Im Jahr 2020 wurden eine Vielzahl von Krankenhäusern geschlossen, was bei vielen die Vermutung aufkommen lässt, dass die Corona-Pandemie ja nicht so schlimm zu sein scheint. Doch das Problem liegt ganz woanders!

Ein Tweet, kombiniert mit einer Liste von Krankenhäusern, wird als Sharepic geteilt und unterstützt eine Falschbehauptung: Die Bundesregierung habe die Krankenhäuser geschlossen, weswegen eine etwaige Überlastung des Gesundheitssystems unglaubwürdig wäre. Um dieses Sharepic handelt es sich:

Geschlossene Krankenhäuser
Geschlossene Krankenhäuser

In dem Tweet wird gesagt, dass die deutsche Bundesregierung von Mai bis November 2020 insgesamt 20 Krankenhäuser mit komplett 3000 Betten schloss und somit jegliches Recht verwirkte, dem Volk mit einer etwaigen Überlastung des Gesundheitssystems zu drohen.
Darunter findet sich eine Liste der geschlossenen Krankenhäuser.

Die Liste der Krankenhäuser

Der Twitternutzer Reaver_Phoenix machte sich die Arbeit, die Schließung der Krankenhäuser zu überprüfen (Threat siehe HIER).

Hier listen wir seine Recherche-Ergebnisse in Kurzform auf:

  1. Winterberg in NRW: Konkurs, aber noch in Betrieb, Käufer wird gesucht (siehe HIER)
  2. Schneeberg in Sachsen: Schließung wegen Ärztemangel (siehe HIER)
  3. Parsberg in Bayern: Patienten- und Personalmangel (siehe HIER)
  4. Riedlingen in BW: Schließung wegen Zentralkrankenhaus in Biberach (siehe HIER)
  5. Waldsassen in Bayern: seit 2019 nur noch Orthopädie Reha, nun endgültig geschlossen (siehe HIER)
  6. Vohenstrauß in Bayern: akutstationäre Versorgung, schloß gleichzeitig mit Waldsassen (siehe HIER)
  7. Wedel in SH: Überführung nach Pinneberg und Elmshorn, keine Entlassungen (siehe HIER)
  8. Bochum-Linden in NRW: Schließung wegen fehlendem tragfähigem Konzept (siehe HIER)
  9. Havelberg in Sachsen-Anhalt: Schließung wegen Millionenverlusten und Unterbelegung (siehe HIER)
  10. Weingarten in BW: Patientenmangel, Personal wird an anderen Stellen benötigt (siehe HIER)
  11. Oberwesel, St. Goar in RP: Kliniken seien dauerhaft unrentabel (siehe HIER)
  12. Fürth in Bayern: konnte nicht mehr kostendeckend betrieben werden (siehe HIER)
  13. Essen-Altenessen in NRW: Wird abgerissen und neu gebaut (siehe HIER)
  14. Mannheim in BW: Reine Geburtsklinik, Schließung weil nicht mehr modern genug (siehe HIER)
  15. Lehnin in Brandenburg: Schließung wegen hoher Vorhaltekosten und sehr eingeschränkter Einzugsbereich (siehe HIER)
  16. Essen-Stoppenberg in NRW: Besitzer (Contilia-Gruppe) schloss wegen Umstrukturierung, Neubau geplant (siehe HIER)
  17. Tönis in NRW: Notaufnahme seit 2018 geschlossen, Rest war finanziell nicht mehr tragbar, Versorgung durch umliegende Krankenhäuser besser (siehe HIER)
  18. Ingelheim in RP: Schließung wegen Insolvenz, kein Nachfolger gefunden (siehe HIER)
  19. Ottweiler im Saarland: keine komplette Schließung, aber nicht mehr eigenständig (siehe HIER)
  20. Losheim im Saarland: Regelversorgung geschlossen, Konservative Orthopädie umgezogen (siehe HIER)

Keine Klinik im Besitz der Bundesregierung

Wer sich in den einzelnen Artikeln über die Kliniken umsieht, wird eines auffallen:
Keine der Kliniken ist staatlich, sehr viele Kliniken schlossen, weil sie insolvent oder unrentabel sind.

Und dies sind Auswirkungen der Wirtschaft: Die Kliniken gehören Unternehmen, welche die Krankenhäuser nicht mehr finanzieren können oder die Infrastruktur der lokalen Kliniken umstrukturieren.

Ebenfalls auffallend, dass die wenigsten Krankenhäuser, die geschlossen worden, auch für Corona-Patienten ausgelegt waren: Manche waren kleine Allgemein-Kliniken, andere waren auf Geburten oder Orthopädie spezialisiert.

Und auch auffallend: Personalmangel ist ebenfalls bei manchen ein Grund, Pflegeberufe sind leider im Vergleich zu den Leistungen, die gebracht werden müssen, unterbezahlt.

Der Abbau von Krankenhäusern – Seit Jahren ein Problem

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass schon seit Jahrzehnten kontinuierlich Kliniken abgebaut werden (siehe HIER). Ausführlich beschäftigte sich die Landesärztekammer Hessen mit Krankenhaus-Schließungen (siehe HIER), wobei sie unter anderem den Pflegenotstand und Qualitätssteigerungen hervorheben.

Fazit

Tatsächlich wurden 2020 viele Krankenhäuser geschlossen, dies allerdings nicht von der Bundesregierung, wie behauptet wird. Stattdessen lag es an Insolvenzen und Personalmangel, manchmal auch regionale Umstrukturierungen.

 


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