Neuer Trend auf Tiktok: Schüler geben ihre Login-Daten für den Online-Unterricht weiter, um Störaktionen zu inszenieren.
Online-Unterricht stellt aktuell viele Beteiligte vor eine Herausforderung. Manche sind nicht mit den technischen Erfordernissen vertraut, anderswo gibt es Probleme mit der Internetverbindung.
Gelangweilte Schüler „brechen ein“
Doch nun kommt es vermehrt zu Schwierigkeiten, die fernab von Technik liegen: Unerwünschte Gäste „stürmen“ den Online-Unterricht und beeinträchtigen ihn durch Störaktionen. Inszeniert wird das Ganze in vielen Fällen wohl durch gelangweilte Schüler.
Einladung oft durch Schüler
Dabei wählen sich die Störenden mithilfe eines Einladungslinks oder Login-Daten, die beispielweise von anderen Schülern weitergegeben werden in die Konferenz ein. Gibt es einen „Warteraum“, bei dem weitere Teilnehmer erst durch einen Moderator – in dem Fall der Lehrer- freigeschaltet werden muss, werden Namen von fehlenden Schülern genutzt. Zum Teil werden auch Sicherheitslücken in Videochat-Tools wie Zoom genutzt, um sich einzuschleusen. Zoom hat diesbezüglich bereits reagiert und auf eine sicherere Konfiguration aufgestockt.
Nicht immer harmlos
Die Art der Störung variiert von Fall zu Fall und ist nicht immer nur ein unbedenklicher Streich. So wurden in so manchen Online-Unterricht bereits pornografische Videos eingespielt oder Nazi-Propaganda verbreitet. Die Folge: Teilweise müssen Unterrichtsstunden aufgrund der enormen Beeinträchtigung gänzlich abgebrochen werden. Vereinzelt werden diese Aktionen gefilmt und auf Tiktok oder Instagram verbreitet, wo der Hashtag #onlineunterrichtstürmen besonders im Januar in den Trends landete.
YouTuber springen auf den Zug auf
Zwar ist es nicht möglich eine genaue Anzahl der Störungen auszumachen, jedoch zeigt sich beim Umsehen in den Sozialen Medien, dass es immer wieder dazu kommt.
Zuletzt zogen die Aktionen immer größere Kreise, so dass unter anderem YouTuber Schüler aufforderten, ihnen Login-Daten für ihren Online-Unterricht zukommen zu lassen. In einem Bericht des „Y-Kollektivs“ berichtet beispielsweise der YouTuber „Buny“ (über 20.000 Abonnenten) von seinen Störungen, die er dort als harmlose Unterhaltung beschreibt.
Auswirkungen auf Lehrer und Schüler
Der Bericht des Y-Kollektivs zeigt auch, dass nicht jeder die Ansichten des 21-jährigen YouTubers teilt. Ein Schüler beklagt sich darüber, dass der ohnehin schwierige Unterricht im Zuge seiner Abiturvorbereitungen für ihn wichtig sei und er die Störungen nicht nachvollziehen könne. Der Lehrer einer Gesamtschule berichtet davon, dass sich manche Schüler durch die Aktionen gehemmt fühlen, ihre Webcams einzuschalten, in der Befürchtung, sie könnten gefilmt werden. Zudem seien viele Lehrer momentan „ausgebrannt“, und für diese stelle das Ganze eine Zusatzbelastung in einer ohnehin schwierigen Zeit dar.
Unter Umständen strafbar
Im Falle von „Buny“ erstattete eine Mittelschule, deren Unterricht von ihm gestört wurde, Anzeige, in deren Folge sein Laptop und Smartphone von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg beschlagnahmt wurden. Nun wird gegen ihn wegen mehrfacher „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ ermittelt, da er Gespräche ohne Einwilligung und teils ohne Verfremdung der Stimmen veröffentlicht habe – eine Straftat, für die bei Verurteilung eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft vorgesehen sind. Thomas Gregor, Oberstaatsanwalt der bayrischen Cybercrime-Zentralstelle, äußert gegenüber Heise, dass sich viele Jugendliche nicht darüber bewusst seien, dass ihre Aktivitäten die Grenzen zum Strafbaren schnell überschreiten.
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Quellen:
Organisierte „Stürmung“: Wie Schüler ihren Onlineunterricht sabotieren – Netzpolitik – derStandard.de › Web
TikTok-Trend Online-Unterricht stürmen: Wurde Dein Homeschooling auch gestört? – YouTube
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