Ein Netzwerk aus 102 deutschsprachigen Webseiten, nach Angaben von NewsGuard und Correctiv augenscheinlich unter der Leitung des ehemaligen US-Amerikaners und heutigen Kreml-Propagandisten John Mark Dougan, nutzt KI-generierte Inhalte, um gezielt Desinformation zu verbreiten und prorussische Narrative zu stärken. Das haben Recherchen von NewsGuard und Correctiv aufgedeckt.
Ein bekanntes Muster: Von den USA nach Deutschland
Dougan ist kein Unbekannter: Bereits in den USA lenkte er mutmaßlich ein Netzwerk von 171 Webseiten, das gezielt Falschinformationen verbreitete, um die amerikanische Öffentlichkeit zu polarisieren.
Nun wendet er gemäß NewsGuard die gleiche Strategie in Deutschland an. Die manipulierten Webseiten tarnen sich als seriöse lokale und nationale Nachrichtenportale, mit Namen wie „Berliner Tageblatt“ oder „Hamburger Anzeiger“. Viele Inhalte stammen aus bestehenden Quellen, werden jedoch mithilfe von KI neu formuliert und verfälscht, um sie prorussisch zu interpretieren.
Warum ist Deutschland ein Ziel?
Die Bundestagswahl ist von zentraler Bedeutung für Russlands geopolitische Interessen. Eine deutsche Regierung, die der NATO kritisch gegenübersteht und skeptisch auf europäische Integration blickt, würde Moskaus Position stärken. Dougan und sein Netzwerk unterstützen rechtspopulistische Parteien wie die AfD, während sie gleichzeitig Parteien wie die Grünen und ihre Spitzenkandidaten Annalena Baerbock und Robert Habeck gezielt diskreditieren.
Taktiken der Desinformation
Die Strategien reichen von subtiler Manipulation bis zu gezielten Falschmeldungen. Drei besonders aufsehenerregende Beispiele zeigen die Bandbreite:
- Eine absurde Behauptung, dass Annalena Baerbock auf Auslandsreisen die Dienste eines „männlichen Prostituierten“ in Anspruch genommen habe.
- Ein Video, in dem eine Frau angeblich Robert Habeck sexuelle Übergriffe vorwirft – auffälligerweise mit russischem Akzent und klaren Anzeichen von KI-Bearbeitung.
- Die Behauptung, Deutschland plane, 1,9 Millionen Arbeitskräfte aus Kenia zu importieren, eine Falschmeldung, die von einem gesponserten Artikel auf einer kenianischen Nachrichtenseite ihren Ausgang nahm.
Diese Geschichten folgen einem bewährten Muster: Sie werden über scheinbar harmlose Quellen gestreut, etwa gesponserte Artikel oder Social-Media-Posts, und durch das Netzwerk verbreitet, bis sie von Nutzern als vermeintlich glaubwürdig wahrgenommen werden.
Was macht diese Desinformation so gefährlich?
Während frühere Desinformationskampagnen oft plump und leicht erkennbar waren, haben Dougan und seine Mitstreiter die Kunst der Manipulation perfektioniert. KI-generierte Inhalte wirken authentisch und nutzen Ironie, Doppeldeutigkeiten und gezielte Provokationen. Diese Taktik nennt die Linguistin Ruth Wodak „kalkulierte Ambivalenz“: Die Botschaften sind so gestaltet, dass sie sowohl plausible Abstreitbarkeit als auch gezielte Anspielungen ermöglichen.
Die Reaktion deutscher Behörden
Deutsche Sicherheitsbehörden wie das Bundesamt für Verfassungsschutz warnen vor den Auswirkungen solcher Kampagnen. Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, betonte, dass solche Desinformationen gezielt darauf abzielen, Vertrauen in demokratische Institutionen zu schwächen.
Das Auswärtige Amt hat seine Analysemöglichkeiten erweitert und koordiniert eng mit internationalen Partnern, um Desinformationskampagnen zu erkennen und zu kontern. Doch die Herausforderung bleibt: Die Dynamik solcher Netzwerke macht es schwer, die Verbreitung rechtzeitig einzudämmen.
Was können wir tun?
Die Gefahr, die von KI-generierter Desinformation ausgeht, ist real und akut. Jeder Einzelne ist gefragt, Informationen kritisch zu hinterfragen und Quellen zu überprüfen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es gelingt, die demokratischen Strukturen gegen diese gezielten Angriffe zu schützen. Klar ist: Die Desinformationswelle ist keine bloße Randerscheinung, sondern ein direkter Angriff auf die Stabilität unserer Demokratie.
Quelle: NewsGuard
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