Die Behauptung
Ein in sozialen Medien kursierendes Video zeigt angeblich Ultraschallaufnahmen eines Fötus, der bei einem Schwangerschaftsabbruch Schmerzen und Angst empfindet.
Falsch
Diese Behauptung ist falsch. Das Video stammt aus dem Spielfilm „Unplanned“, der bereits wegen seiner unrealistischen Darstellungen kritisiert wurde. Experten bestätigen, dass ein Fötus in diesem Stadium weder Schmerz noch Angst empfinden kann.
Kurzer Überblick über die Fakten:
- Herkunft des Videos: Das Video stammt aus dem US-amerikanischen Film „Unplanned“ und nicht aus einer realen Abtreibung.
- Schmerzempfinden des Fötus: Wissenschaftliche Studien belegen, dass Föten erst ab der 26. Woche Schmerzen empfinden können.
- Abtreibungen in Deutschland: 97% aller Abtreibungen finden vor der 12. Schwangerschaftswoche statt, wenn der Fötus noch sehr wenig entwickelt ist.
Realitätsferne Darstellungen im Spielfilm „Unplanned“
Das Thema Abtreibung wird weltweit diskutiert. Ein Video im Kontext des evangelikalen Films „Unplanned“ zeigt angeblich Ultraschallaufnahmen eines Schwangerschaftsabbruchs, bei dem ein 13 Wochen alter Fötus „leidet“. Eine genaue Analyse zeigt jedoch, dass diese Szenen unrealistisch und wissenschaftlich widerlegt sind.
Fiktion statt Realität
Eine Bildrecherche bestätigt, dass das Video aus dem Film „Unplanned“ der evangelikalen Produktionsfirma Pure Flix stammt. Diese ist bekannt für Filme mit konservativen Botschaften. Der Film selbst wurde wegen seiner verzerrten Darstellung von Abtreibungsprozessen heftig kritisiert.
Die medizinische Leiterin Gabie Raven sagt: „So etwas habe ich in 30 Jahren als Ärztin noch nie gesehen.“ Sie betont, dass ein Fötus in diesem Stadium in einem Fruchtwasserballon liegt, der während des Eingriffs sofort kollabiert. Die Darstellung im Film sei daher anatomisch falsch.
Kein Schmerzempfinden möglich
Wissenschaftliche Studien, darunter eine Untersuchung des britischen Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, belegen, dass Föten vor der 26. Woche die neurologischen Strukturen fehlen, um Schmerz zu empfinden. Auch eine „Furchtreaktion“ ist ausgeschlossen. Gabie Raven und andere Expertinnen wie Jen Villavicencio weisen darauf hin, dass solche Behauptungen rein emotional und nicht faktenbasiert sind.
Schwangerschaftsabbruch in Deutschland: Fakten
In Deutschland finden die meisten Schwangerschaftsabbrüche in einem sehr frühen Stadium statt: 97 Prozent der Abbrüche erfolgen vor der 12. Häufig wird die Abtreibungspille eingesetzt, ein chirurgischer Eingriff ist nicht notwendig. Den rechtlichen Rahmen bildet der §218 des Strafgesetzbuches, der Schwangerschaftsabbrüche nach der 12. Woche nur in Ausnahmefällen erlaubt.
Fazit zum Abtreibungsvideo
Die Behauptung, das Video zeige echte Aufnahmen eines leidenden Fötus, ist eindeutig widerlegt. Es handelt sich um eine Szene aus einem Spielfilm, in dem wissenschaftlich und medizinisch unhaltbare Szenarien dargestellt werden. Die Darstellung im Film dient eher propagandistischen Zwecken und entbehrt jeder faktischen Grundlage. Für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch sind verlässliche Informationen unerlässlich.
Quelle: DPA
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