BR-Recherche zeigt Geschäft mit voyeuristischen Teufelsrad-Videos

Der Bayerische Rundfunk hat Personen und Netzwerke hinter voyeuristischen Oktoberfest-Videos recherchiert. Die Aufnahmen werden verkauft, manipuliert und zum Aufbau großer Social-Media-Kanäle genutzt.

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KURZMELDUNG · DEUTSCHLAND

Auf YouTube, TikTok, Instagram und Facebook laufen Videos vom Münchner Teufelsrad: Frauen rutschen von der drehenden Plattform, teils werden Unterwäsche oder intime Körperbereiche sichtbar. Eine am 29. September veröffentlichte BR-Recherche zeigt noch während des Oktoberfests, wie solche Aufnahmen gezielt produziert, verkauft und für Millionenreichweiten genutzt werden.

Schon vor Beginn des Oktoberfests 2026 waren mindestens 32.000 solcher Clips im Netz bekannt. Der Bayerische Rundfunk identifizierte mehrere Beteiligte aus Bayern und eine Community von YouTube-Profis aus der Ukraine. Die inzwischen gelöschten Videos eines Mannes aus Bayern kamen laut BR zusammen auf mehrere hundert Millionen Aufrufe.

Eine Frau aus Oberbayern betrieb einen YouTube-Kanal mit mehr als 160.000 Abonnent:innen. Sie gab 2024 an, während 18 Oktoberfest-Tagen mehr als 600 Videos aufgenommen zu haben. Auf ihrer Webseite bot sie über 500 unveröffentlichte Aufnahmen für mehrere hundert Euro an. Ihre Behauptung, mit einem Video über Nacht 9.000 Euro verdient zu haben, konnte der BR nicht unabhängig bestätigen. Nach der Kontaktaufnahme verschwanden Inhalte und zwei mutmaßlich von ihr betriebene Accounts.

In einer ukrainischen Online-Community mit mehreren tausend Mitgliedern dienen Teufelsrad-Aufnahmen laut Recherche dazu, YouTube-Kanäle aufzubauen und für Werbeeinnahmen freizuschalten. Manche Vorschaubilder wurden nachträglich sexualisiert: Bilder aus Pornofilmen waren in Teufelsrad-Szenen montiert worden. In einer Telegram-Gruppe kostete Material nur mit Frauen sechs Euro pro Minute, Aufnahmen mit Frauen und Männern 1,50 Euro. Wie viele Netzwerke solche Videos handeln und welche Einnahmen tatsächlich erzielt wurden, bleibt offen.

Google, Meta und TikTok teilten dem BR mit, nach dessen Anfrage Videos oder Accounts entfernt zu haben. Die Betreiber des Teufelsrads setzen seit 2024 mehrsprachige Hinweisschilder ein und verständigen bei Verdacht auf Upskirting die Polizei. Damit sind heimliche Aufnahmen unter Röcke oder Kleider gemeint. Der geltende Paragraf 184k des deutschen Strafgesetzbuchs greift laut BR jedoch nicht immer, etwa wenn das ganze Fahrgeschäft gefilmt wird oder kein eindeutiger Fokus auf dem Intimbereich liegt. Das Bundesjustizministerium arbeitet an einer Verschärfung, der Entwurf wird noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt.

Der Fall zeigt ein Muster, das über das Oktoberfest hinausgeht: Eine alltägliche Handyaufnahme kann kopiert, sexualisiert und zum dauerhaften Geschäftsmodell werden. Öffentlich gefilmt zu werden bedeutet nicht, dass das Bild beliebig vermarktet werden darf. Auch wenn das Strafrecht einen Fall nicht erfasst, können das Recht am eigenen Bild, Persönlichkeitsrechte und zivilrechtliche Ansprüche gelten.

Quellen

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