„Judenfreie Zone“: Antisemitischer Aufkleber kam nicht vom Schuhladen

An einem Stockholmer Schuhgeschäft klebt eine gegen jüdische Menschen gerichtete Botschaft. Ein Facebook-Beitrag zeigt das Foto, lässt aber weg, wer den Aufkleber angebracht hat.

Die Behauptung

Ein Foto erweckt den Eindruck, das Stockholmer Schuhgeschäft Green Laces erkläre jüdische Menschen für unerwünscht.

Aufgestellt von: https://www.facebook.com/DIG.RheinNeckar.Mannheim/posts/pfbid09SMyogZ4pXAWYZdMSvmscZAHY2WzfNVHXQ5hwrhmvDW6yQ8kn56AsUJQWtbKmjyhl

Irreführend

Irreführend. Den antisemitischen Aufkleber brachte ein Außenstehender an: der schwedische rechtsextreme Straßenkünstler Dan Park. Er hat das selbst eingeräumt. Der gezeigte Facebook-Beitrag lässt diesen Hintergrund weg.

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Auf einem Foto aus Stockholm ist an der Tür des Schuhgeschäfts Green Laces ein Aufkleber mit der Botschaft „Judenfreie Zone“ zu sehen. Das wirkt, als würde das Geschäft jüdischen Menschen den Zutritt verweigern. Doch angebracht hat den Aufkleber ein Außenstehender: der schwedische rechtsextreme Straßenkünstler Dan Park. Er hat das selbst öffentlich bestätigt.

Was auf Facebook verbreitet wird

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar, Mannheim veröffentlichte das Foto in einem Facebook-Beitrag, der laut vorliegendem Screenshot vom 1. November stammt. Sie verurteilt die antisemitische Botschaft an einem Stockholmer Schuhladen. Auf dem weißen Aufkleber steht das Wort „Jude“ in einem Davidstern, darunter „FREE ZONE“. Die Botschaft ist damit eindeutig gegen jüdische Menschen gerichtet.

Der Beitrag sagt nicht ausdrücklich, dass die Inhaberin den Aufkleber angebracht habe. Er erklärt aber auch nicht, dass dieser von einem Außenstehenden stammt. Dadurch können Leserinnen und Leser das Schild für eine Mitteilung des Geschäfts halten.

Facebook-Beitrag mit dem Foto eines antisemitischen Aufklebers an der Tür des Stockholmer Schuhgeschäfts Green Laces
Der Beitrag verurteilt das Schild, nennt aber nicht den Mann, der es angebracht hat. Quelle: übermittelter Screenshot.

Wer den Aufkleber angebracht hat – und warum

Park veröffentlichte das Foto auf seinem Konto bei X, dem früheren Twitter. Dort fragte ihn ein anderer Nutzer, ob das Geschäft den grünen Aufkleber angebracht habe und er selbst den weißen mit der Botschaft „Judenfreie Zone“. Park antwortete mit „Correct.“ – auf Deutsch: „Richtig.“

Der grüne Aufkleber ist auf dem Foto unter dem weißen zu erkennen. Darauf steht „Apartheid Free Zone“. Er gehört zu einer Kampagne, die zum Boykott israelischer Waren aufruft, also dazu, diese nicht zu kaufen. Diesen Aufkleber hatte das Geschäft selbst angebracht, um gegen Israels Vorgehen gegenüber Palästinenserinnen und Palästinensern zu protestieren. Park erklärte gegenüber der Lokalzeitung Mitt i, er halte solche Boykottaufkleber für antisemitisch und habe deren Botschaft verschärfen wollen. Das ist seine Begründung für die Aktion; sie beweist keine entsprechende Haltung der Inhaberin.

Wie das Geschäft reagierte

Die Inhaberin Nina Färdig widersprach auf Instagram dem entstandenen Eindruck. Jemand habe den Aufkleber an ihrer Tür angebracht. Ihr Geschäft stehe für den gleichen Wert aller Menschen und wolle ein sicherer Ort für alle sein. Gegenüber der Zeitung Syre berichtete sie von Drohungen gegen den Laden. Sie erklärte außerdem, inzwischen auch den eigenen Boykottaufkleber entfernt zu haben, weil sich Menschen dadurch nicht willkommen gefühlt hätten.

Was wir an diesem Fall erkennen können

Das Foto zeigt einen Aufkleber an einer Geschäftstür. Es zeigt niemanden beim Anbringen. Wer daraus auf die Haltung der Inhaberin schließt, ergänzt also eine Information, die im Bild gar nicht enthalten ist. Hier lässt sich diese Lücke durch Parks eigenes Eingeständnis schließen.

Gerade die Platzierung an der Ladentür macht die Darstellung so irreführend: Was dort steht, wird leicht dem Geschäft zugerechnet. Die antisemitische Botschaft muss deshalb ebenso klar benannt werden wie der Mann, der sie dort angebracht hat. Die Empörung über das Schild ist nachvollziehbar; für die Verantwortung braucht es einen Beleg.

Hinweis zum Datum

Im Originalbeitrag des Geschäfts wird der 31. Oktober als Beginn der Hasskampagne genannt. AFP gibt diese Stelle mit dem 21. Oktober wieder. Das stimmt nicht mit dem Original überein. Wann genau Park den Aufkleber anbrachte, ist damit nicht unabhängig geklärt.

Quellen

MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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