Könnte es tatsächlich so einfach sein, wie die Blutgruppendiät angeblich verspricht? – Blutgruppe checken, dementsprechend essen und schon purzeln die Kilos? Das hört sich schon etwas abenteuerlich an, oder?

Der Mythos nahm seinen Anfang mit einer Veröffentlichung auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo, der mehr als 2.000 Mal geteilt wurde. Die Aussagen in diesem Beitrag waren wirklich verblüffend und verführerisch zugleich: „Ich habe Blutgruppe B und habe festgestellt, dass ich nicht abnehmen kann, wenn ich nur Eier, Hühnchen und Mais esse“, lautet einer der Sätze in dem Beitrag. Eine wirklich faszinierende Theorie, oder?

Nun finden sich Beiträge dazu auf allen möglichen Plattformen. Gerne werden auch Grafiken geteilt, die auf den ersten Blick eine grobe Übersicht der optimalen Lebensmittel – je nach Blutgruppe – zeigt:

MIMIKAMA
Screenshot TikTok

Doch bevor wir uns dem Hype hingeben und unüberlegt in eine neue Diät stürzen, lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen, was an diesem „blutigen“ Diättrend wirklich dran ist. Denn Ernährungswissenschaftler halten diese Behauptungen für wissenschaftlich unbegründet und warnen sogar vor möglichen negativen gesundheitlichen Folgen solcher Diäten.

Der Wissenschaft auf der Spur

Edward Li, Ernährungswissenschaftler bei der Hong Kong Dietitians Association (HKDA), sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe einfach keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit der Blutgruppendiät. Er zitierte mehrere Studien, die diese Behauptungen widerlegen, und andere, die mögliche Vorteile aufzeigen, die allerdings nichts mit der Blutgruppe zu tun haben.

Eine dieser Studien wurde 2020 im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics veröffentlicht. Eine weitere Studie erschien 2014 in der Fachzeitschrift PLOS One. Beide sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Es gab keine signifikanten Unterschiede in den Ergebnissen zwischen Personen mit verschiedenen Blutgruppen, die sich sowohl an eine fettarme als auch an eine vegane Ernährung hielten.

Der Trugschluss der Blutgruppendiät

Nun könnte man sich fragen, warum Blutgruppendiäten so beliebt sind. Laut der Studie von 2014 liegt dies vor allem daran, dass sie den Schwerpunkt auf eine vollwertige Ernährung, den Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel und körperliche Bewegung legen. Diese Prinzipien sind generell gesundheitsfördernd und unter Gesundheitsexperten allgemein anerkannt.

Rekha Menon, registrierte Ernährungsberaterin bei der HKDA, warnte jedoch eindringlich davor, Blutgruppendiäten anzuwenden. Sie bezeichnete diese Diätform sogar als irreführende Modediät. Seit der Veröffentlichung des Buches „Eat Right For Your Type“ von Peter J. D’Adamo im Jahr 1996 habe diese Diätform Hochkonjunktur.

D’Adamo wies darauf hin, dass eine solche Diät ohne die richtige Anleitung und Überwachung durch einen Arzt sogar sehr schädlich sein kann. Vor allem, weil sie Menschen zum Weglassen wichtiger Lebensmittelgruppen ermutigt, ohne dass eine Allergie oder ein medizinischer Zustand offiziell diagnostiziert wurde.

Fazit: Der Irrweg der Blutgruppendiäten

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der vermutete Wirkmechanismus der Blutgruppendiäten bisher wissenschaftlich nicht bestätigt werden konnte. Vor allem Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass sich solche Diäten durch Fehlernährung sogar negativ auf die Gesundheit auswirken können. Das bedeutet aber nicht, dass man jeder Diät skeptisch gegenüberstehen sollte. Vielmehr gilt es, auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu achten und bei Bedarf die professionelle Unterstützung von zertifizierten Ernährungsberatern in Anspruch zu nehmen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollten wir uns nicht von irreführenden Diättrends und fragwürdigen Social-Media-Posts in die Irre führen lassen. Denn eines ist klar: Echte, nachhaltige und gesunde Gewichtsabnahme kommt nicht von irgendwelchen „Wunderdiäten“, sondern von bewussten Lebensstilentscheidungen, einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Das ist, so banal es klingen mag, der bewährteste und sicherste Weg zu einem gesunden Körper und Geist.

Quelle:

AFP, ISSalute

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