In einem emotionalen Facebook-Post, der seit Mai 2023 viele Menschen in Deutschland bewegt, schildert ein Mann die erschütternde Odyssee, die er und sein schwerkranker Vater durch verschiedene Kliniken und Arztpraxen erleben mussten, um medizinische Hilfe zu erhalten. Dieser Beitrag spiegelt eine tiefe Verzweiflung und Frustration über das aktuelle Gesundheitssystem wider und hat eine hitzige Debatte über den Zustand der medizinischen Versorgung in Deutschland ausgelöst. Dies lässt sich auch an der Interaktion ablesen, denn aktuell (4.8.23) haben über 7.000 User den Beitrag gelikt, über 4.000 haben kommentiert und über 38.000 User haben den Beitrag sogar geteilt!

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Screenshot: Facebook / öffentlicher Statusbeitrag

Aber ist das Gesundheitssystem in Deutschland tatsächlich so krank, wie es scheint?

Das Herz des Problems

Im Herzen des Landes, im beschaulichen Montabaur (Montabaur ist die Kreisstadt des Westerwaldkreises in Rheinland-Pfalz), zeigte sich ein ernüchterndes Bild unserer Gesundheitsversorgung. Es begann im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, einem Ort, der seinen Patienten nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch Mitgefühl und Menschlichkeit bietet.

Hier spielte sich eine Tragödie ab, die als Weckruf für das deutsche Gesundheitssystem gelten kann. Ein Herzkranker, Diabetiker und Krebspatient mit alarmierend schlechten Blutwerten benötigte dringend die Hilfe eines Lungenfacharztes. Trotz der offensichtlichen Dringlichkeit seines Zustandes und der unermüdlichen Bemühungen seines Sohnes stieß er jedoch auf verschlossene Türen und eine scheinbare Gleichgültigkeit des Gesundheitssystems.

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Montabaur ist dafür nicht verantwortlich. Die Mitarbeiter des Krankenhauses, die Tag für Tag ihr Bestes geben, um die Patienten zu versorgen und zu betreuen, sind ebenso Opfer dieses Systems wie die Patienten selbst. Das eigentliche Problem liegt tief in den Strukturen unseres Gesundheitssystems und in der Art und Weise, wie wir in Deutschland die Gesundheitsversorgung organisieren und priorisieren.

Die wirkliche Tragödie besteht darin, dass trotz der hohen Qualität und der technischen Ressourcen unseres Gesundheitssystems diejenigen, die dringend medizinische Hilfe benötigen, manchmal das Gefühl haben, Bittsteller zu sein, anstatt Empfänger von dringend benötigter medizinischer Hilfe. Dies ist ein Weckruf, der uns alle betrifft und uns auffordert, tiefer zu blicken, um die wahren Herausforderungen und Mängel unseres Gesundheitssystems zu erkennen und anzugehen.

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Ein Notfall wird zum Bittsteller

Der Hausarzt versuchte mehrmals vergeblich, das Krankenhaus Dernbach und die dortige Lungenabteilung zu erreichen. Trotzdem begibt sich der Sohn mit seinem Vater in die Notaufnahme, nur um nach stundenlangem Warten und Verwirren einen Termin für die nächste Woche angeboten zu bekommen. Eine groteske Situation, in der ein Notfallpatient zum Bittsteller um medizinische Hilfe wird.

Die unerbittliche Suche nach Hilfe

Die verzweifelte Suche führte sie schließlich zu einem anderen Lungenarzt in Montabaur. Doch auch dort stießen sie auf ähnliche Barrieren. Trotz des „NOTFALL“-Vermerks wollte die Empfangsdame einen Termin vereinbaren. Nach einer hitzigen Diskussion gelang es dem Patienten, endlich einen Arzt zu sehen, der jedoch auch Schwierigkeiten hatte, einen Aufnahmetermin im Krankenhaus Montabaur zu bekommen.

Kein Bett frei!

Schließlich erreichten sie das Krankenhaus in Montabaur, nur um zu erfahren, dass kein Bett frei war. Nach einem langen und frustrierenden Tag, an dem die körperliche und emotionale Belastung unerträglich wurde, endete die Odyssee in Ungewissheit und Warten.

Was ist schief gelaufen?

Diese schmerzliche Geschichte ist nicht nur eine Anklage gegen das Gesundheitssystem, sondern auch ein trauriges Zeugnis für seine tiefgreifenden Probleme. Der Ruf nach dringenden Reformen und Veränderungen ist unüberhörbar. Einige der dringendsten Probleme sind

Mangel an Krankenhausbetten: In den letzten 30 Jahren ist die Zahl der Krankenhausbetten in Deutschland um rund ein Drittel zurückgegangen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Behandlung von Notfällen, die oft nicht aufgenommen werden können und auf freie Kapazitäten in anderen Kliniken angewiesen sind. Gab es Jahr 1991 in Deutschland noch etwa 665.500 Betten, 2021 waren es nur noch rund 483.600. 

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Screenshot und Quelle: Quelle: Statistisches Bundesamt

Zeitliche Verzögerungen: Die Überlastung der Krankenhäuser führt zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei der Behandlung und damit zu medizinischen Risiken.

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Entfernung vom Wohnort: Patientinnen und Patienten befinden sich häufig in Kliniken weit entfernt von ihrem Wohnort, was für sie und ihre Angehörigen eine zusätzliche Belastung darstellt.

Forderungen an die Politik

Die Geschichte dieses Mannes und seines Vaters ist ein starkes Signal an die politischen Verantwortlichen. Sie erhebt schwere Vorwürfe und fordert die Politik zu dringenden Reformen in unserem Gesundheitssystem auf. Es ist an der Zeit, die Missstände nicht länger zu ignorieren oder auszusitzen. Es ist Zeit, mutig und entschlossen zu handeln.

Kurzgefasst: Krankenhausreform 2023

Am 10. Juli 2023 haben sich Bund und Länder auf die Eckpunkte für eine umfassende Krankenhausreform geeinigt. Dieses Ergebnis wird die Grundlage für den Referentenentwurf sein, der während der parlamentarischen Sommerpause erstellt wird und das Gesetz soll zum 1. Januar 2024 in Kraft treten.

Die Reform verfolgt drei Hauptziele: Entökonomisierung, Verbesserung der Behandlungsqualität und Reduzierung der Bürokratie im System. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die Sicherstellung der Versorgungssicherheit.

Das aktuelle System der Fallpauschalen hat die Krankenhäuser unter erheblichen ökonomischen Druck gesetzt, wodurch viele von Schließung bedroht sind. Die Reform plant daher, notwendigen Kliniken sogenannte Vorhaltepauschalen zu gewähren. Dies ist eine Art Existenzgarantie, die unabhängig von der Anzahl der angebotenen Behandlungen gewährt wird.

Infolgedessen wird die Qualität und nicht die Quantität der Versorgung bestimmen. Dies gibt den Krankenhäusern eine Überlebenschance und stellt sicher, dass Patienten notwendige und qualitativ hochwertige Behandlungen erhalten.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist das geplante Transparenzgesetz des Bundes, das Patienten das Recht gibt zu wissen, welche Leistungen ein Krankenhaus in welcher Qualität anbietet. Diese Transparenz-Offensive soll am 1. Januar 2024 beginnen.

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Ohne Reform müssen viele Krankenhäuser Insolvenz anmelden. Mit der Reform erhalten sie wieder eine Perspektive, so Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach. (Quelle)

Fazit

Das deutsche Gesundheitssystem mag Schwächen haben und es gibt durchaus Reformbedarf. Aber es liegt an uns, die Diskussion zu führen, zu hinterfragen und aktiv nach Lösungen zu suchen. Nur so können wir verhindern, dass noch mehr Menschen wie der Mann und sein Vater in Montabaur verzweifelt nach medizinischer Hilfe suchen müssen. Es ist an der Zeit, das deutsche Gesundheitssystem wieder aufzubauen, das wir brauchen und verdienen.

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)