Die Behauptung
„Deutschland holt wahllos Afghanen ins Land – darunter nur Männer und mutmaßliche Islamisten!“
Falsch
Falsch. Die Einreisen erfolgen über ein geprüftes Aufnahmeverfahren, das nur besonders gefährdeten Personen zugänglich ist – darunter viele Frauen und Kinder. Die verbreiteten Videos und Behauptungen sind nachweislich manipuliert oder aus dem Kontext gerissen.
Kurze Faktenübersicht:
➡️ Aufnahmeverfahren: Nur für gefährdete Personen mit Zusage.
➡️ Mehrheit Frauen und Kinder: Entgegen kursierender Videos und Posts.
➡️ Keine neuen Programme: CDU nicht verantwortlich, Programme stammen aus Ampel-Zeiten.
Hass, Lügen und Halbwahrheiten nach Landung am Flughafen Hannover
Und wieder: Desinformation zu eingeflogenen Afghanen! Am 27. März 2025 landete erneut ein Flugzeug mit 174 besonders gefährdeten Afghaninnen und Afghanen in Deutschland – Teil des Bundesaufnahmeprogramms, das bald eingestellt werden soll. Doch in den sozialen Netzwerken folgte prompt der digitale Sturm: „Sozialschmarotzer“, „Invasoren“, „Männerflut“ – das Netz brodelte vor Hass und Falschinformationen.
Die Realität? Der Flug war Teil eines klar geregelten Programms, mit vorher geprüften Personen, nicht etwa ein illegaler Massentransport.
Video-Fakes und der „Große Austausch“
Besonders dreist: Ein Video, das angeblich nur Männer bei der Einreise zeigen sollte, wurde tausendfach geteilt – obwohl es sich um einen Flug von der Türkei nach Afghanistan handelte. In Wirklichkeit befanden sich laut Auswärtigem Amt mehrheitlich Frauen und Kinder im Flieger nach Deutschland.
Zusätzlich wird wieder die altbekannte Verschwörung vom „Großen Austausch“ bemüht. In Kommentaren ist die Rede von „planmäßiger Invasion“ oder „geöffneten Grenzen nach der Wahl“ – alles nachweislich falsch. Die CDU wird hier zum Ziel, obwohl sie an den aktuellen Programmen gar nicht beteiligt ist. Diese wurden unter der Ampelregierung beschlossen.
Wer wird überhaupt aufgenommen – und wie?
Entgegen der verbreiteten Legende von „offenen Schleusen“ ist das Verfahren streng geregelt. Nur Menschen, die von meldeberechtigten Stellen (z.B. NGOs) vorgeschlagen werden und strenge Kriterien erfüllen, erhalten eine Aufnahmezusage. Dazu zählen unter anderem:
- frühere Tätigkeiten für deutsche Organisationen,
- besondere Gefährdung unter den Taliban,
- enge familiäre Bindungen zu Deutschland.
Der Auswahlprozess ist komplex, involviert Sicherheitsprüfungen und endet erst nach einer sorgfältigen Dokumentenprüfung. Auch die Identität wird vor Abreise durch die Bundespolizei nochmals verifizieren.
Intransparenz, Kritik – aber keine Beweise für Missbrauch
Dass nicht öffentlich gemacht wird, welche Stellen Vorschläge einreichen dürfen, sorgt für Kritik – allerdings mit nachvollziehbarem Hintergrund: Laut Innenministerium könnten diese sonst unter Druck geraten oder manipuliert werden.
Ja, es gab Ermittlungen gegen Einzelpersonen wegen Visa-Manipulation – aber: Keine dieser Vorwürfe haben sich bislang erhärtet. Und selbst der Verfassungsschutz warnt nicht vor einem systematischen Missbrauch, sondern lediglich vor möglichen Einzelfällen, die durch die schwierige Dokumentenlage in der Region erschwert werden.
Fazit zum Thema
Es ist ein altbekanntes Muster: Sobald schutzbedürftige Menschen nach Deutschland kommen, folgt ein Shitstorm – diesmal angereichert mit gezielten Falschinformationen, Halbwahrheiten und rechten Narrativen.
Die Fakten jedoch sind klar: Es handelt sich um einen kontrollierten, geprüften Aufnahmeprozess für gefährdete Afghanen. Keine offenen Grenzen, keine CDU-Schuld, keine Männer-Invasion.
Quellen: dpa; dw.com; bmi; tagesschau; Bundesaufnahmeprogramm; Koordinierungsstelle; dserver
Lesen Sie auch:
Afghanistan: Stimmt es, dass die Bundesregierung die Einreise von Afghanen aussetzt?
Falsche Behauptungen zu Evakuierungsflug aus Afghanistan
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
