Trump erklärt Columbus Day zum alleinigen Feiertag – Indigenous Peoples Day bleibt unerwähnt

Ein Rückfall in alte Mythen: Trump erklärt, nur Columbus Day sei „amerikanisch genug“.

Die Behauptung

Donald Trump kündigt an, Indigenous Peoples Day nicht mehr anzuerkennen und will den Fokus ausschließlich auf Columbus Day legen, um nach eigener Aussage die „Tradition“ zu bewahren.

Aufgestellt von: Donald J. Trump

Irreführend

Vorsichtig! Trump hat keine rechtliche Macht, einen bestehenden Feiertag abzuschaffen. Indigenous Peoples Day bleibt weiterhin durch Proklamationen anerkannt, auch wenn eine zukünftige Regierung diese nicht mehr aktiv ausruft. Es handelt sich mehr um eine politische Symbolhandlung als um eine faktische Änderung.

Kurze Faktenübersicht:

  • Columbus Day ist ein gesetzlicher Feiertag: Gilt bundesweit seit 1934, eingeführt unter FDR.
  • Indigenous Peoples Day ist keine Gesetzesänderung: Wird durch Präsidentenproklamation jährlich anerkannt, erstmals unter Biden 2021.
  • Historischer Ursprung von Columbus Day: Entstand 1892 als Reaktion auf die Lynchmorde an italienischen Einwanderern.
  • Trump instrumentalisiert Columbus-Symbolik: Wiederkehrende Rhetorik gegen angeblichen „linken Bildersturm“.

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Columbus Day oder Indigenous Peoples Day? Ein Kulturkampf mit Geschichte

Ein scheinbar symbolischer Feiertag entfacht erneut politische Spannungen, was steckt wirklich hinter Trumps Vorstoß?

Am Sonntag, 27. April 2025, veröffentlichte Donald Trump auf Truth Social ein Statement, das kaum Raum für Interpretationen ließ: „Ich bringe Columbus Day zurück aus der Asche.“ In seiner typischen Rhetorik behauptete er, die Demokraten hätten versucht, Columbus zu „zerstören“, ebenso wie die Ehre der italienischstämmigen Amerikaner.

Trump schreibt auf Truth Social:

Screenshot des Posts von Donald Trump
Screenshot des Posts von Donald Trump

„I’m bringing Columbus Day back from the ashes. The Democrats did everything possible to destroy Christopher Columbus, his reputation, and all of the Italians that love him so much. […] I am hereby reinstating Columbus Day under the same rules, dates, and locations, as it has had for all of the many decades before!”

„Ich hole den Kolumbus-Tag aus der Asche zurück. Die Demokraten haben alles getan, um Christoph Kolumbus, seinen Ruf und all die Italiener, die ihn so sehr lieben, zu zerstören. […] Ich führe hiermit den Kolumbus-Tag wieder ein, mit denselben Regeln, Terminen und Orten, die er in all den vielen Jahrzehnten zuvor hatte!“

Diese Aussage ist inhaltlich irreführend: Columbus Day war nie abgeschafft worden, die Anerkennung des Indigenous Peoples Day erfolgte lediglich zusätzlich und symbolisch.

Trump will offensichtlich eine Tradition „wiederherstellen“, die es in dieser Form nie gegeben hat. Während Columbus Day ein etablierter Feiertag bleibt, führte Joe Biden 2021 erstmals eine parallele Anerkennung des Indigenous Peoples Day ein, per präsidialer Proklamation, nicht durch Gesetzesänderung.

Der Versuch, diesen Tag nun „abzuschaffen“, ist faktisch nicht bindend. Vielmehr handelt es sich um einen Wahlkampfbeitrag, zugeschnitten auf Trumps Kernklientel.

Was verfolgt Donald Trump mit seiner Erklärung?

Donald Trump verfolgt mit seiner Erklärung zur „Wiederherstellung“ des Columbus Day mehrere strategische, ideologische und politische Ziele. Hier ist eine Analyse, warum Trump das macht und was dahintersteckt:

1. Symbolpolitik für seine Basis

Trump inszeniert sich als Verteidiger „traditioneller amerikanischer Werte“ und Columbus Day ist für viele seiner Unterstützer genau das: ein Symbol für Patriotismus, Entdeckergeist und „westliche Zivilisation“.

Durch die Rückbesinnung auf Columbus spricht er gezielt:

  • konservative, nationalistisch eingestellte Wähler an,
  • viele italienischstämmige Amerikaner,
  • Menschen, die sich gegen „Cancel Culture“ und „Wokeness“ wehren.

2. Kulturkampf gegen „Woke America“

Trump nutzt Columbus Day als Bühne für einen größeren Kampf gegen alles, was er als „links“ oder „woke“ einstuft. In seinem Narrativ

  • steht Columbus für „Heldentum“,
  • und Indigenous Peoples Day für eine „Umerziehung“ der Geschichte.

In seinem Truth Social-Post greift er nicht nur Columbus-Kritiker an, sondern unterstellt den Demokraten, sie wollten „nichts außer WOKE“ installieren, eine klassische Rhetorik, um Feindbilder zu schärfen.

3. Medienwirksames Ablenkungsmanöver

Feiertagsdebatten lassen sich gut emotionalisieren und medial inszenieren, das lenkt vom politischen Alltag ab und bringt Aufmerksamkeit. Gerade in Wahlkampfzeiten nutzt Trump solche Kulturthemen gern, um von komplexeren oder für ihn unangenehmeren Themen abzulenken. B. Gerichtsverfahren oder politische Misserfolge.

4. Identitätspolitik von rechts

Während progressive Bewegungen Identitätspolitik betreiben, um marginalisierte Gruppen sichtbar zu machen, betreibt Trump eine konservative Gegen-Identitätspolitik: Er stilisiert sich zum Beschützer einer bedrohten „amerikanischen“ (sprich: weißen, christlichen, eurozentrischen) Identität. Columbus wird dabei zur Projektionsfläche: als „weißer Entdecker“, der von „radikalen Linken“ verunglimpft werde.

5. Wahlkampfstrategie

Trump nutzt solche Themen, um seine Basis zu mobilisieren und Gegner zu provozieren, das nennt man „grievance politics“ (Politik durch Empörung). Das Thema Columbus Day ist dabei nur ein Teil eines größeren Narrativs, das er bedienen will:
„Die Linken nehmen euch eure Geschichte, eure Feiertage, eure Kultur.“

Trump geht es nicht wirklich um Christoph Kolumbus, sondern darum, sein politisches Profil zu schärfen, seine Gegner zu attackieren und eine Polarisierung zu erzeugen, aus der er Kapital schlagen kann. Columbus Day ist in diesem Fall nur das Werkzeug, der eigentliche Kampf dreht sich um die Deutungshoheit über Amerikas Identität und Geschichte.

Historische Hintergründe: Mehr als nur ein Datum

Columbus Day entstand 1892 als Reaktion auf die brutale Lynchung von elf italienischen Einwanderern in New Orleans. Um die Beziehung zur italienischen Regierung zu entspannen, proklamierte Präsident Harrison einen Gedenktag für Christoph Kolumbus. Später wurde der Feiertag unter Roosevelt 1934 offiziell, nicht aus historischer Genauigkeit, sondern als Symbol für Integration und Anerkennung der italienischstämmigen Bevölkerung.

Dass Columbus selbst nie US-amerikanischen Boden betreten hat, wird gerne übergangen. Seine Ankunft auf den Bahamas 1492 gilt dennoch als Ausgangspunkt kolonialer Expansion und Gewalt gegen indigene Völker, ein Umstand, den viele heute nicht mehr glorifizieren wollen.

Warum Indigenous Peoples Day wichtig ist

Aktivistinnen und Historiker fordern seit Jahrzehnten eine Umdeutung des Feiertags. Für sie ist es unerträglich, dass ein Mann gefeiert wird, dessen Reisen den Beginn von Völkermord, Versklavung und Enteignung einleiteten. Indigenous Peoples Day soll nicht spalten, sondern sichtbar machen, was lange verdrängt wurde.

Biden war der erste Präsident, der diesen Schritt wagte, nicht als Abschaffung von Columbus Day, sondern als Korrektur eines einseitigen Narrativs. Innenministerin Deb Haaland, selbst indigener Herkunft, war maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt.

Trump: Nostalgie statt Geschichtsbewusstsein

Trumps Forderung ist Teil einer größeren Kampagne: dem Kampf gegen „Wokeness“, wie er es nennt. In seiner Amtszeit wetterte er regelmäßig gegen Denkmalstürze und geschichtliche Neubewertungen, insbesondere wenn sie Heldenfiguren wie Columbus, Robert E. Lee oder Konföderierten-Generäle betrafen.

Dabei ignoriert er bewusst die historischen Kontexte. Columbus wird nicht aus Willkür kritisiert, sondern weil seine Rolle in der Geschichte komplex und ambivalent ist. Wer den Kolonialismus ausblendet, betreibt keine Geschichtsbewahrung, sondern Geschichtsverklärung.

Faktencheck: Was ist wirklich verbindlich?

Columbus Day ist gesetzlich festgelegt, daran ändert auch Biden nichts. Indigenous Peoples Day ist eine symbolische Ergänzung. Der Präsident kann ihn jährlich ausrufen, muss es aber nicht.

Trumps „Abschaffung“ des Indigenous Peoples Day wäre also nichts weiter als das Ausbleiben einer künftigen Proklamation. Der Tag verschwindet nicht, weder aus den Kalendern der Bundesstaaten, die ihn bereits offiziell eingeführt haben, noch aus dem Bewusstsein der indigenen Gemeinschaften.

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Auch 2025 wird es also wohl wieder zwei Gedenktage geben, unabhängig davon, wer sie anerkennt.

Fazit zum Thema

Die Diskussion um Columbus Day und Indigenous Peoples Day ist kein Streit um Termine, sondern um Erinnerungskultur. Trumps Versuch, Columbus allein zu feiern, ist keine Rückkehr zur Tradition, sondern ein Rückschritt in ein einseitiges Geschichtsbild. Der Feiertag kann beides leisten: die Leistungen von Einwanderern würdigen und zugleich das Unrecht gegenüber indigenen Völkern anerkennen. Wer das ignoriert, verdrängt nicht nur Fakten, sondern auch Verantwortung.

Quelle: apnews

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