Wenn Sie heute noch mit einem Einkaufswagen durch die Gänge von Penny, einem bekannten Discounter, schieben, könnten Sie eine Überraschung erleben. Einige Artikel, die Sie normalerweise kaufen, könnten plötzlich teurer sein als erwartet. Nein, Penny versucht nicht, seine Gewinne zu steigern, sondern startet ein bemerkenswertes Experiment: Sie berechnen die „wahren“ Kosten der Produkte, indem sie ihre Umweltauswirkungen berücksichtigen.

BehauptungenFaktencheck
Penny erhöht die Preise aus Profitgier.Falsch – Die Preissteigerung ist ein Experiment, um auf die versteckten Umweltkosten hinzuweisen, die in der Produktionskette anfallen. Die Mehreinnahmen werden gespendet.
Die Preise für einige Lebensmittel sind verdoppelt.Wahr – Die Preise einiger ausgewählten Produkte wurden erhöht, um die tatsächlichen Umweltkosten widerzuspiegeln.
Nur neun Produkte sind im Experiment enthalten.Wahr – Penny hat neun verschiedene Produkte für das Experiment ausgewählt.
Das Experiment wurde von Wissenschaftlern begleitet.Wahr – Wissenschaftler der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald haben das Experiment begleitet und analysiert.
Lebensmittel könnten durch das Experiment zu Luxusgütern werden.Falsch – Es wurde betont, dass Lebensmittel, insbesondere in Discountern, nicht zu Luxusgütern werden dürfen. Das Experiment ist zeitlich begrenzt und dient der Sensibilisierung.
Alle bei Penny gekauften Produkte enthalten versteckte Umweltkosten.Wahr – Alle Produkte haben versteckte Umweltkosten. Das Experiment bezieht sich jedoch nur auf die neun ausgewählten Produkte.
Die Lebensmittelproduktion hat Auswirkungen auf Klima, Wasser, Böden und Gesundheit.Wahr – Die Produktionsprozesse von Lebensmitteln haben vielfältige Auswirkungen auf die Umwelt, einschließlich des Klimas, des Wassers, der Böden und potenziell unserer Gesundheit.
Penny nutzt seine Marktmacht nicht, um umweltschonende Produktion zu fördern.Wahr und Falsch – Laut Kritikern, wie Foodwatch, könnte Penny mehr tun, um nachhaltigere Praktiken zu fördern. Jedoch versucht Penny durch dieses Experiment, das Bewusstsein für Umweltkosten zu schärfen.

Der Discounter betritt unerforschtes Terrain

Die Tochtergesellschaft von Rewe hebt für eine Woche die Preise ausgewählter Produkte deutlich an, um das Bewusstsein für die wahren Kosten der Artikel zu schärfen. Beispielsweise steigt der Preis für einen Erdbeerjoghurt von 99 Cent auf plötzliche 1,44 Euro, und der Preis für eine Packung Wiener Würstchen springt von 3,19 Euro auf 6,01 Euro. Insgesamt werden neun Artikel in den Penny-Märkten bis zum 5. August 2023 teurer.

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„Wir sehen, dass viele unserer Kunden unter den unverändert hohen Lebensmittelpreisen leiden“, sagt Penny-Manager Stefan Görgens. „Dennoch müssen wir uns der unbequemen Botschaft stellen, dass die Preise unserer Lebensmittel, die entlang der Lieferkette anfallen, die Umweltfolgekosten nicht widerspiegeln.“

Foodwatch verurteilt Penny’s Aktion

Foodwatch, eine Verbraucherschutzorganisation, hat scharfe Kritik an der Initiative geübt. Sie bezeichnen Pennys Aktion als „reinen PR-Gag“. Während Penny für neun Produkte „wahre“ Preise verlangt, drückt der Discounter die Preise für viele andere umwelt- und klimaschädliche Lebensmittel, wie Fleisch, auf das Minimum.

„Statt wie in dieser Woche zwei Kilogramm frische Hähnchenschenkel im Aktionspreis für 5,99 Euro anzubieten, sollte Penny seine Marktmacht nutzen, um eine umweltschonendere Produktion entlang der gesamten Produktpalette zu fördern“, fordert Foodwatch.

Was sind die „wahren“ Kosten unserer Lebensmittel?

Aber was sind eigentlich diese „wahren“ Kosten, von denen alle sprechen? Begleitet von Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald, hat Penny versucht, dies zu berechnen. Sie berücksichtigen die Auswirkungen, die ein Produkt auf Böden, Klima, Wasser und Gesundheit hat.

Ein Beispiel dafür ist der Maasdamer-Käse. Der ursprüngliche Preis beträgt 2,49 Euro, aber unter Berücksichtigung der „wahren“ Kosten werden 4,84 Euro verlangt. Dabei machen 85 Cent die klimaschädlichen Emissionen aus, wie Methan oder CO₂. Die Belastung der Böden durch die Futterproduktion führt zu zusätzlichen Kosten von 76 Cent, und für Pestizide und andere Auswirkungen auf die Gesundheit werden 63 Cent fällig. Eine zusätzliche Belastung des Grundwassers durch Düngemittel fügt weitere 10 Cent hinzu.

Diese 9 Produkte werden teurer:

BezeichnungKosten (neu)Kosten (alt)
Mühlenhof Wiener Würstchen6,01 Euro3,19 Euro
Naturgut Bio Wiener Würstchen5,36 Euro3,29 Euro
San Fabio Mozzarella1,55 Euro0,89 Euro
Naturgut Bio Mozzarella1,92 Euro1,29 Euro
Penny Zukunftsbauer Fruchtjoghurt1,44 Euro0,99 Euro
Naturgut Bio Fruchtjoghurt1,56 Euro1,19 Euro
Lindenhof Maasdamer Scheiben4,84 Euro2,49 Euro
Naturgut Bio Maasdamer Käsescheiben3,70 Euro2,19 Euro
Food For Future Vegane Schnitzel2,83 Euro2,69 Euro

Die Reaktion der Umweltökonomen

Andreas Löschel, Professor für Umweltökonomik und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität Bochum, sieht in der Aktion von Penny einen wichtigen Schritt zur Bewusstseinsbildung. „Es gibt viele Produkte, die auf Kosten der Umwelt günstig sind“, sagt er. „Das aufzuzeigen, ist wichtig.“

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Alexandra Dehnhardt, Umweltökonomin beim Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin, weist jedoch darauf hin, dass die Ermittlung dieser sogenannten „externen Kosten“ eine Herausforderung sein kann. Sie erkennt die Aktion von Penny dennoch als einen guten Ansatz an, um Verbraucher auf die Kosten hinzuweisen.

Penny, die zur Rewe-Gruppe gehört, plant nicht, die zusätzlichen Einnahmen zu behalten, sondern beabsichtigt, sie für ein Projekt zur Förderung des Klimaschutzes und zum Schutz von familiengeführten Bauernhöfen im Alpenraum zu spenden. Die Aktion der „wahren Preise“ soll laut der Berichterstattung der Heilbronner Stimme ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen.

Fazit: Die Initiative von Penny ist gewiss nicht unumstritten. Obwohl sie Kritik auf sich gezogen hat, hat sie doch auch eine wichtige Debatte in Gang gesetzt. Sie fordert uns dazu auf, die wahren Kosten der Produkte, die wir täglich konsumieren, zu hinterfragen und dabei die Auswirkungen auf die Umwelt zu berücksichtigen. Und das ist zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, um ein stärkeres Bewusstsein für Umweltfragen zu schaffen und nachhaltigere Verbrauchsgewohnheiten zu fördern. Nur die Zeit wird zeigen, ob andere Einzelhändler ähnliche Initiativen starten werden und ob dies letztendlich zu einer Änderung des Verbraucherverhaltens führt.

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