Spieler trauen laut britischen Wissenschaftlern unseriösen Info-Tricks nachher weniger

Das Online-Game „Bad News“, in dem Spieler mit zweifelhaften Nachrichten Propaganda treiben, hilft quasi als „Impfung“ gegen Fake News. Das hat eine heute, Dienstag, erschienene Studie der University of Cambridge ergeben.

So sind Menschen, die dank dem auch auf Deutsch verfügbaren Game geringen Dosen unseriöser Meinungsmacher-Tricks ausgesetzt waren, danach weniger anfällig für Falschinformationen. Sie schätzen die Glaubwürdigkeit von Fake News im Schnitt um 21 Prozent geringer ein.

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„Psychologische Impfung“

„Die Forschung legt nahe, dass sich Fake News schneller und weiter verbreiten als die Wahrheit, dass das Bekämpfen von Fehlinformation im Nachhinein also wie ein verlorener Kampf sein kann“,

sagt Sander van der Linden, Director of the Cambridge Social Decision-Making Lab. Im Februar 2018 haben die Forscher also Bad News gestartet (pressetext berichtete).

Ihre Annahme: Menschen, die so in kleinen Dosen die Tricks hinter dem Verbreiten von Online-Falschinformation kennenlernen, fallen darauf nicht so leicht herein.

„Unser Spiel fungiert wie eine psychologische Impfung“,

meint van der Linden.

Tausende User haben das Game bereits probiert und der Auswertung ihrer Daten für die in „Palgrave Communications“ veröffentlichten Studie zugestimmt. Dabei hat sich gezeigt, dass Nutzer Fake News nach dem Spielen um gut ein Fünftel weniger glaubwürdig fanden als vorher. Auf ihre Einschätzung echter Nachrichten gab es keine Auswirkungen.

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„Wir haben festgestellt, dass schon 15 Minuten Spielen einen moderaten Effekt hat“,

sagt van der Linden. Das sei vor allem in der Summe auf tausende Menschen bezogen relevant – denn es entstehe wie bei normalen Impfungen quasi eine Herdenimmunität gegen Fake News.

Breiter Schutz statt Detailkampf

Im Game lernen User beispielsweise die Taktik „Nachahmung“ kennen, sich also auf sozialen Medien als bekannte, vertrauenswürdige Person auszugeben. Die Glaubwürdigkeit von Falschinfos, die darauf setzen, schätzen Nutzer nachher laut der Studie im Schnitt um 24 Prozent geringer ein.

Absichtlich polarisierenden Headlines trauen User nach dem Spielen immerhin zehn Prozent weniger, Diskreditierungsversuchen gegen angeblich voreingenommene legitime Nachrichtenquellen um 19 Prozent weniger. Die Glaubwürdigkeit von Verschwörungstheorien bewerten Game-Geimpfte um ein Fünftel niedriger.

„Wir zielen auf Taktiken statt Ideen ab“,

betont Studien-Coautor Jon Rozenbeek.

„So hoffen wir, eine allgemeine ‚Impfung‘ gegen Fake News zu schaffen, statt jeder einzelnen Verschwörungstheorie oder Unwahrheit begegnen zu wollen.“

Das wäre offensichtlich effizienter, denn einmal grassierende Fehlinformationen mit tatsächlichen Fakten zu begegnen, ist bekanntlich meist ein Kampf gegen Windmühlen, egal ob es nun um Impfgegner, Chemtrail-Gläubige oder Scheibenweltler geht.

Quelle: pressetext
Artikelbild: Antonio Guillem / Shutterstock.com


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