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Russland: Anti-Kriegs-Journalistin Owsjannikowa aus Hausarrest geflohen

Die Ex-Fernsehredakteurin Marina Owsjannikowa war bereits im März dieses Jahres weltweit auffällig geworden, nachdem sie im russischen Fernsehen Kritik am Krieg in der Ukraine geäußert hatte.

Mimikama,

Nun sei sie nach eigenen Angaben aus ihrem erteilten Hausarrest geflohen: Weil sich der Staat nicht an Gesetze halte, halte sie sich nicht an die Strafmaßnahme, teilte Marina Owsjannikowa mit.

Journalistin bereits durch TV-Protest bekannt

Bereits Mitte März berichtete MIMIKAMA von der ehemaligen Fernsehredakteurin, nachdem sie in den russischen Hauptnachrichten des Senders PERWY KANAL plötzlich ins Bild sprang. Mit einem Protestplakat äußerte sie ihre Kritik an dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine mit den Worten: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Sie lügen euch an“. Außerdem rief sie mehrmals die Worte: „Nein zum Krieg.“

Owsjannikowa war zwar nur für ca. 6 Sekunden mit ihrem Plakat zu sehen, da die Regie schnell reagierte und sofort auf ein anderes Bild umschaltete. Dennoch erlangte sie in dieser sehr kurzen Zeitspanne weltweite Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zustimmung.

Owsjannikowa vor Gericht

Nach ihrem aufsehenerregenden Protest im russischen Staatsfernsehen gegen den Krieg in der Ukraine stand die Frau vor Gericht und wurde zu einer Arreststrafe von zehn Tagen oder 30.000 Rubel (226 Euro) verurteilt. Damit liegt der Strafrahmen noch recht gering, denn zuallererst ging man davon aus, dass die Redakteurin aufgrund eines neuen Gesetzes wegen Diffamierung der russischen Armee verurteilt würde. Dabei hätten ihr bis zu 15 Jahre Haft gedroht.

44-jährige aus dem Hausarrest geflohen

Wie die DPA und kurier.at ausführen, weigere sich die Journalistin, weiter im Hausarrest zu verweilen. Am Mittwoch, dem 5. Oktober schrieb sie bei Telegram:

„Ich betrachte mich als völlig unschuldig und da unser Staat sich weigert, sich an seine eigenen Gesetze zu halten, weigere ich mich seit dem 30. September 2022, mich an die mir auferlegte Zwangsmaßnahme in Form von Hausarrest zu halten, und ich entlasse mich selbst aus diesem.“

In der Zeit ihres Hausarrests hätten die Ermittler unter Berufung auf Verteidigungsminister Sergej Schoigu und seinen Sprecher Igor Konaschenkow versucht, so zu tun, als sei im Krieg in der Ukraine kein einziges Kind gestorben, schrieb Owsjannikowa nun.

„Wir alle wissen, dass diese beiden Herren nicht einen einzigen Tag an der Front waren und keine Ahnung von der Zahl der zivilen Opfer haben.“

Fahndung – hohe Haftstrafe droht

Marina Owsjannikowa steht seit dem 3. Oktober auf einer Fahndungsliste; sie macht zunächst keine Angaben zu ihrem Aufenthaltsort. Laut der Agentur Interfax droht ihr aufgrund weiterer Gesetzesverstöße mittlerweile eine Haftstrafe von fünf bis zehn Jahren. Ihr Arrest wurde am 11. August 2022 ursprünglich bis Sonntag, 09.10.2022 verfügt.

Nach ihrem Protest im russischen Fernsehen hielt sich die bis dato als linientreu geltende Mitarbeiterin für einige Monate im Ausland auf und arbeitete im Juli kurzweilig für die deutsche Zeitung „Die Welt“. Mitte Juli protestierte sie in Sichtweite des Kremls erneut gegen den Krieg. Auch auf Telegram wurde ihre Sichtweise erneut deutlich, als sie ein Video von sich veröffentlichte, in welchem sie eine Fußfessel trägt. Auf letztere deutend sagte sie:

„Liebe Kameraden des Strafvollzugsdienstes, bringen Sie so eine Fußfessel bei Präsident Putin an. Er ist es, der von der Gesellschaft weggehalten werden sollte. Er sollte wegen des Genozids am ukrainischen Volk und des Massenmords an russischen Männern verurteilt werden.“

Autor: Nick L.

Quelle:

Kurier, n-tv, Tagesschau
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