Meldungen über Gewalttaten von Migranten verteilen sich immer wieder neu auf Facebook – auch wenn sie bereits veraltet sind.
Insbesondere werden dann gerne auch Meldungen genommen, welche die eigentliche Straftat dramatisierend verfälschen, um noch mehr Empörung auszulösen.
Doch warum wird das gemacht?
Ein aktuelles Beispiel
Seit einigen Tagen bekommen wir vermehrt Anfragen zu einem Artikel der Seite „Truth24“:
„Afrikaner schneidet Baby den Kopf ab und keiner in Deutschland berichtet darüber“
Im obigen Screenshot kann man erkennen, dass der Artikel im April erschienen ist, genau genommen im April 2018. Wir berichteten damals über diesen Artikel.
Zusammenfassung unseres damaligen Artikels
Die verwendete Collage zeigt nicht den echten Täter und das echte Baby, sie ist eher als Symbolbild zu werten, um die Tat grafisch zu dramatisieren.
Die Tat geschah zwar tatsächlich, doch berichteten, im Gegensatz zu der Behauptung der Seite „Truth24“, zahlreiche Medien von der Tat. Dass das Baby geköpft wurde, ist eine reine Erfindung der Seite, es starb an schweren Stichverletzungen (was auch so schon schlimm genug ist, ohne dass man es dramatisieren muss).
Die Tat geschieht immer wieder… auf Facebook
Oftmals werden auf Facebook nur die Überschriften von verlinkten Artikeln gelesen. Und wenn sich Nutzer mal die Mühe machen, einen Artikel auch zu lesen, wird meist nicht darauf geachtet, von wann ein Artikel überhaupt ist.
Noch tückischer: Viele Seiten, deren Hauptinhalte aus hetzenden Artikeln mit oftmals falschen Darstellungen oder komplett erfundenen Ereignissen bestehen, versehen ihre Beträge nicht einmal mit einem Datum, so dass ein Vorfall dort quasi „zeitlos“ ist und immer wieder als „aktuell“ geteilt werden kann.
Dahinter steckt nicht etwa Schlampigkeit, sondern eine perfide Absicht:
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

Das stetig vom zeitlichen Kontext gelöste Posten alter Inhalte auf Facebook soll eine Dauerpräsenz von Gefahrensituationen herstellen.
Dadurch, dass ein und derselbe Vorfall immer und immer wieder gepostet wird, „geschieht“ er scheinbar stets aktuell. Die Leserinnen und Leser, welche nur Headlines und Teaser konsumieren, erleben „die grausame Tat“ ständig aufs Neue. Somit wird eine Bedrohungsituation, die aus einem anderen zeitlichen Kontext stammt, fortwährend aufrechterhalten und verstärkt.
Und daher spielt es keine Rolle, ob es sich um einen köpfenden Afrikaner oder andere „Migrantenvorfälle“ handelt.