Oh wow. Ein Text auf Facebook. In Farbe. Und bunt. Na, dann MUSS es ja stimmen!
Tja, das muss wohl die absolute Wahrheit sein: „Spanische Grippe überlebten nur die Ungeimpften“. Und der Hammer ist: Zumindest dieser Teil der Behauptung stimmt. Also irgendwie. Denn gegen die Spanische Grippe gab es gar keine Impfung.
Hie die Behauptung auf Facebook:

„Übrigens bei der spanischen Grippe haben die Ungeimpften überlebt und nicht die Geimpften!
Nur mal so zur Info!“
Bevor ihr euch das fragt: Nein, das hat nicht jemand als „Satire“ gepostet, sondern meint dies tatsächlich so.
Die Spanische Grippe
Die sogenannte „Mutter aller Pandemien“ zählt als die schwerste Pandemie der jüngeren Geschichte. Schätzungsweise infizierten sich 500 Millionen Menschen (ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung) mit dem Virus, rund 50 Millionen Menschen starben daran.
Das auslösende H1N1 Virus war damals noch unbekannt, die Maßnahmen beschränkten sich auf die Bekämpfung bakterieller Folgeinfektionen, Quarantäne, Hygiene, Desinfektionsmittel, Einschränkung von öffentlichen Versammlungen und Tragen von Schutzmasken (was von vielen Menschen falsch oder gar nicht praktiziert wurde).
Welche Impfungen gab es damals?
Auch wenn der erste Impfstoff bereits im 18. Jahrhundert entwickelt wurde, steckte die Impfforschung noch in den Kinderschuhen. Gegen ganze fünf Krankheiten gab es Impfungen: Pocken, Tollwut, Typhus, Cholera und Pest.

Erst ab 1945 wurden Impfstoffe gegen Influenza entwickelt. Erst 1930 wurde festgestellt, dass die Grippe durch ein Virus, nicht nurch ein Bakterium ausgelöst wird.
Gab es denn damals nicht trotzdem Impfungen dagegen?
Es wurde damals vermutet, dass die Spanische Grippe durch Bakterien ausgelöst wird, weswegen tatsächlich auch einige Ärzte daran machten, Impfstoffe auf Grundlage von Bakterien aus den Lungen von Infizierten zu entwickeln.
Der Medizinhistoriker und Spezialist für die Geschichte der Spanischen Grippe in Australien, Dr. Peter Hobbins, erklärte gegenüber AAP FactCheck, dass dies ein grundlegendes Problem war: Jene Impfstoffe wurden gegen die „falschen“ Organismen entwickelt und hatten somit keinen Schutzwert.
Diese Impfstoffe, die allerdings nicht weltweit und eher örtlich beschränkt eingesetzt wurden, bekämpften somit nicht das H1N1-Virus, hatten aber zumindest einen kleinen Nutzen: Bakterielle Folgeinfektionen wurden bekämpft, die Spanische Grippe verlief weniger schwer.
„Impfstoffe waren damals ziemlich grob und die Menschen haben sich nach Erhalt möglicherweise unwohl gefühlt, aber es ist völlig falsch anzunehmen, dass es aufgrund ihres Gebrauchs weltweit 50 Millionen Todesfälle gegeben hätte.“
so Dr. Hobbins.
Jene Impfung wurde beispielsweise am Naval Hospital in League Island, Pennsylvania am Krankenhaus-Personal und einer Patientengruppe getestet. Er bestand aus B. influenza und Stämmen von Pneumokokken, Streptokokken, Staphylokokken und Micrococcus catarrhalis (jetzt Moraxella catarrhalis).
Es wurde festgestellt, dass die behandelten kranken Patienten keine Lungenentzündung entwickelten, aber eine Infektion der Lungenschleimhaut. Die Erkrankung verlief anders, aber definitiv kürzer.
Die Anzahl der mit dem Impfstoff behandelten Patienten war jedoch zu gering, um Rückschlüsse ziehen zu können, weswegen die Anwendung eingestellt wurde; zumindest kam es aber bei keiner geimpften Person zu einer Verschlechterung des Zustandes.
Fazit
Es gab 1918 gar keine direkte Impfung gegen die Spanische Grippe!
Zwar gab es örtlich beschränkte Experimente mit möglichen Impfungen, die sich aber gegen die Bakterien der Folgeinfektionen richteten und nur wenig gegen die Spanische Grippe ausrichteten, aber auch nicht schadeten.
Und deswegen ist auch ein Teil der Behauptung im Prinzip richtig:
Tatsächlich überlebten die Ungeimpften. Und es starben auch die Ungeimpften. Weil es noch gar keinen Impfstoff gab!
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In Artikeln und Sharepics wird behauptet, 50 Millionen Menschen starben 1918 an einer Impfung.
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