Boykottaufrufe: Coca-Cola-Sponsoring bringt Kroos’ und Nerlichs’ Icon League in die Kritik

In sozialen Medien und YouTube-Videos wird die Icon League von Elias Nerlich und Toni Kroos kritisiert, weil Coca-Cola als Sponsor fungiert. Der Vorwurf: Der Getränkekonzern profitiere von einer Abfüllanlage in der illegalen israelischen Siedlung Atarot. Was ist dran?

Die Behauptung

Coca-Cola soll in einer illegalen Siedlung in Atarot, Palästina eine Abfüllanlage betreiben. Weil das Unternehmen Sponsor der Icon League ist, soll diese boykottiert werden.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Irreführend

Coca-Cola betreibt selbst keine Fabrik in Atarot. Richtig ist: Die israelische Central Bottling Company (CBC), Lizenzpartner des Unternehmens, führt dort eine Abfüllanlage. Atarot ist ein Gebiet, das nach internationalem Recht illegal besiedelt ist. Parallel gibt es legitime palästinensische Coca-Cola-Werke unter der National Beverage Company (NBC). In der globalen Kommunikation wurde diese Doppelstruktur oft verschleiert, was den Eindruck von Täuschung erzeugte. Deshalb ist die Behauptung nicht völlig falsch, aber verkürzt und irreführend.

Was die Icon League angeht, so gab es hier tatsächlich bereits Rücktritte.

→Wie wird Desinformation in Konflikten eingesetzt? Antworten finden Sie im Leitfaden Krieg & Konflikt-Desinformation.
Screenshots eines YouTube-Videos: "Coca-Cola beteiligt sich am illegalen siedlungsbau in Palästina [...] nämlich eine Abfüllanlage mitten in Palästina"
Screenshots eines YouTube-Videos: „Coca-Cola beteiligt sich am illegalen siedlungsbau in Palästina […] nämlich eine Abfüllanlage mitten in Palästina“

FAQ: Boykott, Icon League und die Rolle von Coca-Cola erklärt

Warum ein globaler Streit nun auch die deutsche Fußball-Showliga von Toni Kroos und Elias Nerlich betrifft.

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Was ist die Icon League?

Die Icon League ist eine Kleinfeldfußball-Liga, gegründet von Toni Kroos und Streamer Elias Nerlich. Teams bestehen aus Prominenten, Streamern und Ex-Profis.

Warum steht die Icon League in der Kritik?

Weil Coca-Cola Sponsor ist. In sozialen Medien wird zum Boykott aufgerufen. Mehrere Teams wie Istanbul United und Streamer wie Bilal Kamarieh stiegen tatsächlich aus, mit Verweis auf ihre Werte und moralischen Bedenken gegenüber dem Unternehmen.

Gibt es palästinensische Coca-Cola-Fabriken?

Ja. Die National Beverage Company (NBC) betreibt seit 1998 fünf Werke und sieben Vertriebszentren in den palästinensischen Gebieten. Rund 970 Menschen arbeiten dort, indirekt leben ca. 6.500 Familien vom Geschäft.

Was ist mit der Fabrik in Atarot?

Die israelische CBC, Coca-Colas Lizenzpartner, betreibt eine Anlage in Atarot. Aufgrund der Problematik mit dem Gebiet wird diese Anlage international kritisiert.

Was ist Atarot?

Ein Gebiet in Ostjerusalem, das 1967 von Israel annektiert wurde. Nach UN-Recht gilt es als besetztes Territorium, israelische Siedlungen dort sind illegal.

Warum wird Coca-Cola Irreführung bezüglich seiner Standorte vorgeworfen?

In einem Werbespot in Bangladesch hieß es: „Sogar Palästina hat eine Coca-Cola-Fabrik.“ Kritiker sahen darin Täuschung, weil die Lizenzstruktur rund um die Abfüllanlagen und auch die umstrittene Anlage in Atarot verschwiegen bzw. nicht erklärt wurde.

Warum werden Coca-Cola-Produkte in muslimischen Ländern boykottiert?

Weil die Marke als „pro-israelisch“ gilt. In Bangladesch sanken die Verkäufe um 23 %. Auch in Jordanien, Saudi-Arabien oder Marokko greifen viele zu lokalen Alternativen.

Die Fakten dahinter – MIMIKAMA-ANALYSE

Boykottbewegungen weltweit

Seit Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 stehen US-Marken wie McDonald’s, Starbucks, KFC und Coca-Cola unter Druck. Sie gelten als Symbole amerikanisch-israelischer Nähe. Auch im Sport ist diese Kritik präsent.

Die Doppelstruktur von Coca-Cola in der Region

  • NBC (National Beverage Company, Palästina): Offizieller Lizenzpartner für die palästinensischen Gebiete, Sitz in Ramallah. Betreibt fünf Fabriken, sieben Vertriebszentren, beschäftigt über 970 Angestellte.
  • CBC (Central Bottling Company, Israel): Lizenzpartner in Israel. Betreibt eine Anlage im Industriegebiet Atarot, Ostjerusalem.

NBC gilt als wichtiger Arbeitgeber in Palästina. CBC dagegen steht wegen Atarot im Zentrum internationaler Kritik.

Atarot, ein umstrittenes Industriegebiet

Atarot liegt im Norden von Ostjerusalem. Israel annektierte das Gebiet 1967 – international wird dies nicht anerkannt. UN-Resolutionen stufen israelische Siedlungen dort als illegal ein. Genau dort betreibt Coca-Colas Lizenzpartner CBC eine Abfüllanlage. Für Kritiker ist das ein klarer Beleg, dass Coca-Cola von der Besatzung profitiert. Für Palästinenser symbolisiert Atarot die Normalisierung von Besatzung: Land, das ihnen genommen wurde, wird wirtschaftlich genutzt.

Die globale Kontroverse und das PR-Desaster in Bangladesch

Um Boykotte zu bekämpfen, startete Coca-Cola 2024 eine Werbung in Bangladesch. Kernaussage: „Es handelt sich um kein israelisches Produkt. Sogar Palästina hat eine Coca-Cola-Fabrik.“ Faktisch stimmt das (NBC), doch die CBC-Anlage in Atarot wurde verschwiegen.

Die Folge: Vorwürfe der Täuschung, Boykottaufrufe, PR-Desaster. Coca-Cola sprach später von einem „bedauerlichen Fehler“: „We acknowledge that the recent video missed the mark, and we apologize“ / „Wir erkennen an, dass das kürzlich veröffentlichte Video sein Ziel verfehlt hat, und entschuldigen uns dafür“

Icon League im Fokus

Aktuell wird globale Kritik an Coca-Cola mit der Icon League von Toni Kroos und Elias Nerlich verbunden, denn dort ist das Unternehmen Sponsor. Gegner sehen darin eine Normalisierung: man spiele Fußball „mit dem Geld der Besatzung“. Teams wie Istanbul United zogen sich zurück und erklärten: „Unsere Werte und unser Mitgefühl wiegen schwerer als sportliche Erfolge“.
Elias Nerlich und Toni Kroos halten am Sponsor fest. Die Liga betonte, dass es eine „Partnerschaft mit der Liga, nicht mit einzelnen Spielern“ sei.

Wahrnehmung und Symbolik

Für viele Boykottbewegungen geht es nicht nur um Fakten, sondern um Symbole:

  • Coca-Cola steht als US-Marke automatisch im Verdacht, Israel zu unterstützen.
  • Selbst wenn das Unternehmen auf die palästinensischen Werke verweist, bleibt der Eindruck der Nähe zu Israel bestehen.
  • Sponsoring wie in der Icon League wird so zum Politikum.

Unsere Einordnung

Die Faktenlage ist komplex:

  • Es gibt legale NBC-Fabriken in Palästina.
  • Es gibt aber auch die CBC-Anlage in Atarot, die international kritisiert wird.
  • Coca-Colas Kommunikation zu dieser Doppelstruktur war irreführend.

Das ist keine reine Falschmeldung, aber eine sehr heikle Vereinfachung. Sie wird nun genutzt, um Emotionen zu schüren, Misstrauen zu verbreiten und Boykotte zu rechtfertigen.

Fazit

Die Behauptung ist teilweise richtig: Coca-Cola selbst betreibt keine Fabrik in Atarot, doch der israelische Lizenzpartner CBC führt dort eine Anlage in einer international als illegal geltenden Siedlung. Parallel gibt es legitime palästinensische Werke unter NBC. Diese Doppelstruktur sorgt für Verwirrung und wird von Boykottbewegungen gezielt genutzt.

Durch das Sponsoring der Icon League gerät die Debatte direkt in den Sport. Tatsächlich sind bereits Teams und Streamer aus der Liga ausgestiegen. Der Fall zeigt: Sport, Sponsoring und Markenimage lassen sich im Nahostkonflikt nicht trennen.

Quellen:
Does Coca‑Cola have a factory in Palestine?
The Central Bottling Company (CBC) | Who Profits Research Center
Coca-Cola ad in Bangladesh sparks backlash for ‘denying ties with Israel’ | Al Jazeera (12.06.2024)
Coca-Cola will Image mit Werbekampagne aufpolieren – und macht „bedauerlichen | Spiegel (13.08.2024)
Rücktrittswelle! Wirbel um Kroos-Liga | Sport1 (23.09.2025)

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