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Mandarinen-Verpackungswahn – Echt, aber alt

Ralf Nowotny,

Mandarinen-Verpackungswahn - Echt, aber alt
Mandarinen-Verpackungswahn - Echt, aber alt

Mandarinen haben eine natürliche Verpackung. Es macht wenig Sinn, diese Verpackung, auch Schale genannt, zu entfernen, um sie durch Plastik zu ersetzen.

Genau dies versuchte aber eine US-Lebensmittelkette in 2016.

Screenshot: Facebook
Screenshot: Facebook

So postet die Seite „Freie Medien – News“ auf ihrer Facebookseite zu einem Bild mit geschälten Mandarinen in Plastikverpackung:

„Wenn die Natur doch bloß einen Weg finden würde, um diese Orangen in eine Schale zu verpacken, dann bräuchten wir nicht soviel Plastik…

Wenn du ein Zeichen gegen diesen Verpackungswahn setzen möchtest, dann schicke den Beitrag in die Welt.“

Ist das Bild echt?

Ja. Tatsächlich wollte die US-Lebensmittelkette „Whole Foods Market“ im Jahr 2016 ihren Kunden einen „besonderen Service“ bieten. Sprich: Sie wollten ihren Kunden die Last des Schälens ersparen (stattdessen bekamen sie die Last, eine Plastikverpackung aufreißen zu müssen). Auf den Verpackungen steht klein auf einem Aufkleber „Made right here“, sprich: Die Mandarinen wurden direkt vor Ort geschält und neu verpackt. Spassigerweise ist ein Markenzeichen jener Bio-Lebensmittelkette, nur natürliche Lebensmittel anzubieten.

Ein Tweet und die Folgen

Am 3. März 2016 twitterte Nathalie Gordon dieses Bild und einen Text, der viel Zustimmung bekam:

Screenshot: Twitter
Screenshot: Twitter

„If only nature would find a way to cover these oranges so we didn’t need to waste so much plastic on them.“

Genau jener Text wurde auf Deutsch übersetzt auf oben genannter Facebookseite gepostet.
„Whole Foods Market “ reagierte nur drei Stunden später auf die Protestwelle, die sie überschwappte:

Screenshot: Twitter
Screenshot: Twitter

„Definitiv unser Fehler. Wir haben das Produkt entfernt. Wir hören auf euch, und wir lassen sie wieder in ihrer natürlichen Verpackung: der Schale.“

Fazit

Ja, das Bild ist echt. Kurzzeitig waren solche geschälten Mandarinen tatsächlich bei einer US-Lebensmittelkette in den USA erhältlich. Diese zog das Produkt nach Protesten sehr schnell wieder zurück und gab den Fehler zu.

Es ist unumstritten, dass viel zu viel Verpackungsmaterial verwendet wird, welches die Müllberge ansteigen lässt. Viele Unternehmen setzen bereits um, dass beispielsweise keine Plastiktüten mehr angeboten werden, was wenigstens ein kleiner Anfang ist. Trotzdem treibt der Verpackungswahn manchmal seltsame Blüten, wie man an diesem Beispiel sieht.
Jedoch ist dies zwar noch nicht so lange her, nämlich 2016, ist aber schon wieder vom Tisch. Als aktuelles Beispiel ist das Bild also nicht wirklich verwendbar.

Unternehmen, die sich Ähnliches für ihre Produkte überlegen, sollten bedenken:
Das Internet vergisst nicht. Wir berichteten 2016 bereits über jenes Bild, und wir werden sicherlich in Jahren noch darüber berichten müssen. Ein kleiner Fehler kann einem Unternehmen noch Jahre hinterherhängen.

Also besser zweimal überlegen, bevor man versucht, vermeintlich innovative Verpackungsideen umzusetzen, die letzlich eher ein großer Fail sind. Oftmals fertigt die besten Verpackungen die Natur selbst.

 


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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