Kaum ein Phänomen hat die Welt in den vergangenen Jahren so stark beeinflusst wie die sozialen Medien. Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind Plattformen, auf denen wir uns informieren, Meinungen austauschen und diskutieren. Sie sind aber auch Orte, an denen Fake News und Desinformation florieren – mit weitreichenden Folgen. Ein aktuelles Beispiel ist eine Fotomontage mit Jewgeni Prigoschin, die vorgibt, ein Rekrutierungsplakat der polnischen Armee zu sein.
| Behauptungen | Faktencheck |
|---|---|
| Die polnische Armee hat eine Rekrutierungskampagne mit dem Bild von Jewgeni Prigoschin gestartet. | Falsch. Es wurde bestätigt, dass das Plakat, das in sozialen Medien kursierte, eine Fotomontage war und keine offizielle Kampagne der polnischen Armee. |
| Die Fotomontage war ein offizielles Plakat des polnischen Verteidigungsministeriums. | Falsch. Das polnische Verteidigungsministerium bestätigte, dass das Plakat nicht echt war und verurteilte die Verwendung seines Logos als illegal. |
| Das Originalbild, das der Fotomontage zugrunde lag, konnte nicht gefunden werden. | Falsch. Nach eingehender Untersuchung konnte das Originalfoto als Werbung einer Bank an einer Bushaltestelle in Krakau identifiziert werden. |
| Die Fotomontage wurde hauptsächlich in Polen verbreitet. | Falsch. Die Fotomontage wurde in verschiedenen Sprachen verbreitet und in vielen Ländern gesehen und geteilt. |
Der gefälschte Rekrutierungsaufruf der polnischen Armee mit Jewgeni Prigoschin
Im Sommer 2023 verbreitete sich in den sozialen Netzwerken eine Fotomontage, die angeblich ein Plakat der polnischen Armee zeigte. Das vermeintliche Rekrutierungsplakat erweckte den Eindruck, dass das polnische Verteidigungsministerium das Gesicht des Russen Jewgeni Prigoschin, Chef der Wagner-Truppe, benutze, um Angst zu schüren und die polnische Bevölkerung in die Armee zu locken.

Der Ursprung der Fotomontage
Die gefälschte Fotomontage, die auf Twitter und Facebook kursierte, zeigte ein Foto von Prigoschin, über das ein roter Strich gezogen war und das von einer brennenden Landschaft umgeben war. Eine kleine polnische Flagge und das Logo des polnischen Verteidigungsministeriums waren ebenso zu sehen wie der Slogan „Polen – das Schutzschild Europas“ und der Aufruf „Freiwilliger Wehrdienst. Schützen wir Europa vor dem verrückten Russen“.
Die Verbreitung der Fotomontage
Die Fotomontage verbreitete sich schnell in verschiedenen Sprachen über soziale Netzwerke und wurde von Tausenden von Menschen gesehen und geteilt. Neben dem polnischen Original gab es Übersetzungen ins Russische, Slowakische, Spanische, Französische, Englische und Türkische.
Die Entlarvung der Falschmeldung
Das Bild stellte sich jedoch schnell als Fälschung heraus. Die französische Nachrichtenagentur AFP konnte das Originalfoto identifizieren: Es handelte sich um die Werbung einer Bank an einer Bushaltestelle in Krakau. Das polnische Verteidigungsministerium, die Krakauer Verkehrsbetriebe und die betreffende Werbeagentur bestätigten, dass ein solches Plakat nicht existiere.
Die Suche nach dem Original
Die Suche nach dem Originalbild, das der Fotomontage zugrunde liegt, verlief zunächst erfolglos. Verschiedene Techniken der inversen Bildsuche konnten kein passendes Bild liefern. Eine öffentliche Stellungnahme der regionalen Rekrutierungszentren der polnischen Armee und ein Faktencheck der polnischen Faktencheck-Website Konkret24 widerlegten jedoch die Behauptungen des gefälschten Plakats.
Die Identifikation der Bushaltestelle
Die genaue Analyse des Bildes führte schließlich zur Identifizierung der Bushaltestelle in Krakau, an der das Originalfoto aufgenommen worden sein musste. Vergleiche mit anderen Bushaltestellen und eine genaue Untersuchung der auf dem Bild abgebildeten Straßenbahnlinien bestätigten die Vermutung.
Hier das Originalbild

Die Reaktion der polnischen Behörden
Das polnische Verteidigungsministerium verurteilte die Verwendung seines Logos in der Fotomontage als illegal und bezeichnete die Falschmeldung als weiteres Beispiel für Desinformation in sozialen Netzwerken. Auch der Leiter des Zentralen Rekrutierungszentrums in Polen warnte vor der Fotomontage und rief dazu auf, „Fake News“ nicht weiterzuverbreiten.

Fazit
Die polnische Armee hat in einer Rekrutierungskampagne nicht das Gesicht von Wagners Truppenchef Jewgeni Prigoschin verwendet, um Angst zu verbreiten und mehr Soldatinnen und Soldaten zu rekrutieren. Das verbreitete Plakat ist eine Fotomontage. Obwohl die Fälschung entlarvt wurde, konnte sich das Bild in sozialen Netzwerken weit verbreiten. Dies zeigt einmal mehr, wie anfällig diese Plattformen für Desinformation und Manipulation sind und wie wichtig eine sorgfältige Überprüfung von Informationen in der heutigen digitalen Welt ist.
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