Die Behauptung
In sozialen Netzwerken kursiert ein Bild eines Briefmarkenbogens, das angeblich von der ukrainischen Post „Ukrposhta“ zum 75. Jahrestag der SS-Division „Galizien“ herausgegeben wurde. Die Briefmarken zeigen Porträts von SS-Soldaten.
Aufgestellt von: Facebook
Falsch
Falsch: Die ukrainische Post hat niemals offizielle Briefmarken zur SS-Division „Galizien“ herausgegeben. Das aktuelle Bild zeigt privat gedruckte Marken, die seit 2018 als Propagandainstrument dienen.
Kurze Faktenübersicht:
- Das Bild stammt aus dem Jahr 2018 und wird aktuell erneut in sozialen Netzwerken verbreitet.
- Die gezeigten Briefmarken wurden nie von der ukrainischen Post herausgegeben.
- Es handelt sich um eine private, nicht-postamtliche Produktion einer kleinen Enthusiastengruppe.
- Die falsche Bildverwendung begann 2018 mit einem Tweet der russischen Botschaft in Südafrika.
Ein Bild macht wieder die Runde: Jetzt aus Frankreich
Das Bild, das Porträts von SS-Soldaten auf einem Briefmarkenbogen zeigt, wird aktuell auf einer französischen Facebook-Seite verbreitet. Der dazu gepostete Text behauptet, die ukrainische Post habe anlässlich des 75. Jahrestags der SS-Division „Galizien“ eine Briefmarkenserie herausgegeben.
Diese Division sei maßgeblich an der Umsetzung der „Endlösung“ und an Massakern an Zivilisten beteiligt gewesen. Durch das erneute Teilen dieses Bildes und der Information macht es den Anschein, als würde sich das Bestehen aktuell jähren, und auch die angebliche „Ehrung“ durch das Erstellen eigener Briefmarken wird so als aktuelle Aktion dargestellt.
Diese Darstellung bedient gezielt das russische Narrativ, dass in der Ukraine ein weit verbreitetes nationalsozialistisches Gedankengut herrsche. Ein Vorwand, der spätestens seit Beginn des russischen Angriffskriegs unter dem Schlagwort „Entnazifizierung“ instrumentalisiert wird.
Alte Desinformationskampagne aus Russland
Bereits am 27. April 2018 wurde exakt dieses Bild von der russischen Botschaft in Südafrika via Twitter verbreitet.
Mit dem zynischen Kommentar, dass die Ukraine den Nationalsozialismus verharmlose, startete eine Desinformationswelle, die sich bis heute hält:
„Keine Nazis“ in der Ukraine, heißt es… während in Wirklichkeit die ukrainischen Behörden und Neonazis 75 Jahre nach der Gründung einer der grausamsten Nazieinheiten, der SS Galizien, gedenken und sogar Briefmarken herausgeben – ein Versuch, Nazi-Kollaborateure zu beschönigen und sie als Helden zu bezeichnen
Text des Tweets der Russischen Botschaft Südafrika
Internationale Medien und Politiker fielen darauf herein, so etwa der italienische Abgeordnete Emanuele Fiano.
Kein Feiertag, keine offizielle Ausgabe, keine Ukrposhta-Marke
Die SS-Division „Galizien“ wurde am 28. April 1943 gegründet. Der 75. Jahrestag lag somit im Jahr 2018, nicht 2025, wie aktuell suggeriert wird. Der Leiter des Instituts für Nationales Gedenken der Ukraine stellte außerdem klar: Es handelt sich um keinen Feiertag.
Zudem gibt es keine Hinweise darauf, dass die ukrainische Post zu diesem oder einem anderen Anlass Briefmarken mit SS-Bezug herausgegeben hat. Der offizielle Ukrposhta-Katalog listet keine derartigen Marken. Zudem fehlen auf dem kolportierten Bild elementare Merkmale offizieller Ausgaben: Seriennummern, Strichcodes, Ausgabedatum und das Ukrposhta-Logo.
Was wirklich hinter den Bildern steckt
Im Jahr 2018 wurde eine geringe Auflage sogenannter „Cinderella-Stamps“, also nichtpostamtlicher Marken, von einer ukrainischen Enthusiastengruppe herausgegeben. Diese privat hergestellten Marken wurden bei einer Veranstaltung in Lwiw verkauft und waren nie Teil einer offiziellen Postausgabe. Solche inoffiziellen Briefmarken werden weltweit von Philatelisten zu historischen Themen erstellt, besitzen aber keinen postalischen Wert und keine staatliche Legitimation.
Propaganda, die nicht altert
Obwohl die Geschichte und Herkunft der angeblichen SS-Briefmarken längst aufgeklärt ist, wird das Bild heute wieder gezielt zur Diskreditierung der Ukraine eingesetzt. Es ist ein Paradebeispiel für langlebige Desinformation, die in neuen Kontexten recycelt wird, um aktuelle politische Narrative zu bedienen.
FAQ zum Thema
Hat die ukrainische Post SS-Briefmarken herausgegeben?
Nein, alle verbreiteten Bilder zeigen private, nicht-offizielle Briefmarken, die 2018 von einer Enthusiastengruppe hergestellt wurden.
Ist das aktuell kursierende Bild neu?
Nein. Es stammt aus dem Jahr 2018 und wird seitdem in Propagandakampagnen verwendet.
Was sagt das ukrainische Gesetz zu NS-Symbolen?
Nationalsozialistische und faschistische Symbole sind in der Ukraine gesetzlich verboten. Ihre Verwendung ist strafbar.
Wieso taucht das Bild immer wieder auf?
Durch gezielte Streuung in sozialen Medien und die Wiederverwendung in neuen Kontexten bleibt es in Umlauf.
Kann man eigene Briefmarken bei der ukrainischen Post gestalten?
Ja, aber politische oder extremistische Motive sind ausgeschlossen. Alle offiziellen Marken tragen ein Ausgabedatum und Sicherheitsmerkmale.
Fazit
Die erneute Verbreitung eines nicht aktuellen Bildes eines Briefmarkenbogens zur SS-Division „Galizien“ ist ein klarer Fall von politisch motivierter Fälschung. Weder im Jahr 2018 noch heute hat die ukrainische Post solche Marken herausgegeben. Es handelt sich um ein Produkt privater Sammler, das von russischen Stellen für Propagandazwecke instrumentalisiert wurde und nun immer wieder auftaucht. Und weiterhin auftauchen wird. – Ein Paradebeispiel für langlebige Desinformation.
Quellen: Stopfake.org, Mythdetector.com, Open.online, konkret24.tvn24.pl, blog.respekt.cz, manipulatori.cz
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