Am Frankfurter Hauptbahnhof starb ein achtjähriger Junge, der auf die Gleise geschubst und von einem ICE überrollt wurde. Ein Fake-Account auf Twitter und Facebook heizte nun die Wut auf den Täter an.

Auch die Erkenntnis, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter zwar um einen Eriträer handelt, der aber bereits seit 2006 mit seiner Familie in der Schweiz lebt, beruhigt niemanden: Hass und Hetze werden kräftig geschürt und dies mit einem Fake-Account  mit dem Namen: Naschkatze88

Kurzzeitig gab es nun auch ein Profil auf Twitter und Facebook, welches zusätzlich Öl ins Feuer groß: Unter dem Namen „_Naschkatze88_“ postete eine vermeintlich junge Frau mehrere Beiträge, die den vermeintlichen Täter nicht nur in Schutz nahmen, sondern das Opfer auch noch verspottete.

MIMIKAMA
Screenshot: mimikama.org

„Wie sich alle einkacken weil ich es klar sage. Der Afrikaner hat noch sein Leben vor sich, mit ihm kann man arbeiten. Der Junge ist jetzt eins mit der Schnauze des ICE. Der Junge wird kein Abitur mehr machen, aber vielleicht der Afrikaner. Das ist aber die Realität #Frankfurt“

Wie der „Faktenfinder“ der Tagesschau berichtet, wurden die Bilder des Accounts Naschkatze88 von Twitter- und Instagram-Profilen einer anderen Person kopiert, drauf wies diese Person auch kurze Zeit später auf Twitter hin.

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Naschkatze88: False Flag-Aktion vermutet

Auf übertriebene und stellenweise geschmacklose Art und Weise wurde unter dem Account der vermeintliche Täter bereits im Vorab als psychisch krank eingestuft und Verständnis gezeigt, gleichzeitig das tote Kind verspottet. In sozialen Medien wurde vermutet, dass es sich dabei um eine sogenannte „False Flag“-Aktion ein oder mehrerer Personen des rechten Spektrums handelt, die damit die Denkweise von „Linken“ auf sehr überspitzte Weise darstellen wollten, so wurde in mehreren Tweets darauf aufmerksam gemacht, dass die Zahl „88“ im Namen im rechten Spektrum als Kodierung für „HH“ stehe (H ist der achte Buchstabe des Alphabets), was „Heil Hitler“ bedeute.

„_Naschkatze88_“ widersprach den Vermutungen und behauptete, dies sei einfach nur ihr Geburtsjahr.

Drohungen gegen eine Unbeteiligte

Auf Twitter und Facebook wurde gemutmaßt, wer denn nun hinter dem Account steckt, und schnell wurde jemand gefunden, der der Person zumindest ähnlich sieht.

MIMIKAMA
Screenshots: mimikama.org

Was daraufhin folgte, war eine Schimpf- und Hasstirade gegen die unbeteiligte Frau:

Wir sprachen mit der Schwester der Beschuldigten „Naschkatze88“

Die Schwester der beschuldigten Person meldete sich nun bei uns. Sie erzählte, dass die junge Frau derzeit im Urlaub ist und erst von der ganzen Angelegenheit überhaupt gar nichts mitbekam, bis sie am Montag plötzlich viele Direktnachrichten bekam, die sie ignorierte, da sie dachte, dass es sich um Spam handelt.

Über ihre Schwester erhielten wir folgende Nachricht:

„Am Dienstag Nachmittag habe ich mich auf einmal bei Facebook wieder erkannt, dass mein Profil, Fotos und so weiter weitergeleitet würden, wo auch meine beiden Töchter zu sehen waren. Dann habe ich erstmal gesucht, warum und weshalb. Es ist nur ein verdammter Zufall. Alle denken, dass ich naschkatze88 bin, weil ich mich hier vor 10 Jahren mal so über Facebook angemeldet habe. Aber ich bin nicht die naschkatze881!“

Mehreren Personen, die sie angeschrieben haben, hat die Frau erklärt, dass sie nicht die „Naschkatze88“ von Twitter und Facebook ist, viele wollen ihr nun auch dabei helfen, die Sache aufzuklären.

Sie wird sich nun mit Screenshots der Drohungen und Beschimpfungen gegen sie selbst und ihre Kinder an die Polizei wenden.
 

Hexenjagd 2.0

Moderne Hexenjagd in den sozialen Medien ist ein ernst zu nehmendes Thema. Es ist immer einfach, seinen Unmut zu äußern und Menschen zu bedrohen, so lange man gemütlich vor seinem Bildschirm sitzt.

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Das solches Verhalten ernsthafte Konsequenzen (schon allein für das Verbreiten solcher Hetze) haben kann ist leider viel zu wenigen bewusst. Nicht umsonst gibt es Gesetze die Verdächtige schützen, Selbstjustiz verbieten, Rufmord und Verleumdung verhindern sollen. Nicht ohne Grund schützen Gesetze unsere Privatsphäre und verbieten die ungefragt Weitergabe von personenbezogenen Daten oder die unerlaubte Nutzung von Fotos.

Wer sich an einer modernen Hexenjagd beteiligt, macht sich also ebenfalls strafbar!
 


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