Donald Trump feiert „Sieg über den Klimawandel-Hoax“, doch Bill Gates hat nie so etwas gesagt
Ein Truth-Social-Post von Donald Trump verdreht einen neuen Essay von Bill Gates ins Gegenteil. Gates fordert eine strategische Neuausrichtung, kein Ende des Klimaschutzes.
Donald Trump behauptet auf Truth Social, Bill Gates habe „zugegeben, dass er beim Thema Klimawandel völlig falsch lag“ und dass damit der „Krieg gegen den Klimawandel-Hoax“ gewonnen sei.
Aufgestellt von: Donald Trump
Falsch
Bill Gates hat nicht zugegeben, dass der Klimawandel ein „Hoax“ sei. Im Gegenteil: In seinem aktuellen Essay beschreibt er den Klimawandel als ernsthaftes, aber lösbares Problem. Er betont ausdrücklich, dass der Klimawandel real und gefährlich ist, aber nicht das Ende der Menschheit bedeutet. Er plädiert dafür, Klimaschutz mit Armutsbekämpfung und Gesundheitsförderung zu verbinden. Trump verdreht diese Position und nutzt sie, um seine eigene Leugnung des Klimawandels zu stützen.
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FAQ: Bill Gates und die angebliche „Klimawende“
Was Gates wirklich fordert, und was Trump daraus macht.
Screenshot des Truth Social-Posts von Donald Trump zu Aussagen von Bill Gates
„I (WE!) just won the War on the Climate Change Hoax. Bill Gates has finally admitted that he was completely WRONG on the issue. It took courage to do so, and for that we are all grateful. MAGA!!!“
„Ich (WIR!) haben gerade den Krieg gegen den Klimawandel-Hoax gewonnen. Bill Gates hat endlich zugegeben, dass er in dieser Frage völlig FALSCH lag. Das erforderte Mut, und dafür sind wir ihm alle dankbar. MAGA!!!“
Nein. Gates schreibt ausdrücklich, der Klimawandel sei ein „sehr wichtiges Problem“, das gelöst werden müsse. Er betont, dass Innovation und Technologie nötig sind, um die Emissionen langfristig auf null zu bringen.
Was fordert Gates in seinem Text?
Er ruft zu einer „strategischen Neuausrichtung“ auf: Der Klimaschutz müsse stärker auf das Wohl der Menschen und Entwicklung ausgerichtet werden. Er warnt davor, Geld aus der Gesundheits- und Armutsbekämpfung abzuziehen, um kurzfristige Emissionsziele zu erreichen.
Warum sprechen Medien von einem Kurswechsel?
Medien sprechen von einer Abkehr von alarmistischen Szenarien. Gates schreibt, der Klimawandel werde die Menschheit nicht auslöschen, aber besonders arme Länder stark treffen. Daher fordert Gates einen „strategic pivot“ – eine Neuausrichtung, nicht ein Aufgeben des Klimaschutzes. Er will, dass Investitionen in Innovation, Landwirtschaft und Gesundheit denselben Stellenwert haben wie CO₂-Reduktion.
Wie kommt Trump zu seiner Behauptung?
Trump greift nur einen Teilaspekt heraus – Gates’ Satz, der Klimawandel werde nicht „die Menschheit vernichten“ – und stellt ihn als Eingeständnis dar, dass der Klimawandel erfunden sei. Trump nutzt diese Aussage, um seine eigene Position zu bestätigen, dabei unterschlägt er allerdings, dass Gates die Klimakrise weiter als ernstes globales Problem beschreibt. Das ist eine bewusste Verdrehung.
Was steckt hinter dieser Desinformation?
Solche Aussagen schüren Misstrauen gegenüber Wissenschaft und internationalen Klimamaßnahmen. Sie stärken politische Polarisierung, statt Lösungen zu fördern.
Die Fakten dahinter – MIMIKAMA-ANALYSE
Gates’ eigentliche Botschaft
Bill Gates schreibt in seinem Essay „Three Tough Truths about Climate“, dass der Klimawandel ernsthafte Folgen hat – vor allem für arme Länder –, aber nicht das Ende der Zivilisation bedeutet. Diese Einschätzung richtet sich gegen übertriebene Untergangsprognosen, nicht gegen den Klimaschutz selbst.
Gates ruft dazu auf, den Kampf gegen Klimawandel, Armut und Krankheit gemeinsam zu führen und die begrenzten Mittel gezielter einzusetzen. Er betont, dass Innovationen in Energie, Landwirtschaft und Gesundheit der Schlüssel seien, um Menschen widerstandsfähiger zu machen.
Fortschritt statt Kapitulation
In seinem Text beschreibt Gates, dass die Menschheit bereits deutliche Fortschritte erzielt hat: Die weltweiten Emissionsprognosen seien in den letzten zehn Jahren um mehr als 40 % gesunken. Grund seien technologische Durchbrüche, etwa bei Solar- und Windenergie oder Elektromobilität. Für ihn ist das ein Grund für Optimismus, nicht für Rückzug.
Gates fordert mehr Investitionen in saubere Technologien und in Programme, die Gesundheit und Ernährungssicherheit stärken. Diese Haltung steht im klaren Gegensatz zu Trumps Darstellung eines „Kriegsgewinns gegen den Klimawandel-Hoax“.
Fehlinterpretation durch Trump
Auch Medien deuten Gates’ Text nicht als Absage an den Klimaschutz. CNN und The Guardian beispielsweise heben hervor, dass Gates lediglich die Prioritäten neu gewichten will – weg von Symbolpolitik, hin zu messbaren Verbesserungen für das Leben der Menschen.
Trumps Post dagegen ist ein klassisches Beispiel politischer Desinformation: Er entfernt Gates’ Aussagen aus dem Zusammenhang, nutzt emotional aufgeladene Schlagworte („Hoax“, „Krieg“, „Sieg“) und konstruiert daraus ein Narrativ, das seine eigene Klimaskepsis bestätigt. Und natürlich nutzt er die Gelegenheit, sich selbst als Friedensstifter in einem weiteren Krieg zu erklären – vermutlich ein neuer Eintrag auf seinem inneren „Gebt-mir-doch-endlich-den-Friedensnobelpreis“-Konto.
Warum das gefährlich ist
Solche Umdeutungen verzerren die öffentliche Debatte. Sie erwecken den Eindruck, führende Wissenschaftsbefürworter wie Gates hätten ihre Meinung geändert, obwohl sie weiterhin auf wissenschaftlichen Konsens verweisen. Das untergräbt das Vertrauen in faktenbasierte Politik und lenkt von echten Lösungen ab.
Trumps Aussage wirkt wie ein propagandistischer „Triumph“, ist aber inhaltlich haltlos. Sie dient der Stimmungsmache und fördert das Misstrauen gegenüber Klimaforschung und internationalen Klimazielen.
FAZIT
Bill Gates hat nicht behauptet, der Klimawandel sei ein Hoax. Er ruft zu einer realistischen, menschenzentrierten Klimapolitik auf, die Innovation, Armutsbekämpfung und Gesundheit vereint.
Donald Trump hingegen nutzt Gates’ Worte für eine politische Inszenierung, die wissenschaftliche Erkenntnisse entwertet und Spaltung fördert.
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Claudia Spiess ist Redakteurin und Designerin bei Mimikama,
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