Die Behauptung

Die staatliche russische Medienagentur (TASS) hat berichtet, dass die Leiche von Alexander Lapin kürzlich aus dem Moskauer Fluss Moskwa geborgen wurde. Die Polizei und Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums untersuchen desweilen den Fundort.

Unser Fazit

Die Behauptung, Lapins Leiche sei „aus dem Fluss Moskwa geborgen“ worden, entbehrt jeder Grundlage. Es gibt keine Beweise, die den Bericht über seinen Tod stützen. Sowohl die TASS als auch jegliche anderen Medien haben nie über das Ableben von General Lapin berichtet.

Hintergrundwissen: General Alexander Lapin und seine Entlassung

Alexander Lapin war seit 2017 Befehlshaber des Zentralen Militärbezirks der russischen Streitkräfte und ist, Berichten zufolge, vor kurzem entlassen worden. Der Hauptgrund war demnach die wochenlange Kritik ihm gegenüber an seinem Umgang mit dem Ukraine-Krieg. Außerdem erschien die Nachricht über seine Suspendierung, nachdem der General von der zunehmend einflussreichen Koalition von Ramsan Kadyrow, dem Führer der Tschetschenischen Republik, und Jewgeni Prigoschin, dem Gründer der Wagner-Gruppe, einer russischen paramilitärischen Söldnertruppe, kritisiert worden war.

Beide genannten Männer sind enge Verbündete des russischen Präsidenten Putin, haben sich jedoch zunehmend mit dem russischen Verteidigungsministerium und den Militärchefs zerstritten. Darüber hinaus gibt es Berichte über interne Streitigkeiten in Putins engstem Kreis.

Die Gerüchte über Lapins Entlassung tauchten Ende Oktober auf und wurden zunächst von einer lokalen Nachrichtenagentur in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny sowie von mehreren kremlfreundlichen Telegram-Kanälen, darunter Grey Zone, zitiert.

Die Moscow Times und die Zeitung RBC bestätigten später diese These, zu denen sich der Kreml bis jetzt nicht geäußert hat. Andere Quellen gingen zunächst davon aus, dass sich Lapin in einem dreiwöchigen Urlaub befände.

Leiche von General im Fluss gefunden?

Den Berichten über seine Entlassung folgten kurz darauf auch noch weitere „düstere Nachrichten“: „Die Leiche von General Lapin, der die Besatzer im Osten befehligte, wurde aus dem Moskauer Fluss geborgen“, so war es als erste Behauptung dem ukrainischen Nachrichtensender Channel 24 zu entnehmen. Weiter heißt es: „Berichten zufolge waren Sanitäter und Rettungskräfte vor Ort im Einsatz“. Als Quelle für die These wurden Kontakte zum ukrainischen „Geheimdienstapparat“ benannt. Mehrere ukrainische und englischsprachige Medien griffen die unbestätigte Behauptung auf, verbreiteten sie und schrieben sie meist Channel 24 zu.

MIMIKAMA

Die Fakten

Wie newsweek.com berichtet, ist die Hauptquelle der Behauptung ein Twitter-Account, der bereits dafür bekannt ist, ungeprüfte Informationen zu veröffentlichen. Am 29. Oktober wurde von jenem Account getwittert: „TASS [staatliche russische Medienagentur]. Die Leiche des ehemaligen Generals Alexander Lapin wurde im Fluss Moskwa gefunden. Polizeibeamte und Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums untersuchen den Fundort.“ Von dort aus nahm die These ihren Weg zum Sender Channel 24 und verbreitete sich im weiteren Verlauf rasant in der Welt.

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TASS. Die Leiche des ehemaligen Generals Alexander Lapin wurde in der Moskwa gefunden. Vertreter des Verteidigungsministeriums und der Polizei sind vor Ort im Einsatz.

@SergejTalk auf Twitter, Übersetzung: deepl.com

Medien berichteten aber nie über Lapins Tod

Der 29. August 2022 ist allerdings der Tag, in dem Lapin auf der TASS-Webseite zum letzten Mal erwähnt wird. Dabei geht es um eine offizielle Zeremonie, bei der er russischen Soldaten, die in der Ukraine gekämpft haben, Medaillen überreichte. Demnach gibt es also keinerlei Beweise dafür, dass die Nachrichtenagentur der russischen Regierung (TASS) eine Meldung zum Tod bzw. zum Fund der Leiche von Alexander Lapin veröffentlicht hat.

Ebenso haben keine anderen staatsnahen oder unabhängigen Medien in jüngster Zeit erwähnt, dass Lapins Leiche in einem Fluss oder anderswo entdeckt wurde.

Ferner ist es nicht klar, ob sich bei dem Post auf Twitter nur um einen Scherz oder wirklich um eine absichtliche Fehlinformation handelt. Denn ein möglicher Scherz könnte sich auch auf den Trend zu „mysteriösen Todesfällen russischer Oligarchen und ehemaliger Regierungsvertreter“ seit Beginn des Ukraine-Krieges beziehen.

Unabhängig von dieser Unklarheit ist die verbreitete Behauptung ziemlich unbegründet und wurde – nicht zuletzt deshalb – auch innerhalb weniger Tage sowohl von Channel 24 als auch von den weiteren Medien, die sich auf den Bericht von Channel 24 bezogen, zurückgenommen und gelöscht.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Die ursprünglich verfassten Berichte basierten auf einem irreführenden Tweet und wurden später archiviert. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Kreml offiziell bezüglich der Entlassung und des Ausscheidens von Alexander Lapin aus der russischen Militärführung äußern wird und damit diejenigen Behauptungen zur Suspendierung Lapins belegt. Die Gerüchte über sein Ableben beruhen jedoch nicht auf Tatsachen und es gibt keine Beweise für den Fund seines Leichnams.

Quellen: Newsweek [1, 2, 3, 4], ura.ru, Channel 24 (archiviert), TASS
Weiterer Faktencheck: Hat Boris Johnson wirklich interveniert, um das Ende des Ukraine-Krieges zu verhindern?
Autor: Nick L.

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)