Die Behauptung
Seit 2015 sei die Kriminalität in Deutschland drastisch angestiegen, was angeblich mit der Zuwanderung zusammenhängt. Eine in sozialen Netzwerken verbreitete Grafik zeigt vermeintlich explodierende Zahlen schwerer Straftaten wie Mord oder Vergewaltigung für die Jahre 2018 und 2023 im Vergleich zu 2014.
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Falsch
Falsch! Die in der Grafik präsentierten Zahlen sind manipuliert, unvollständig und teils frei erfunden. Zudem wurden Definitionen von Straftaten und Tatverdächtigen über die Jahre geändert, was direkte Vergleiche unmöglich macht. Die Werte für 2023 sind nachweislich falsch.
Kurze Faktenübersicht:
-
Verfälschte Zahlen: Die angeblichen Kriminalitätsdaten für 2023 stimmen nicht mit den offiziellen Statistiken überein.
-
Nicht vergleichbare Werte: Definitionen und Erfassungsmethoden in der Kriminalstatistik wurden geändert, was Verzerrungen verursacht.
-
Keine Aussage über Verurteilungen: Die Polizeistatistik zeigt nur Verdachtsfälle, nicht die Anzahl tatsächlicher Verurteilungen.
-
Bewertung: Die Behauptung ist falsch.
Die Fake-Grafik: Ein gezieltes Instrument der Desinformation
In sozialen Netzwerken kursiert eine Kriminalitäts-Grafik, die suggeriert, dass schwere Straftaten mit der Zunahme der Zuwanderung seit 2015 exponentiell gestiegen seien. Besonders oft wird sie von Accounts der AfD verbreitet.
Die Zahlen sollen die deutsche Migrationspolitik unter Angela Merkel diskreditieren und Ängste schüren. Doch eine genauere Prüfung zeigt: Diese Grafik ist eine Mischung aus verfälschten, aus dem Kontext gerissenen und erfundenen Zahlen.
Warum die Zahlen nicht vergleichbar sind
Ein zentraler Punkt der Manipulation liegt darin, dass sich Definitionen innerhalb der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) mehrfach geändert haben:
- 2017 wurde die Definition von „Zuwanderer“ erweitert. Seitdem zählen auch Schutz- und Asylberechtigte dazu, was die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren erschwert.
- 2016 wurde das Sexualstrafrecht reformiert. Dadurch wurden mehr Delikte erfasst, darunter „sexuelle Belästigung“, die zuvor nicht zählte.
- Die Kategorie „Straftaten gegen das Leben“ umfasst mehr als nur Mord und Totschlag. Auch fahrlässige Tötung und versuchte Delikte werden einbezogen.
Die wahren Zahlen aus der Polizeistatistik
Ein Vergleich der offiziellen Daten mit den Zahlen aus der Fake-Grafik zeigt massive Abweichungen:
- 2014 (offizielle Zahlen): 122 Taten gegen das Leben, 949 Sexualdelikte, 18.512 Rohheitsdelikte.
- 2018 (offizielle Zahlen): 430 Taten gegen das Leben, 6.046 Sexualdelikte, 73.177 Rohheitsdelikte.
- 2023 (offizielle Zahlen): 348 Taten gegen das Leben, 8.800 Sexualdelikte, 79.985 Rohheitsdelikte.
In der Fake-Grafik werden für 2023 jedoch völlig überzogene Werte behauptet: 1.131 Taten gegen das Leben, 44.754 Sexualdelikte und 1.282.529 Rohheitsdelikte. Solche Zahlen sind frei erfunden und haben keine Grundlage in der Kriminalstatistik.
Keine Korrelation zwischen Migration und Kriminalität
Entgegen der suggerierten Zusammenhänge gibt es keinen Beweis dafür, dass Migration zu einem drastischen Anstieg von Gewaltverbrechen geführt hat. Experten betonen:
- Die Zahl der Gewaltdelikte schwankt, ist aber nicht explosionsartig gestiegen.
- Kriminalität hängt oft mehr mit sozialen Faktoren als mit Herkunft zusammen.
- Die Anzeigequote bei bestimmten Delikten kann ebenfalls variieren.
Fazit: Bewusste Manipulation zur Stimmungsmache
Die in der Fake-Grafik präsentierten Zahlen sind irreführend und teils komplett erfunden. Sie ignorieren methodische Änderungen der Statistik und setzen falsche Zusammenhänge in die Welt.
Es handelt sich um gezielte Desinformation, um Ängste zu schüren und politische Stimmung zu machen. Wer mit seriösen Fakten arbeiten möchte, sollte stets offizielle Quellen wie die Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA heranziehen.
Quelle: dpa
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
Mediale Verzerrung: Wie Kriminalität und Migration falsch dargestellt werden
Kein Friedensabkommen zwischen Ukraine und Russland – aber ein US-Ukraine-Mineralien-Deal
Hat Donald Trump wirklich keinen Krieg geführt?
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
