Kommentar von Richard Werner, Business Consultant bei Trend Micro zum Cyberangriff auf Twitter

Mit einem hörbaren Paukenschlag gab Twitter bekannt, dass Profile verschiedener Prominenter gehackt wurden. Einen Tag danach und nachdem nun auch die Hintergründe der Tat deutlicher werden ist es an der Zeit, die Geschehnisse einzuordnen. Passend zu den Cyber-Halunken, die hier offensichtlich am Werk waren, orientieren wir uns dabei am Titel eines bekannten Spaghetti-Western:

Richard Werner, Business Consultant bei Trend Micro (Quelle: Trend Micro)
Richard Werner, Business Consultant bei Trend Micro (Quelle: Trend Micro)

The Good: Unter den Prominenten deren Accounts übernommen wurden, sind einige hochrangige Politiker zu finden – unter anderem der gegenwärtige US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Es ist unschwer zu erkennen, welch hoher politischer Zündstoff bis hin zu internationalen Spannungen ein Angriff auf solche „hochkarätigen“ Accounts haben könnte. Hätten die Angreifer politische Motive gehabt, könnte der Schaden ungleich größer sein. Es ist deshalb fast schon als „gut“ zu bezeichnen, dass es sich hier lediglich um „gewöhnliche Cyberkriminelle“ handelte, die letztlich auf monetäre Gewinne aus waren.

The Bad: Die hier angewandte Methodik, Menschen auszutricksen ist nicht neu und auch nicht besonders originell. Immer wieder gibt es Versprechen, überwiesene Geldbeträge zu vervielfachen oder anderweitig riesige Gewinne zu erwirtschaften, wenn nur zunächst ein kleiner Betrag investiert würde. Sogenannte „Get Rich Quick“-Schemata helfen in der Regel jedoch nur den Erfindern. Alle anderen verlieren ihr Geld, weil es sich schlicht und ergreifend um Betrug handelt. Das Schlechte ist, dass dieser Vorfall eindringlich zeigt, wie einfach es Cyberkriminellen fallen kann, Gewinne zu machen. Dieser Scam war nur kurze Zeit aktiv und dennoch gelang es Berichten zu folge, mindestens 100 Personen zu finden, die bedenkenlos die nicht unbeträchtliche geforderte Summe von 1.000 US-Dollar „investierten“. Dadurch wird es Nachahmungstäter geben. Welche Wege diese nutzen werden, bleiben abzuwarten. Deshalb der wichtige Hinweis: Glauben Sie es grundsätzlich nicht, wenn Ihnen jemand über Online Medien verspricht Ihr Geld zu verdoppeln!

The Ugly: Bei der Rekonstruktion des Angriffs zeigt sich, dass auch dieser einem Schema folgt. Es handelt sich um einen sogenannten Supply-Chain-Angriff. Hierbei wird die Infrastruktur eines initialen Opfers (in diesem Fall Twitter) angegangen und soweit möglich übernommen. Das eigentliche Ziel der Hacker ist es in solchen Fällen jedoch, die Kunden des initialen Opfers zu erreichen. Besonders hinterhältig ist dabei: Für diese Kunden ist der Angriff oft kaum abzuwehren, weil er aus einer eigentlich vertrauenswürdigen Quelle stammt und oft technisch erst einmal gar nicht als Angriff identifiziert werden kann. Die Täter nehmen dafür einen relativ hohen Aufwand ein Kauf, um das erste Opfer zu infiltrieren. Laut Twitter schloss dies hier sogar einen Insider mit ein.

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Dafür kann der Angriff auf die finalen Opfer dann weitestgehend automatisiert werden, um so auf eine Weise zu skalieren, die in den meisten anderen Angriffsmethoden nicht funktioniert. Im vorliegenden Fall konnten die Täter so innerhalb weniger Stunden bis zum Auffliegen der Tat Millionen Menschen mit Ihrer Botschaft erreichen – die Schadenssumme hätte also sogar noch um ein Vielfaches höher sein können. Auch für dieses Schema wird es weitere Nachahmer geben. Wie Trend Micro in seinen Sicherheitsvorhersagen für 2020 prophezeit hat, befinden sich Supply-Chain-Angriffe derzeit auf dem Vormarsch. Unternehmen tun gut daran, sich dieses Risiko bewusst zu machen. Bei Twitter ging es um bösartige Tweets und das „Get Rich Quick“-Schema. In anderen Fällen geht es um Ransomware und Sabotage. Seien Sie sich stets darüber im Klaren, dass solch medienwirksame Taten immer Nachahmer provozieren!

Passend zum Thema: Twitter-Accounts von zahlreichen Prominenten gehackt

Artikelbild: Shutterstock / Von Kathy Hutchins

 


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