Die Behauptung
Ein Bild von Donald Trump kursiert in sozialen Netzwerken. Es enthält auch die Behauptung, dass er 1998 im People Magazine gesagt hätte, er würde im Falle einer Kandidatur als Republikaner antreten, da deren Wähler die „dümmste Gruppe des Landes“ seien, die „alles auf Fox News glauben“ und „selbst Lügen schlucken“ würden.
Aufgestellt von: Soziale Medien
Faktencheck: Falsch
Falsch. Es gibt keinerlei Beweise, dass Donald Trump diese Aussage jemals gemacht hat. Das People Magazine selbst hat bestätigt, dass in seinen Archiven kein solches Interview existiert und dass 1998 kein Gespräch mit Trump zu einem solchen Thema geführt wurde. Zahlreiche Faktenchecks belegen übereinstimmend, dass dieses angebliche Zitat frei erfunden ist und mindestens seit einem Jahrzehnt in Memes kursiert. Die Berichterstattung über Trump in den 1990er Jahren drehte sich vor allem um seine Scheidung und gesellschaftliche Auftritte, nicht um Politik. Zudem trägt das kursierende Meme ein Wasserzeichen der Facebook-Seite „The Other 98%“, das Bild wurde dort jedoch in der Zwischenzeit entfernt.
Wie ein Fake-Zitat seit Jahren überlebt
Es klingt bissig, es klingt überheblich, es klingt nach Trump, und genau darin liegt die glaubhafte Wirkung des erfundenen Zitats. Wer es liest, spürt sofort die Provokation: Ein Präsident oder damals möglicher Präsidentschaftskandidat, der seine eigenen Wähler verhöhnt? Gerade weil es zu seiner polarisierenden Figur zu passen scheint, hat sich das Meme so hartnäckig gehalten.
Doch ein genauer Blick in die Archive und Faktenchecks zeigt: Dieses Zitat hat es nie gegeben.
Kombination von Bild und Zitat: Kern des Irreführungsmechanismus
Ein altes Foto des amtierenden US-Präsidenten, versehen mit einer scharf formulierten Aussage, erzeugt den Anschein von Authentizität.
Diese Technik wird bei Memes häufig genutzt: Das visuelle Element steigert die Glaubwürdigkeit, weil die Aussage direkt mit der bekannten Figur verknüpft wird. Doch weder das People Magazine noch andere seriöse Quellen bestätigen, dass er diese Aussage getätigt hat.
„If I were to run, I´d run as a Republican. They´re the dumbest group of voters in the country. They believe anything on Fox News. I could lie and they´d still eat it up. I bet my numbers would be terrific.“
Das angebliche Zitat im People Magazine, 1998
„Wenn ich kandidieren würde, würde ich als Republikaner antreten. Sie sind die dümmste Gruppe von Wählern im ganzen Land. Sie glauben alles, was auf Fox News steht. Ich könnte lügen und sie würden es trotzdem schlucken. Ich wette, meine Zahlen wären fantastisch.“
Vier zentrale Belege zeigen die Fälschung deutlich
- Das People Magazine hat bereits 2015 auf Nachfrage erklärt, dass es „nichts Ähnliches wie dieses Zitat“ in seinen Archiven gebe und 1998 überhaupt kein Interview mit Trump stattgefunden habe.
- Snopes untersuchte im selben Jahr sämtliche Trump-Artikel im People Magazine-Archiv der 1990er Jahre. Sie befassten sich mit seiner Scheidung, seiner Selbstinszenierung und seiner Rolle im Jetset, aber nicht mit politischer Strategie.
- Zeitgenössische Interviews, etwa bei Larry King 1987, zeigen sogar das Gegenteil: Trump bezeichnete sich damals als Republikaner, erklärte aber ausdrücklich, er wolle nicht Präsident werden. Diese überprüfbaren Fakten widerlegen die Behauptung vollständig.
- Viele Versionen des Memes tragen das Wasserzeichen „The Other 98%“, einer populären linken Facebook-Seite – ein klarer Hinweis darauf, dass es aus aktivistischen Social-Media-Kreisen stammt, nicht aus journalistischen Quellen.
Soziale Medien verstärken die Verbreitung durch ihre Plattformdynamiken
Memes werden nicht wegen ihres Wahrheitsgehalts, sondern wegen ihres emotionalen Effekts geteilt. Das Zitat passt perfekt in Echokammern, in denen politische Gegner ihn als zynisch oder verächtlich gegenüber seiner Basis darstellen wollen. Likes, Shares und Kommentare belohnen nicht Fakten, sondern Erregung. Dadurch lebt das Bild seit mindestens zehn Jahren weiter, obwohl es längst widerlegt ist.
Kommunikationsabsicht hinter der Fälschung
Indem Trump angeblich seine eigenen Wähler beleidigt, wird er zugleich als Heuchler und als Zyniker dargestellt. Das knüpft an ein klassisches Verschwörungsnarrativ an: Politiker verachten insgeheim das Volk und nutzen nur die „Dummen“ für ihre Macht. Solche Frames emotionalisieren stark, weil sie ein Feindbild aufbauen und zugleich ein „Wir gegen die da oben“-Gefühl bedienen.
Die Formulierungen „die dümmste Wählergruppe des Landes“ und „sie würden alles schlucken“ sind extreme Generalisierungen. Hinzu kommt die rhetorische Zuspitzung („Ich könnte lügen und sie würden es trotzdem glauben“), die perfekt ins Schema eines Memes passt: kurz, provokativ, teilbar.
Kognitive Verzerrungen tragen wesentlich zur Wirkung bei
Viele Menschen glauben das Zitat, weil es in ihr bestehendes Bild des US-Präsidenten passt – ein klassischer Bestätigungsfehler. Wer ihn ohnehin für verlogen hält, nimmt das Meme als „Beweis“ wahr, ohne die Quelle zu prüfen. Auch „motivated reasoning“ ist erkennbar: Die Information wird nicht hinterfragt, weil sie die eigene politische Haltung stützt.
Falsch zugeschriebene Zitate tauchen immer wieder auf – ob es sich um Politiker:innen oder Prominente handelt: Sie wirken glaubwürdig, weil sie mit einer bekannten Figur verknüpft sind, emotionalisieren und leicht zu verbreiten sind. Gerade in polarisierten politischen Debatten entfalten sie eine enorme Wirkung, auch wenn sie längst widerlegt sind.
Quellen prüfen!
Wer auf Social Media auf solche Inhalte stößt, sollte sich fragen:
- Woher stammt die Behauptung?
- Gibt es einen belegbaren Artikel oder ein Video dazu?
- Und: Passt die Formulierung wirklich zum Stil der Person oder ist sie zu zugespitzt, um echt zu sein?
Gut, wir geben zu, es ist, wie Kollege Jens in unserem 2016er-Artikel zu diesem angeblichen Zitat geschrieben hat: „Donald Trump sagt ja viel, wenn der Tag lang ist, manchmal mehr, als morgens auf nüchternen Magen, ohne Betäubung, verträglich ist, aber, obwohl es sogar nach ihm klingen mag, das hat er nicht gesagt, weder 1998 noch in einem anderen Jahr.“
Die Geschichte des Fake-Zitats zeigt, wie leicht sich ein Gerücht verfestigen kann, wenn es die richtigen Knöpfe drückt. Schon 2015 kursierte das Meme viral. Dass es seither immer wiederkehrt, liegt daran, dass es für seine Gegner ein willkommenes Instrument ist, seine Wählerbasis lächerlich zu machen.
Das eingeblendete Wasserzeichen der Seite „The Other 98%“ verweist zudem klar auf eine politische Motivation: Hier ging es nicht um Journalismus, sondern um virale Zuspitzung.
FAQ
Hat Donald Trump 1998 mit dem People Magazine über Politik gesprochen?
Nein. In den Archiven des People Magazine finden sich für die 1990er Jahre keine politischen Interviews mit ihm. Berichtet wurde damals vor allem über seine Scheidung, seine Beziehungen und seine Selbstdarstellung als Geschäftsmann.
Gibt es irgendeinen Beleg für das kursierende Zitat?
Nein. Weder das People Magazine noch unabhängige Faktenchecker haben jemals einen Beleg gefunden. Im Gegenteil: Alle Recherchen bestätigen, dass das Zitat erfunden ist.
Seit wann kursiert das Fake-Zitat?
Es lässt sich mindestens bis 2015 zurückverfolgen, und wird damit schon seit über zehn Jahren in verschiedenen Varianten online geteilt.
Warum glauben trotzdem viele Menschen an das Zitat?
Weil es in bestehende Feindbilder passt. Wer den amtierenden US-Präsidenten ohnehin für verlogen hält, findet die Aussage plausibel. Memes spielen gezielt mit diesem Effekt und umgehen so kritische Prüfmechanismen.
Was kann man tun, wenn man auf solche Memes stößt?
Am besten die Quelle prüfen und nachsehen, ob seriöse Medien oder Faktenchecker das Zitat bestätigen können. Ein Meme ist keine Quelle. Im Zweifel sollte man es nicht weiterverbreiten, um die Falschinformation nicht zu verstärken.
Warum ist auf dem Bild ein Wasserzeichen zu sehen?
Viele Versionen tragen das Logo von „The Other 98%“, einer linken Facebook-Seite. Das New York Magazine berichtete 2016, dass das Bild zwar dort veröffentlicht wurde, inzwischen aber von der Seite entfernt ist. Das weist auf eine politische, nicht journalistische Herkunft hin.
Fazit
Das angebliche Trump-Zitat aus dem People Magazine von 1998 ist frei erfunden. Zahlreiche Faktenchecks und das Magazin selbst haben bestätigt, dass es nie ein solches Interview gab.
Dass das Meme trotzdem seit Jahren überlebt, zeigt, wie stark Falschzitate durch Emotion, Echokammern und Bestätigungsfehler wirken. Gerade weil es vermeintlich so „typisch Trump“ klingt, fällt die Täuschung vielen nicht auf.
Nur die kritische Überprüfung von Quellen schützt davor, politischen Debatten auf Basis von Erfindungen zu führen.
Quellen: Mimikama (2016), FullFact, Snopes, FactCheck.org, New York Magazine, PolitiFact, El Pais
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