Manchmal ist es sehr wichtig, den Unterschied zwischen bestimmten Wörtern zu kennen, denn in dem ersten Satz, mit dem das Video geteilt wird, steht bereits, dass der Junge nicht alleine ist: „Ukrainischer Junge scheinbar allein in Polen“. Scheinbar. Nicht anscheinend!

Auf mehreren Seiten wurde das Video geteilt, hier ein Screenshot:

MIMIKAMA
Ein Screenshot eines Beitrags mit dem Video

In dem 21 Sekunden langen Video sieht man den kleinen Jungen scheinbar alleine und weinend die Straße entlang gehen, vor und hinter ihm sind auch noch einige Menschen zu sehen, die aber nicht im Fokus des Videos liegen.

Scheinbar und anscheinend

Beide Wörter werden sehr oft gleichbedeutend behandelt, was sie aber nicht sind. Im Text zu dem verbreiteten Video wird in einem weiteren Satz angedeutet, dass es sich gar nicht so verhält, wie es auf den ersten Blick scheint: „Niemand von den Menschen um ihn herum scheint ihn zu begleiten„.

Merke:
scheinbar = nur nach dem äußeren Erscheinungsbild ist es so, der Eindruck täuscht aber
anscheinend = etwas entspricht wahrscheinlich auch so den Tatsachen, wie es zu sehen ist

Deswegen ist der verbreitete Text nicht falsch, weist aber an keiner Stelle deutlich darauf hin, dass die Situation nicht so ist, wie sie den Anschein erweckt, denn der Junge ist nicht alleine unterwegs aus der Ukraine nach Polen.

Die Quelle des Videos

Auf einigen Seiten wird als Quelle des Videos die Agentur Reuters benannt. Die Kollegen von AFP fragten dort direkt nach der Herkunft des Videos und bekamen folgende Auskunft:

„Der Junge am Anfang des Videos ist kein unbegleiteter Minderjähriger. Seine Mutter ist in der zweiten Einstellung zu sehen, wie sie vor ihm läuft.“

Reuters gegenüber AFP

Laut Reuter entstand das Video am 5. März in der südostpolnischen Grenzstadt Medyka. Tatsächlich sieht man in dem Video auch mehrere Personen vor dem Jungen laufen:

MIMIKAMA
Mehrere Personen laufen vor dem Jungen

Exakt diese Personen sind auch auf einem Bild zu sehen, welches von der polnischen Grenzschutzbehörde auf Twitter geteilt wurde:

MIMIKAMA
Der Junge mit seiner Familie

Aufgrund der großen Verbreitung des Videos klärte die polnische Grenzschutzbehörde auf:

„#StopFakeNews
Wir möchten Sie darüber informieren, dass der 4-jährige Valeriy entgegen den leider in den Medien verbreiteten Informationen die Grenze nicht allein überquert hat, sondern mit seiner Familie zusammen war. Am Grenzübergang #PSGMedyka erhielt er von den Beamten süße Geschenke.
Er und seine Familie sind sicher in Polen.“

Fazit

Das Video ist zwar echt, aber der Eindruck, dass der Junge alleine von der Ukraine nach Polen unterwegs war, ist falsch.

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2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)