Manche nervigen Sachen tauchen immer wieder auf. Wie Fußpilz. Oder Herpes. Oder dieses Video.

Seit fast acht Jahren kursiert bereits ein Tondokument eines angeblichen Polizisten, welches immer noch auf YouTube zu finden ist (siehe HIER), seitdem ist es allerdings nicht glaubwürdiger geworden.
Nun hat es seinen Weg auf Telegram gefunden: Angeblich bestätigt die Polizei, dass Deutschland nicht existiert und alle Polizisten darüber Bescheid wissen.

Das angebliche Tondokument der Polizei
Das angebliche Tondokument der Polizei

Eingeleitet wird der knapp drei Minuten lange Text mit „Achtung! Hier spricht ihre Polizei“.

Was ist die Kernaussage des Videos?

Im Prinzip geht es nur darum, dass ein angeblicher Polizeibeamter behauptet, Deutschland existiere als solches gar nicht, alle Polizeibeamten wüssten darüber Bescheid, es werde intern auch kommuniziert. Deswegen solle man friedlich demonstrieren, die Polizei werde sich einem nicht entgegenstellen.

Gehen wir mal im Folgenden auf einzelne Passagen ein.

Die Einzelaussagen

„Die Regierung ist korrupt. Der Staat BRD existiert nicht einmal. (…) Suchen Sie im Internet. Interessieren Sie sich für diese Dinge.“

Netterweise auch noch gezeigt, wonach man googlen sollte:

Wonach man googlen soll
Wonach man googlen soll

Machen wir doch glatt! Und gleich der dritte Treffer informiert uns sehr gut 😉

MIMIKAMA

Eine wichtige und eventuell folgenschwere Behauptung ist jener kleine Satz in dem Tondokument:

„Dies hier ist ein anonymer Hilferuf Ihrer Polizei, nicht amtlich sondern privat.“

Allerdings wird während des gesamten Videos die URL www.polize-beratung.de eingeblendet , um dem Gesprochenen einen seriösen Anstrich zu geben – dies ist strafrechtlich relevant, da es sich um eine private, keine offizielle Aussage der Polizei handelt.

„Bitte informieren Sie sich selber, unabhängig von den gekauften Medien, die nur der Verbreitung falscher Meinungen dienen.“

Uns drängt sich die Frage auf, seit wann denn WhatsApp und YouTube Medien sind, über die nur die reine Wahrheit verbreitet wird. Jedenfalls ist der Ersteller des Videos wohl der Meinung, dass nur kleine Blogs ohne Impressum (oder Impressum im Ausland) und anonyme Videos die Wahrheit schreiben und sagen. Alle anderen sind gekauft.

Gibt es Polizisten, die das bestätigen?

Uns ist jedenfalls in den ganzen acht Jahren, in denen jenes Tondokument kursiert, noch kein einziger Polizist, auch nicht anonym, begegnet, der die Aussagen bestätigen konnte. Auch sind keine echten Dokumente aufgetaucht, die dies irgendwie verifizieren könnten.

Im Grunde genommen ist das Video vergleichbar mit dem gefälschten Account eines Facebook-Nutzers, der „Informiere dich mal!“ in die Kommentare schreibt – es hat keinen essentiellen Aussagewert.

Warum wurde das YouTube-Video bereits mehrfach gelöscht?

Wurde da also Zensur betrieben? War es der Polizei unangenehm, solche „Wahrheiten“ veröffentlicht zu wissen? Schauen wir doch mal unter eines der mittlerweile gelöschten Videos:

Hinweis unter einem gelöschten Video
Hinweis unter einem gelöschten Video

„Die Polizei bestätigt BRD-G… Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bund nicht mehr verfügbar.“

Also keine Zensur. Die Polizeiliche Kriminalprävention hat bei YouTube beanstandet, dass deren URL und das Polizei-Logo unrechtmäßig in dem Video verwendet werden, um den Anschein zu erwecken, dass es sich um ein offizielles Video handelt.

Fazit

Eine anonyme Person gibt vor, Polizist zu sein und verbreitet Behauptungen, die man als solche eigentlich nur aus Reichsbürger-Kreisen kennt: Der Staat existiere nicht, man solle sich dagegen wehren.

Wäre die Person ein echter Polizist, wüsste er, dass er das Logo der Polizei als Privatperson nicht verwenden darf.
Ist die Person kein echter Polizist, wäre die Verwendung des Logos und der Behauptung „Hier spricht die Polizei“ eine arglistige Täuschung, im Härtefall auch Amtsanmaßung.

Wirkliche Infos gibt das Video auch nicht. Man solle demonstrieren, nicht alles glauben und sich informieren. Ein knapp drei Minuten langer Facebook-Kommentar also. Und in etwa genauso aussagekräftig – nämlich gar nicht.

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