Erneut steht Hamm im Rampenlicht: Die „Organmafia“ ist wieder unterwegs. Oder auch nicht.

Screenshot: Mimikama.at
Screenshot: Mimikama.at

Jener Screenshot wird derzeit wieder fleißig geteilt, der Text darauf lautet:

„Hamm Kinder werden von Bulgarischen Bürger entführt vor ihre Haustür während sie spielen und an die Organmafia verkauft. Heute sind 12 Kinder in Hamm entführt. Bitte um Vorsicht. Hier einer der Entführer wurde verhaftet. Bitte TEILEN“

Es gab keine Entführungen!

Erst vor wenigen Tagen äußerte sich die Polizei NRW Hamm zu dieser und ähnlichen Falschmeldungen über die „Organmafia“ (wir berichteten):

„Das sind Fake-News und das sind die Fakten:

Bei uns ist seit Jahren nicht ein einziger Fall bekannt geworden, indem Kinder entführt wurden oder werden sollten. Auch irgendwelche Ermittlungen oder Festnahmen haben in dieser Sache nicht stattgefunden.

Wenn eine so schwere Straftat wie Kindesentführung stattfindet, berichten sowohl wir als auch die Medien darüber.

Wer auch immer die Nachricht verfasst und verbreitet hat, lügt und schürt damit unnötig Ängste, insbesondere bei Eltern.

Diese Form einer Fake-News ist nicht neu. Auch andere Städte und Gemeinden wurden in der Vergangenheit schon mit solchen Meldungen „konfrontiert“.“

Ist das echt ein „alter Hut“?

Aber so richtig alt! Die angebliche bulgarische Organmafia beschäftigt uns schon, seit es Mimikama gibt, also seit 2011. genau genommen berichteten wir im Oktober 2011 darüber.
Aber die Geschichte ist noch viel älter: Die erste Version einer solchen Geschichte, die wir bei unseren Recherchen haben ausfindig machen können, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Dabei ging es um ein Kind, was bei einer Feierlichkeit abhanden kommt und mit ausgestochenen Augen gefunden wird.

Sie sind überall!

Zeit und Ort wechseln, die Komponenten sind jedoch immer dieselben: Männer, vorzugsweise mit südländischem Aussehen, wahlweise aus Rumänien oder Bulgarien, sind mit Transportern unterwegs, um Kinder zu fangen. Oftmals sind diese Nachrichten auch mit einem angeblichen Beweisfoto zweier junger Männer in einem weißen Transporterversehen. Im Jahre 2014 erreichte diese Hysterie vor organklauenden Ausländern einen solchen Höhepunkt, dass wir dazu einen ständig aktualisierten Artikel schrieben.

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

Was soll das also?

Es wird mit den Urängsten der Menschen gespielt, indem eine Begebenheit geschildert wird, die man niemals erleben möchte. Das treibt die Leser dann auf Facebook und auf WhatsApp zum Teilen an. Per se nicht verwerflich, aber der „Peter und der Wolf“ Effekt ist nicht von der Hand zu weisen: Kursiert wirklich mal eine echte Warnmeldung, geht diese im Sumpf der sinnfreien Kettenbriefe voller urbaner Legenden unter.

Daher sollte vom Teilen solcher Beiträge generell abgeraten werden, es sei denn, es handelt sich um eine offizielle Warnmeldung z.B. der Polizei. 


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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)