Die Behauptung
Mediziner würden die Nabelschnur absichtlich sofort nach der Geburt durchtrennen, um Babys krank zu machen, ihre Immunität zu schwächen und später als Patienten zu gewinnen. Die Plazenta diene zudem als lukrative Ware für Kosmetikfirmen.
Falsch
Falsch! Diese Behauptungen sind größtenteils widerlegt oder massiv verzerrt. Es gibt keine geheime Praxis, keine Verschwörung und keine „geernteten“ Plazentas für Luxuscremes. Entscheidungen zur Nabelschnur richten sich nach medizinischen Standards, nicht nach Profit.
Kurze Faktenübersicht:
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Keine „Geheimregel“ in Kliniken: Der Zeitpunkt des Nabelschnur-Durchtrennens variiert je nach Situation.
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Kein „Doppelatmungszustand“: Das Konzept ist medizinisch nicht belegt.
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Späte Abnabelung kann Vorteile haben: Doch eine Stunde ist nicht medizinisch notwendig.
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Kein massenhafter Verkauf: Plazenta in Kosmetika stammt meist von Tieren.
Was steckt hinter dem Text von „Kirill Repjew“?
Die virale Behauptung: „Sie schneiden die Nabelschnur zu früh!“
Seit Jahren kursiert ein Text, angeblich von einem ehemaligen Mediziner namens Kirill Repjew (auch Rebjew), der behauptet: In Krankenhäusern werde Babys systematisch geschadet. Die Nabelschnur werde sofort nach der Geburt durchtrennt, um ihre Immunität zu schwächen, für ein Leben voller Krankheiten, Medikamente und Arztbesuche. Plazenten und Nabelschnüre würden dann an Kosmetikfirmen verkauft.
Der Ton? Alarmistisch, misstrauisch und hochemotional. Die Botschaft? Die Schulmedizin sei ein gewinnorientiertes System auf Kosten der Neugeborenen. Doch dieser Text hält einem Faktencheck nicht stand.
Die Wurzel der Falschinformation: Angst und Misstrauen
Der Ursprung des Textes geht mindestens auf 2016 zurück. Seitdem taucht er immer wieder in esoterischen, impfkritischen und alternativen Kreisen auf. Besonders perfide: Er richtet sich gezielt an werdende Eltern, eine ohnehin vulnerable Gruppe, die leicht durch Halbwahrheiten zu verunsichern ist.
Der vermeintliche „Mediziner“ Repjew / Rebjew? In keiner offiziellen Datenbank auffindbar. Keine Publikationen, keine medizinische Ausbildung nachweisbar. Wer steckt also dahinter? Die Rhetorik erinnert an typische Narrative von Medizin-Skeptikern, kombiniert mit klassischen Verschwörungsmythen: „Die da oben machen uns absichtlich krank.“
Was sagt die Wissenschaft?
1. Nabelschnur-Durchtrennung:
Die WHO und andere Fachgesellschaften empfehlen ein verzögertes Abnabeln, meist nach 1 bis 3 Minuten. Eine Stunde? Kein Standard, weder evidenzbasiert noch gängige Praxis. In Notfällen wird natürlich sofort abgenabelt. Eine „schädliche Frühabnabelung“ als Strategie der Ärzte? Reine Fantasie.
Die offizielle S3-Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin (herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) empfiehlt ausdrücklich, die Nabelschnur nicht sofort, sondern frühestens 60 Sekunden nach der Geburt zu durchtrennen, spätestens nach 5 Minuten oder nach Auspulsieren der Nabelschnur, sofern es der Gesundheitszustand des Kindes erlaubt. Studien zeigen, dass dies die Eisenwerte und das Blutvolumen des Neugeborenen verbessert.
❗️Es gibt jedoch keine medizinische Evidenz, die eine Abnabelung erst nach einer ganzen Stunde notwendig machen würde.
2. Doppelatmung:
Unsinn. Neugeborene atmen nach der Geburt mit der Lunge. Während der Schwangerschaft übernimmt die Plazenta die Sauerstoffversorgung. Es gibt keine parallele Atmung.
3. Immunsystem und Plazentablut:
Ja, mütterliche Antikörper gelangen über die Plazenta zum Kind. Das geschieht aber größtenteils vor der Geburt. Das Abnabeln hat darauf kaum Einfluss.
4. Plazenta für die Kosmetikindustrie:
Zwar gab es früher Produkte mit tierischer oder sogar menschlicher Plazenta. Heute? Selten und stark reglementiert. Kliniken in Europa dürfen eine Plazenta nicht einfach „verkaufen“. Sie wird in der Regel entsorgt, oder mit Einwilligung der Eltern medizinisch verwendet (z.B. für Stammzellforschung).
Die Wahrheit über „medizinisches Business“
Natürlich ist Medizin auch ein Wirtschaftszweig. Aber: Die Entscheidungen im Kreißsaal basieren auf medizinischer Notwendigkeit, nicht auf Profitgier. Das Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte wird durch solche Texte mutwillig untergraben, mit dramatischen Folgen für die Gesundheitsvorsorge.
FAQ – Die wichtigsten Fragen & Antworten
- Ist sofortiges Abnabeln schädlich?
Nicht pauschal. In stabilen Situationen bringt verzögertes Abnabeln Vorteile. In Notfällen kann Sofortabnabeln notwendig sein. - Bekommen Babys durch spätes Abnabeln mehr Immunität?
Teilweise. Antikörper werden bereits vor der Geburt übertragen. Zusätzlicher Nutzen durch Blutspende aus der Plazenta ist begrenzt. - Ist das Abnabeln nach einer Stunde besser als nach wenigen Minuten?
Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. - Verkaufen Ärzte oder Kliniken die Plazenta?
Es gibt keine konkreten Beweise dafür, dass Krankenhäuser oder Ärzte regelmäßig Plazentas für kosmetische Zwecke verkaufen. - Werden Plazentas in Kosmetika verwendet?
Heutzutage äußerst selten und primär aus tierischer Herkunft. - Wer ist Kirill Rebjew?
Über seine Identität, Qualifikationen und Tätigkeiten gibt es keine gesicherten Informationen. - Was passiert medizinisch bei der Geburt?
Das Baby beginnt zu atmen, die Nabelschnur pulsiert noch einige Minuten, danach wird sie durchtrennt, angepasst an den Zustand des Kindes. - Kann ich bei der Geburt meines verlangen, dass das Abnabeln verzögert wird?
Das ist in manchen Kliniken nach individueller Absprache möglich. - Ist eine Hausgeburt sicherer?
Kommt auf die Umstände an. Bei Risikoschwangerschaften wird eine Klinikgeburt empfohlen. - Wird uns absichtlich etwas vorenthalten?
Es gibt keine Hinweise auf systematische Schädigungsabsicht in Kliniken.
Fazit
Die Geschichte von Kirill Repjew ist ein Paradebeispiel für Desinformation: Wissenschaftlich unbelegt, emotional aufgeladen und gezielt auf Verunsicherung ausgelegt.
Lassen wir uns nicht von reißerischen Behauptungen in die Irre führen. Eine gesunde Geburt beginnt mit guter Aufklärung, nicht mit Misstrauen.
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