Die Behauptung
Ein viraler Clip zeigt eine rauchende und spuckende „ausländische Arbeitskraft“ in einem deutschen Zug und soll als Beleg für angebliche Zustände durch Migration dienen.
Aufgestellt von: Facebook-Seiten
Falsch
Falsch. Die Szene stammt nachweislich aus der New Yorker U-Bahn. Das Video wurde dort gefilmt und wird nun mit falschem Kontext gezielt verbreitet, um rassistische Narrative zu bedienen.
Kurze Faktenübersicht:
- Ort eindeutig identifiziert: Die Szene spielt in einem Waggon der New Yorker Subway.
- Die Originalquelle wurde ermittelt. Der Clip wurde zuerst vom US-Nutzer „princezeewild“ auf Instagram gepostet.
- Missbräuchlicher Kontext: In Deutschland wird der Clip mit irreführenden Bildunterschriften verbreitet.
- Rassistische Untertöne: Begriffe wie „Fachkraft” und „Arbeitskraft” werden gezielt zynisch verwendet.
Hetze im falschen Film: Wie ein Clip aus New York nach Deutschland kam
Ein viraler Clip sorgt in den sozialen Medien für Empörung – allerdings aus ganz falschen Gründen. Die Szene zeigt einen dunkelhäutigen Mann, der in einem U-Bahn-Waggon raucht und auf den Boden spuckt. Dazu kursieren deutsche Bildunterschriften, die sich zynisch über angebliche „ausländische Fachkräfte“ lustig machen. Doch die Szene stammt überhaupt nicht aus Deutschland.
Ein Clip, viele Lügen: Was wirklich passiert ist:
Das Video tauchte zuerst am 11. April 2025 auf dem Instagram-Account „princezeewild“ auf. In der Originalfassung sieht man die gesamte Szene und hört den Kommentar des Filmenden: „New York is fucking crazy, yo! What the fuck!“ Dazu schreibt er: „Normal train ride in NYC.“ – Normaler U-Bahn-Tag in New York.
In dieser längeren Version erkennt man deutlich, dass es sich um einen Waggon der MTA, der New Yorker Verkehrsbetriebe, handelt. Die Ausstattung – gelbe Sitze, Holzvertäfelung, Türanordnung – stimmt mit anderen Waggons der Subway überein. Auch eine gut sichtbare Werbetafel mit dem Slogan „New York’s #1 Hiring Platform“ der US-Plattform „Job Today“ stützt die Lokalisierung.
Von Instagram nach Telegram: Wie aus einem Clip ein Propaganda-Werkzeug wird.
Trotz der eindeutig erkennbaren Herkunft des Clips wurde er in Deutschland mehrfach mit einer irreführenden Bildunterschrift verbreitet. Beispiele:
„Deutschland wird immer attraktiver für ausländische Arbeitskräfte. Insbesondere die öffentlichen Verkehrsmittel scheinen es ihnen angetan zu haben.”
„Doctor or engineer?“
Diese Bildunterschriften bedienen ein längst bekanntes Narrativ, nämlich die Unterstellung, Migranten seien unfähig, sowie die Assoziation von Nicht-Weißen mit Verwahrlosung oder Respektlosigkeit. Besonders perfide: Die Herkunft des Mannes ist völlig unbekannt. Weder Name noch Nationalität oder Aufenthaltsstatus sind belegt, was rechte Hetzer jedoch nicht davon abhält, ihn zur „ausländischen Fachkraft“ zu erklären.
Es ist der alte Trick: Kontext ändern, Empörung erzeugen.
Der Mechanismus ist nicht neu: Ein reales, aber harmloses oder kontextfreies Video wird aus seinem Ursprungskontext herausgelöst, mit neuen Kommentaren versehen und gezielt für Empörungswellen genutzt. Was früher als „Satire” oder „Zynismus” verharmlost wurde, ist heute ein kalkuliertes Mittel der Desinformation.
In diesem Fall spielt die rassistische Codierung eine zentrale Rolle: Die Begriffe „Fachkraft” und „Arbeitskraft” werden in extrem rechten Kreisen bewusst spöttisch verwendet, um Migranten zu diskreditieren. Das Ziel ist es, Stimmung gegen Einwanderung zu machen – mit einem Video, das noch nicht einmal aus Deutschland stammt.
Beweise und Quellen: Was sagt die Recherche?
- Die Rückwärtssuche des Videos zeigt: Der erste Upload stammt von „princezeewild“.
- Die Werbetafel im Video verweist auf ein Unternehmen aus New York.
- Zahlreiche Instagram-Accounts aus den USA haben den Clip geteilt – stets mit dem Hinweis „New York Subway“.
- Kein einziges Indiz spricht für Deutschland als Drehort.
Fazit zum Thema
Die Szene in der U-Bahn stammt nicht aus Deutschland, sondern aus New York. Der Clip wurde mit irreführenden Kommentaren versehen, um rassistische Vorurteile zu verstärken und Migranten zu diffamieren. Wer solche Beiträge teilt, verbreitet keine Meinung, sondern trägt aktiv zur Desinformation bei.
Quelle: DPA
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