben und keinen Remote-Zugriff erlauben.
    Falls dies nicht passiert ist, konnten Betrüger in der Regel keinen direkten Zugriff auf das Bankkonto oder den Computer erhalten.
  • Den Computer mit einem aktuellen Virenscanner überprüfen.
    Eine angebliche „Blockade“ kann auch nur ein manipuliertes Browserfenster oder eine täuschend echte Bildschirmdarstellung sein.

Einordnung

Der geschilderte Fall zeigt, wie unterschiedliche digitale Betrugsformen innerhalb kurzer Zeit aufeinanderfolgen können. Messenger-Nachrichten, gefälschte Gewinnspielseiten und angeblicher Technik-Support gehören jeweils zu bekannten Strategien im Online-Betrug.

Ob sie im Einzelfall miteinander verbunden sind oder lediglich zufällig zeitgleich auftreten, lässt sich nicht immer eindeutig klären. Für Betroffene wirkt die Situation dennoch schnell wie eine zusammenhängende Angriffskette.

Gerade deshalb ist es wichtig, jeden einzelnen Schritt kritisch zu prüfen. Insbesondere dann, wenn plötzlich Codes, persönliche Daten oder Fernzugriffe auf Geräte verlangt werden.

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