COVID-Impfung und Krebs: Koreanische Studie liefert keine Beweise

Falschmeldung im Umlauf: Impfungen sollen angeblich Krebs auslösen – Experten entlarven grobe methodische Fehler.

Die Behauptung

Eine in Biomarker Research veröffentlichte Studie aus Südkorea soll angeblich belegen, dass COVID-19-Impfungen das Krebsrisiko erhöhen. Impfgegner verweisen auf diese Arbeit als Beweis für „Turbokrebs“ nach mRNA-Impfungen.

Aufgestellt von: Social Media

Faktencheck: Falsch

Die Studie ist methodisch mangelhaft. Sie berücksichtigt keine wichtigen Störfaktoren wie Screening-Verhalten, familiäre Risiken oder gesunde Lebensführung. Der Beobachtungszeitraum von nur einem Jahr ist für Krebsforschung völlig ungeeignet. Fachleute betonen: Die Daten beweisen keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Krebs. Das Narrativ ist Desinformation, die Angst und Misstrauen schürt.

Welche Mythen kursieren rund um Gesundheitsthemen? Antworten finden Sie im Leitfaden Gesundheits-Desinformation.

FAQ: Krebs und COVID-Impfung

Viele Menschen sind verunsichert durch Schlagzeilen zu angeblich steigenden Krebsraten nach Impfungen. Hier die wichtigsten Antworten:

Screenshot der Behauptung auf Instagram; COVID-Impfung und Krebs: Koreanische Studie liefert keine Beweise
Screenshot der Behauptung auf Instagram

Führt die COVID-Impfung zu Krebs?

Nein. Weltweit gibt es keine belastbaren Daten, die einen Anstieg von Krebsfällen durch COVID-Impfungen zeigen.

Warum tauchen trotzdem Studien wie die aus Korea auf?

Weil schlecht geplante Beobachtungsstudien leicht Fehlinterpretationen erzeugen. Wer nicht Screening oder Lebensstil kontrolliert, misst am Ende nur das Verhalten der Patienten, nicht die Wirkung der Impfung.

Was ist mit „Turbokrebs“ gemeint?

Das ist ein Begriff aus der Anti-Impf-Szene. Er soll suggerieren, dass Tumoren durch Impfungen schneller wachsen. Medizinisch gibt es dafür keinerlei Belege.

Warum sehen manche nach der Impfung plötzlich eine Krebsdiagnose?

Das ist der sogenannte Unmasking-Effekt: Wer zum Arzt geht, etwa für eine Impfung, wird manchmal zusätzlich untersucht. Dabei kann eine bereits bestehende, bisher unentdeckte Erkrankung auffallen.

Gibt es seriöse Langzeitdaten?

Ja. Millionen geimpfte Menschen weltweit werden erfasst. Bisher zeigt sich: Kein erhöhtes Krebsrisiko durch Impfstoffe.

Methodische Schwächen der Studie

Die südkoreanische Analyse hatte nur ein Jahr Beobachtungszeitraum. Krebs entwickelt sich jedoch oft über viele Jahre. Wer nach einem Monat oder einem Jahr schon „Risiken“ misst, misst in Wahrheit nur Zufall oder bestehende Vorerkrankungen.

Fehlende Kontrolle von Störfaktoren

Die Forscher kontrollierten nicht Lebensstil, familiäre Vorbelastungen oder Screening-Häufigkeit. Gerade in Südkorea gibt es intensive Früherkennungsprogramme für Brust-, Darm-, Magen-, Prostata- und Schilddrüsenkrebs. Geimpfte Menschen sind oft gesundheitsbewusster – sie gehen häufiger zur Vorsorge. Dadurch steigt die Zahl entdeckter Tumoren in dieser Gruppe, ohne dass die Impfung die Ursache ist.

„Unmasking“ statt Ursache

Epidemiologen erklären: Wer zum Arzt geht, bekommt oft zusätzliche Tests. So können latent vorhandene Erkrankungen entdeckt werden. Das erzeugt den falschen Eindruck, die Impfung habe die Krankheit ausgelöst.

Mimikama-Club - Communitybereich fuer Steady-Unterstuetzer:innen

Fachfremde Autoren und schwache Publikationsform

Die Studie wurde nicht als Originalarbeit, sondern nur als „Correspondence“ veröffentlicht. Die Methoden landeten in einem Anhang. Keiner der Autoren ist Experte für Epidemiologie oder Impfstoffe – sie stammen aus Orthopädie und Pneumologie.

Kein globaler Effekt sichtbar

Wenn Impfungen tatsächlich Krebs massiv fördern würden, müsste man dies längst in den internationalen Krebsstatistiken sehen. Doch: Kein Anstieg erkennbar. Millionen von Geimpften weltweit zeigen keinen Trend, der die Behauptung stützt.

Turbokrebs – ein Mythos

Der Begriff „Turbokrebs“ stammt nicht aus der Onkologie, sondern aus der Impfgegner-Szene. Er soll Angst schüren: angeblich würden Krebserkrankungen nach einer COVID-Impfung plötzlich und extrem schnell wachsen. Wissenschaftlich gibt es dafür keinen Boden. Onkologen und Fachgesellschaften haben den Begriff mehrfach als Mythos ohne jede Evidenz zurückgewiesen.

Was die koreanische Studie wirklich zeigte

Die Arbeit wertete Versicherungsdaten aus und meldete höhere Krebsdiagnosen bei Geimpften. Auffällig: Die Kurven für Diagnosen trennten sich schon innerhalb weniger Wochen nach der Impfung. Betroffen waren vor allem Tumoren, bei denen es regelmäßige Vorsorgeprogramme gibt – Schilddrüse, Brust, Darm, Prostata.

Warum das kein Beweis ist

  • Biologisch unmöglich: Krebs braucht Jahre zur Entstehung. Dass sich schon nach 90 Tagen die Kurven trennen, ist „biologisch unvorstellbar“ (Benjamin Mazer, Johns Hopkins).
  • Detection Bias: Geimpfte sind öfter beim Arzt. Dort werden bestehende Krebserkrankungen schneller entdeckt. Das erklärt die sofortige Kurventrennung.
  • Falsche Vergleichsgruppen: Die Studie vergleicht nur Geimpfte und Ungeimpfte, nicht aber COVID-Infizierte. Ein zentraler Kontext fehlt.
  • Confounder: Ältere und kranke Menschen wurden bevorzugt geimpft. Genau diese haben ohnehin ein höheres Krebsrisiko.
  • Schwache Effektstärken: Hazard Ratios von 1,2 bis 1,6 sind klein, leicht verzerrbar. Zum Vergleich: Rauchen erhöht das Krebsrisiko um das Zwei- bis Fünffache.
  • Keine Rohdaten: Die Daten liegen nur unter Auflagen bei der koreanischen Krankenkasse. Eine unabhängige Überprüfung ist kaum möglich.
  • Real-World-Daten widersprechen: Nationale Krebsregister in Korea zeigen keinen Anstieg dieser Krebsarten nach der Impfkampagne.

Expertenurteile

  • Benjamin Mazer, Pathologe (Johns Hopkins): „Es ist biologisch unvorstellbar, dass Impfungen Krebs in dieser Geschwindigkeit verursachen. Das Ergebnis deutet vielmehr auf Rest-Konfundierung hin.“
  • Vinay Prasad, Onkologe: Selbst ein scharfer Kritiker vieler COVID-Studien betont: Sofortige Kurventrennung weist auf systematische Fehler hin, nicht auf eine echte Kausalität.
  • Cancer Research UK: „Es gibt keine belastbaren Belege, dass mRNA-Impfstoffe Krebs auslösen. Im Gegenteil: dieselbe Technologie wird in klinischen Studien als Therapie gegen Krebs eingesetzt.“

Globale Datenlage

In Ländern mit extrem hoher Impfquote – etwa Portugal, Israel oder Südkorea – bleiben die altersadjustierten Krebssterberaten stabil. Wäre „Turbokrebs“ real, müsste es einen dramatischen Anstieg geben. Den gibt es nicht.

FAZIT

Die Behauptung ist falsch. Sie ist Täuschung und gefährlich, weil sie mit Angst vor „Turbokrebs“ Stimmung gegen Impfungen macht und das Vertrauen in medizinische Forschung zerstört.

Quellen:

COVID Vaccines and Cancer Risk: Experts Dissect Flawed Study | MedPage Today

Eigene Recherche

Schon gelesen? Bestatter O’Looney: „Wucherungen in Adern von Geimpften“?


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.