Du fragst dich, warum überall immer diese Bitcoin-Werbung auftaucht?

Andre Wolf, 11. Juni 2019
Artikelbild: Shutterstock / Von Oleksiy Mark
Artikelbild: Shutterstock / Von Oleksiy Mark

Seit Monaten berichten wir über diese dümmlichen Fakenews-Werbeanzeigen auf Facebook.

In diesen Anzeigen wird schlichtweg gelogen, dennoch bekommen viele Nutzer diese Werbung angezeigt, weil sich Facebook für die Reichweiten bezahlen lässt. Gerade in den letzten Tagen gab es enorm viele dieser Fakenews-Werbeanzeigen (siehe hier oder hier).

Am Ende dieser Werbung stehen immer dubiose sog. Trading-Webseiten, die
Investoren vorgeben, durch die Spekulationen mit binären Optionen,
Forex-Trading, Kryptowährungen und weiteren ähnliche Finanzprodukte hohe Gewinne in kurzer Zeit erzielen zu können.

wer hinter diesen Seiten steckt und wer diese Werbungen finanziert, weiß man nicht. Warum diese Seiten mithilfe von Fakenews auf Facebook so massiv beworben werden, kann man sich jedoch denken: Es geht um viel Geld, um extrem viel Geld. Und genau das hat die Polizei Roctock nun bekanntgegeben.

100 Millionen Euro

Im Rahmen eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens ist es in Rostock gelungen, in professionell und international agierendes Geldwäschenetzwerk aufzudecken, über das diemehr als 100 Millionen Euro allein im Jahr 2018 umgesetzt wurde. Die Untersuchungen führten zur Identifizierung von drei zentralen Köpfen der Geldwäscheorganisation und zur Festnahme eines der Täter, welchersich seitdem in Untersuchungshaft befindet.

Die Polizei Rostock teilt mit: Umfangreiches Beweismaterial – Datenträger, Telefone und PC-Technik mit einem Gesamtvolumen an auszuwertenden Daten von mehr als 5 Terrabyte – sowie Geldbeträge im sechsstelligen Bereich konnten sichergestellt werden.Die von zehntausenden Geschädigten aus der ganzen Welt erlangten Gelder stammen aus Betrugsstraftaten über sog. Trading-Webseiten, dieInvestoren vorgeben, durch die Spekulationen mit binären Optionen, Forex-Trading, Kryptowährungen und weiteren ähnliche Finanzprodukten erhebliche Gewinne erzielen zu können.

Geldwäsche

Zum professionellen System der hinter den Internetseiten stehenden Täter gehört der Betrieb von ganzen Callcentern, deren geschulte Mitarbeiter Anleger telefonisch und per E-Mail zu immer weiteren „Investitionen“ überreden. Nach Einzahlung einer geringen Geldsumme wird den Anlegern vorgetäuscht, dass der vermeintliche Gewinn auf den durch die Täter angelegten „Fake-Depots“ rapide anwächst. Nach diesen anfänglichen Gewinnen ist ein Großteil der Anleger bereit, höhere Summen zu investieren. Nach einiger Zeit zeigt die eigens für die Betrugsstraftaten programmierteTradingsoftware einen Verlust bzw. Totalverlust der angelegten Gelderan.

Die auf den deutschen Konten der Geldwäscheorganisation eingezahlten Anlegergelder wurden unmittelbar nach Eingang auf ausländische Kontenweitergeleitet. Besonders hierbei ist, dass die Geldwäscher, derer Dienste sich die Seitenbetreiber bedient haben, für die Gründung der Konten eigens geschaffene Gesellschaften (GmbHs) mit osteuropäischen Strohgeschäftsführern genutzt haben, um die so eröffneten Konten möglichst lange unentdeckt betreiben zu können. Auf diese Weise flossen über zahlreiche Konten jeweils erhebliche Geldbeträge, bevor die Rechtschaffenheit der Kontobetreiber in Zweifel gezogen werden konnte.Für ihre Tätigkeit verlangten die „Konten-Dienstleister“ Provisionen von den über die Webseiten betrügerisch erlangten Geldern, die ebenfalls im Millionenbereich lagen.

Binäre oder digitale Optionen sind hochriskante Termingeschäfte, die Merkmale einer Wette enthalten. Anleger spekulieren auf einen fallenden oder steigenden Kurs. Tritt der vom Anleger prognostizierteFall ein, so gewinnt er und erhält einen vorher festgelegten Betrag, der typischerweise immer weniger als das Doppelte des eingesetzten Kapitals ausmacht. Tritt der vom Anleger prognostizierte Fall nicht ein, so verfällt die Option als wertlos, und der Anleger verliert sein gesamtes eingesetztes Kapital. In der Regel wird bei diesen Geschäftsmodellen mit außerbörslichen Produkten gehandelt.

Der gewerbsmäßige Betrug und die gewerbsmäßige Geldwäsche werden mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren – je Fall – bestraft. Die Ermittlungen dauern an.

Also …

Wundere dich also nicht, wenn mal wieder jemand auf Social Media versucht, dich mit einer Lügengeschichte in irgendein Trading-Modell zu locken. Es geht da um sehr viel Geld, dagegen sind so ein paar läppische Euro, die Facebook als Reichweitenunterstützer bekommt, kaum der Erwähnung wert.

Artikelbild: Shutterstock / Von Oleksiy Mark


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