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Tote Babys, da Überstellung in anderes Krankenhaus wegen Corona nicht möglich? (Faktencheck)

Ralf Nowotny, 27. Oktober 2020
Tote Babys, da Überstellung in anderes Krankenhaus wegen Corona nicht möglich? (Faktencheck)
Tote Babys, da Überstellung in anderes Krankenhaus wegen Corona nicht möglich? (Faktencheck)

Vier tote Babys mit Herzfehlern in Australien, da sie angeblich wegen Corona-Beschränkungen nicht in ein anderes Krankenhaus konnten. Doch es gibt Zweifel an der Behauptung.

Das Thema machte Schlagzeilen in Australien und international: Im Krankenhaus in Adelaide/Australien sollen innerhalb kurzer Zeit vie Babys mit Herzfehlern gestorben sein, da sie wegen Corona-Reisebeschränkungen nicht nach Melbourne transferiert werden konnten.

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Was geschah

Adelaide ist die einzige Hauptstadt des Festlandstaates, die keine Herzoperationen oder externe Oxygenierungsmaschinen (ECMOs) für Babys und Kinder anbietet, erklärt Geburtshelfer und Gynäkologe Professor John Svigos.

Aus diesem Grund hätten die Babys eigentlich in ein Krankenhaus in Melbourne im Nachbarstaat Victoria überwiesen werden müssen, wo Herzoperationen an Babys und Kleinkindern möglich sind.

Die Behauptung

Dies sei jedoch aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen nicht möglich gewesen, so Svigos, der Vorsitzende einer Gruppe namens Women’s and Children’s Hospital Alliance.

Kinder, die normalerweise für die Behandlung notfallmäßig in das Royal Children’s Hospital in Melbourne verlegt werden müssten, könnten derzeit aufgrund von Coronavirus-Beschränkungen bei der Wiedereinreise von Victoria nach Südaustralien nicht behandelt werden.

Diese Vorwürfe fielen vor einem Komittee, welches gegründet wurde, um die Todesumstände der vier Babys zu untersuchen.

Offene Fragen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Royal Children’s Hospital Melbourne – der Radiologe und Berater Dr. John de Campo – fragt sich nun allerdings auch, warum die Babys nicht nach Melbourne überwiesen wurden.

„Ich weiß weder, warum diese Babys nicht geschickt wurden, noch welche Krankheiten sie hatten und ob es operierbare Krankheiten waren oder nicht – das alles ist schleierhaft.“

so Dr. John de Campo gegenüber ABC Radio Adelaide.

Victoria dementiert

Daniel Andrews, der Premierminister des Bundesstaates Victoria, dementierte, dass Reisebeschränkungen in seinem Staat dafür verantwortlich seien, dass die Babys nicht in die Hauptstadt Melbourne transferiert wurden.

„Es gab die Wahl, sie zu uns zu schicken, und die Entscheidung wurde nicht von uns, sondern am anderen Ende [Anmerkung des Autors: in Adelaide] getroffen.“

Andrews setzte hinzu, dass er versuchen werde, Einzelheiten über den Vorfall zu erfahren, er jedoch nicht glaube, dass das Krankenhaus in Melbourne die Babys aufgrund von Reisebeschränkungen abgelehnt habe.

Südaustralien dementiert

Auch der Premierminister von Südaustralien, Steven Marshall, dementiert die Behauptung. Ihm seien keine Reisebeschränkungen bekannt, die sich auf die medizinische Überführung von Säuglingen auswirken.

Bundesgesundheitsminister Greg Hunt sagte, er werde sich ebenfalls genau über die Umstände informieren, die zu dem Tod der Babys führten. Südaustralien werde diese Situation mit äußerster Schärfe behandeln.

Auf Nachfrage, warum das Krankenhaus in Adelaide keine Möglichkeiten habe, Babys zu operieren, sagte der südaustralische Gesundheitsminister Stephen Wade, dass es dafür nicht genug Fallenzahlen gäbe.

Deswegen werden herzkranke Säuglinge und Kleinkinder lieber nach Melbourne überwiesen, wo es erfahrene Chirurgen gibt, die häufig solche Operationen durchführen.

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Fazit

Wer nun schuldig am Tod der Babys ist, steht noch vollkommen in den Sternen.

Der Schwarze Peter wird sich gegenseitig zugeschoben: Das Krankenhaus in Adelaide schiebt es auf Corona-Reisebeschränkungen, das Krankenhaus in Melbourne wusste nichts von den Babys, die beiden Premierminister von Südaustralien und Victoria dementieren, dass es solcherlei Reisebeschränkungen in deren Bundesstaaten gibt.


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