Die Behauptung
In einem vielfach geteilten Facebook-Post wird behauptet, nur 5,3 Prozent der Bürgergeldempfänger seien deutsche Staatsbürger. Die dazugehörige Grafik erweckt den Eindruck, dass fast ausschließlich Ausländer Leistungen beziehen. Angeblich beruft sich der Beitrag auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.
Aufgestellt von: Social Media
Falsch
Falsch. Die Zahl wurde aus dem Zusammenhang gerissen und irreführend verwendet. Tatsächlich waren im März 2025 mehr als die Hälfte der Bürgergeldempfänger deutsche Staatsbürger. Die „5,3 Prozent” beziehen sich jedoch auf den Anteil der Bürgergeldempfänger an der gesamten deutschen Bevölkerung. Das wird in dem Beitrag bewusst oder fahrlässig falsch dargestellt.
Kurze Faktenübersicht:
Die virale Grafik verbreitet eine grob irreführende Interpretation offizieller Daten.
- Die Mehrheit der Bürgergeldempfänger (52,6 Prozent im März 2025) sind deutsche Staatsbürger.
- Die genannten „5,3 Prozent” beziehen sich auf die SGB-II-Quote, nicht auf den Anteil deutscher Empfänger.
- Die verwendete Grafik addiert sich nicht zu 100 Prozent, sie ist methodisch falsch dargestellt.
- Die tatsächlichen Daten stammen vom „Migrationsmonitor“ der Bundesagentur für Arbeit und sind öffentlich einsehbar.
Manipulative Grafik: Wie 5,3 Prozent zu einer Lüge wurden
Ein Facebook-Beitrag vom Juli 2025 verbreitet eine angeblich offizielle Statistik, die den Eindruck vermittelt, der Anteil deutscher Staatsbürger unter den Bürgergeldempfängern liege bei nur 5,3 Prozent. Die Botschaft dahinter ist klar: Der „fleißige Deutsche“ arbeite und zahle, während „die Ausländer“ kassierten. Es handelt sich um eine klassische Desinformationsstrategie, wie sie regelmäßig in rechten Kreisen verbreitet wird.
Die zugehörige Grafik zeigt auf den ersten Blick mehrere Länder mit scheinbar exakten Prozentangaben. Die Ukraine mit 59 Prozent, Syrien mit 53,8 Prozent, Afghanistan mit 44,3 Prozent und Deutschland mit 5,3 Prozent. Wer die Grafik sieht, zieht die logische, aber falsche Schlussfolgerung, dass nur 5,3 Prozent aller Bürgergeldempfänger Deutsche seien. Der Rest sind also überwiegend Ausländer?
Diese Schlussfolgerung ist faktisch falsch.
Denn diese Grafik basiert auf Tabelle 1.3 des sogenannten „Migrationsmonitors“ der Bundesagentur für Arbeit, einem monatlichen Bericht, der die Verteilung der Bürgergeldempfänger nach Staatsangehörigkeit analysiert. Die Tabelle zeigt jedoch nicht, wie viele Empfänger aus welchem Land kommen, sondern welcher Anteil der jeweiligen Bevölkerungsgruppe Bürgergeld erhält.
Konkret lag dieser Anteil bei Deutschen im Februar 2025 bei 5,3 Prozent. Bei Ukrainern lag er bei 59 Prozent und bei Syrern bei 53,8 Prozent. Diese Zahlen beschreiben also, wie stark einzelne Gruppen innerhalb ihrer Gesamtbevölkerung vom Bürgergeld betroffen sind, nicht jedoch den Anteil am Gesamttopf.
Durch diese Umkehrung von Statistik und Wirklichkeit entsteht eine radikale Verzerrung, die Fremdenfeindlichkeit schüren soll.
Wer wirklich Bürgergeld bezieht
Die Fakten sind eindeutig und öffentlich nachlesbar. In der Juni-Ausgabe des BA-Migrationsmonitors, die sich auf März 2025 bezieht, wird Folgendes klargestellt: Von den 3.966.531 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (ELB) in Deutschland hatten 2.088.012 die deutsche Staatsbürgerschaft. Das entspricht einem Anteil von 52,6 Prozent. Eine Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit bestätigte diese Zahl auf Anfrage der dpa ausdrücklich.
Das heißt im Klartext: Mehr als die Hälfte aller Empfänger von Bürgergeld in Deutschland sind Deutsche. Nicht Ausländer. Nicht Migranten. Nicht Geflüchtete. Sondern Menschen mit deutschem Pass.
Auch im Februar 2025 sah es ähnlich aus: Laut dem Migrationsmonitor vom Mai 2025 waren 52,8 Prozent der Bürgergeldempfänger deutsche Staatsbürger.
Die Behauptung, nur 5,3 Prozent der Bürgergeldempfänger seien Deutsche, ist also nicht nur falsch, sondern eine grobe Irreführung – und sie wird mit voller Absicht gestreut.
Warum sind solche Falschinformationen gefährlich?
Hinter der Verbreitung solcher manipulativer Statistiken steckt keine Unachtsamkeit, sondern Strategie. Die Zahlen werden nicht zufällig verwechselt. Sie werden absichtlich aus dem Kontext gerissen, verkürzt dargestellt und visuell aufbereitet, um ein klares Feindbild zu schaffen: „Die Ausländer nehmen uns alles weg.“
Diese Narrative sind nicht neu. Sie wiederholen sich seit Jahrzehnten, sei es beim Arbeitslosengeld, der Grundsicherung oder aktuell beim Bürgergeld. Was sich verändert hat, ist die Geschwindigkeit, mit der sich Desinformationen im digitalen Raum verbreiten.
Facebook, Telegram und TikTok sind voll mit reißerischen Bildern und manipulierten Statistiken. Die vermeintlich „neutralen Zahlen” verleihen diesen Falschbehauptungen einen seriösen Anstrich. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um systematische Desinformation, die auf Spaltung und Hass abzielt.
Beispiele für gefälschte oder irreführende Statistiken sind keine Einzelfälle – wir haben HIER und HIER darüber berichtet.
Die Zahlen richtig lesen: SGB-II-Quote vs. Empfängeranteil
Um die Manipulation hinter der 5,3-Prozent-Behauptung zu entlarven, muss man verstehen, worauf sich diese Zahl bezieht. Es geht dabei um die sogenannte SGB-II-Quote. Diese Zahl zeigt, wie viele Menschen einer bestimmten Nationalität Bürgergeld beziehen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung dieser Gruppe.
Beispiel: Wenn 100.000 Deutsche in Deutschland leben und 5.300 davon Bürgergeld beziehen, liegt die SGB-II-Quote bei 5,3 Prozent.
Bei Ukrainern liegt diese Quote deutlich höher, da viele von ihnen erst kürzlich eingereist sind, noch keine Arbeitsstelle haben oder noch keinen Anspruch auf andere Leistungen haben. Das ist keine Form des Betrugs, sondern die Realität von Fluchtmigration. Viele dieser Menschen dürfen aufgrund ihres Aufenthaltsstatus gar nicht arbeiten oder müssen erst Sprachkurse absolvieren, bevor eine Integration in den Arbeitsmarkt überhaupt möglich ist.
Wenn diese Quote jedoch so dargestellt wird, als sei sie der prozentuale Anteil aller Bürgergeldempfänger, wird aus einer differenzierten Sozialstatistik ein Hetznarrativ.
FAQ – Häufige Fragen zur Desinformation über das Bürgergeld
Wie viele Deutsche beziehen aktuell Bürgergeld?
Im März 2025 waren es rund 2,088 Millionen. Das entspricht etwa 52,6 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.
Was bedeutet die „5,3-Prozent“-Zahl wirklich?
Diese Zahl zeigt, wie viele Deutsche (bezogen auf die Gesamtbevölkerung mit deutschem Pass) Bürgergeld beziehen, nicht jedoch, wie viele Deutsche unter den Empfängern sind.
Stimmt es, dass Ausländer den Großteil des Bürgergelds bekommen?
Nein, die Mehrheit der Empfänger hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Auch wenn manche Gruppen überdurchschnittlich häufig betroffen sind, ist dies durch Flucht, rechtliche Arbeitsbeschränkungen oder Integrationshürden erklärbar.
Woher stammen die echten Zahlen?
Die offiziellen Zahlen stammen von der Bundesagentur für Arbeit und sind im „Migrationsmonitor“ veröffentlicht. Diese Berichte sind öffentlich zugänglich und werden monatlich aktualisiert.
Warum werden solche Falschinformationen geteilt?
Oft steckt gezielte Stimmungsmache dahinter. Rechte Gruppen nutzen diese Inhalte, um Angst vor Migration zu schüren und die soziale Spaltung zu befeuern. Dabei werden die Fakten bewusst verzerrt.
Klare Zahlen, klare Lüge: Wer wirklich Bürgergeld bezieht
Der Faktencheck zeigt unmissverständlich, dass die Behauptung, nur 5,3 Prozent der Bürgergeldempfänger seien Deutsche, eine grobe Verdrehung der Tatsachen ist. Tatsächlich sind Deutsche mit über 50 Prozent die mit Abstand größte Gruppe unter den Empfängern. Die 5,3-Prozent-Zahl wird aus dem Kontext gerissen, missverstanden oder absichtlich falsch verwendet.
Solche Behauptungen sind nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Sie schüren Vorurteile, spalten die Gesellschaft und vergiften das gesellschaftliche Klima mit Misstrauen und Hass. Wer solche Statistiken teilt, ohne sie zu hinterfragen, macht sich zum Werkzeug gezielter Desinformation.
Lass dich nicht täuschen, sondern prüfe, was wirklich hinter den Zahlen steckt.
Quelle: DPA
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