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Deepfake-Video von der Queen – Ein Appell für Misstrauen

Ralf Nowotny, 28. Dezember 2020
Deepfake-Video von der Queen - Ein Appell für Misstrauen
Artikelbild: Twitter / Channel 4

Die „alternative Weihnachtsansprache“ von Channel 4 hat in Großbritannien Tradition – doch dieses Jahr mit einer frappierenden Neuerung und Botschaft.

Traditionell sehen die Briten jedes Jahr eine Weihnachtsansprache von Queen Elizabeth auf BBC und ITV. Darauf folgt auf Channel 4 eine alternative Weihnachtsansprache in kontroverser Form mit Doppelgängern von bekannten Persönlichkeiten.
Dieses Jahr jedoch kam erstmals die Deepfake-Technologie zum Einsatz.

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Eine tanzende Deepfake-Queen

In der Vergangenheit hielten bereits Doppelgänger von Edward Snowden, Jesse Jackson und Irans Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad die jährlichen alternativen Weihnachtsansprachen, welche zumeist kontroverse Themen angingen.

Dieses Jahr jedoch wurde erstmals Deepfake-Tecchnologie eingesetzt, und das aus gutem Grund: Die Queen amüsiert in dem Video nicht nur, sondern ruft zu Misstrauen auf. Hier könnt ihr das komplette Video sehen:

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Die Queen bedankt sich zuerst bei Channel 4, dass sie dort frei sprechen könne, ohne dass ihr jemand Worte in den Mund legt. Dann geht sie zum Thema der Ansprache über: Vertrauen.

Mit typisch trockenem, britischen Humor erzählt sie, wie traurig sie darüber sei, dass Harry und Meghan lieber die Gesellschaft von Kanadiern bevorzugen, statt der eigenen Familie.

Dann lobt sie, wie Technologie vielen Menschen in der Pandemie half, so habe sie selbst gerne Netflix mit ihrem Mann geschaut (sie nennt es „Netflix & Phil“) und perfektionierte ihre Tanzfähigkeiten für ein TikTok-Video.

Die tanzende Queen
Die tanzende Queen, Bildquelle: YouTube

Nach dem Tanz jedoch wird die Queen ernst und spricht ein Thema an, welches auch uns immer wieder beschäftigt: Kritikloses Vertrauen in allem, was man im Internet findet, ohne die Quellen zu hinterfragen.

Misstrauen – Leider wichtig in Deepfake-Zeiten

Ein kurzer Satz der Queen dient als Einleitung der Abschlussszene: So viele Dinge in der Welt sehen wir durch die Bildschirme der Smartphones. Dies wirft aber auch eine Frage des Vertrauens auf: Nicht alles, was man sieht und hört, entspricht auch der Wahrheit.

Und die Wahrheit über das Video enthüllt sich dann auch am Schluss des Clips – Ein Greenscreen und eine Schauspielerin. Somit ein beeindruckendes Beispiel für das Thema, welches die Deepfake-Queen ansprach und was wir auch immer wieder betonen: Traut nicht jedem Video und jeder Schlagzeile aus dubiosen Quellen.

BBC is „not amused“

Schade eigentlich, dass BBC, der Sender, welche jedes Jahr die echte Ansprache der Queen ausstrahlt, war ebenfalls auf die Deepfake-Thematik eingeht, jedoch ihren Artikel (siehe HIER) über das Video damit einleitet, die Qualität des Videos zu bemängeln.

„Es hat unzählige Imitationen der Queen gegeben. Diese ist nicht besonders gut.
Die Stimme klingt, wie sie ist – ein eher schlechter Versuch, sie zu imitieren. Was es beunruhigend macht, ist der Einsatz von Videotechnik, um zu versuchen, ihre Lippen mit den gesprochenen Worten zu synchronisieren.“

so Nicholas Witchell, königlicher Korrespondent der BBC.
Wahrscheinlich aber erkannte er nicht so wirklich, dass der Deepfake gar nicht so perfekt sein sollte, wie er möglich gewesen wäre – schließlich dient das Video rein der Unterhaltung, wichtig aber ist die Message dahinter.

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Fazit

Das Video enthält nicht nur den Deepfake der Queen als Hauptperson, sondern auch viele kleine Details, die man so leider gar nicht wahr nimmt, seien es Corona-Christbaumkugeln oder Engel mit Schutzmasken am Weihnachtsbaum.

Wer sich dafür interessiert, wie das Video entstanden ist: Channel 4 veröffentlichte auch ein Making of des Videos, in dem man auch die Details besser sehen kann (siehe HIER).

Doch am Wichtigsten ist die Botschaft: Leider ist es auch für Amateure mittlerweile sehr einfach geworden, Bilder und Videos fast glaubhaft zu fälschen. Das Erkennen von echten Deepfake-Videos ist eine Herausforderung für uns und alle Kollegen, die sich die Bekämpfung von Falschnachrichten auf die Fahnen geschrieben haben.

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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