Nein, dieser Bub hat nicht seinen „achten Vater“ beerdigt

Acht Fotos zeigen denselben Buben mit unterschiedlichen Soldatenporträts. Ein Beitrag macht daraus eine angebliche Inszenierung ukrainischer Trauerfeiern.

Die Behauptung

Ein ukrainischer Bub habe bereits seinen „achten Vater“ beerdigt. Die Fotos sollen zeigen, dass er bei mehreren Trauerfeiern als Sohn verschiedener gefallener Soldaten eingesetzt werde.

Aufgestellt von: Mimikama: Prüfung einer Nutzeranfrage mit Screenshot anhand der verlinkten Quellen von Informator, Suspilne und AFP.

Falsch

Falsch. Der Bub hilft freiwillig bei Trauerfeiern in Otynija und trägt dabei die Porträts der Verstorbenen. Die ursprünglichen Veröffentlichungen stellen ihn nicht als deren Sohn dar.

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Der Bub trägt bei Trauerfeiern in der westukrainischen Gemeinde Otynija die Porträts gefallener Soldaten. Er hat sich dafür freiwillig gemeldet, erklärte der örtliche Jugendratsvorsitzende gegenüber dem ukrainischen Sender Suspilne. Dass er auf mehreren Fotos mit unterschiedlichen Porträts zu sehen ist, erklärt sich durch diese Aufgabe.

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Im vorgelegten Screenshot steht: „Dieser Junge hat schon seinen achten ukrainischen Vater beerdigt“. Dazu werden acht Aufnahmen verschiedener Trauerfeiern zusammengestellt. Der Beitrag unterstellt damit, der Bub werde wiederholt als trauernder Sohn eingesetzt und die Öffentlichkeit getäuscht.

Beitrag mit acht Fotos eines Buben bei Trauerfeiern und der falschen Behauptung vom achten Vater
Die echten Aufnahmen werden mit einer falschen Erklärung verbreitet. Screenshot: Mimikama. Accountname und Gesichter des minderjährigen Buben wurden unkenntlich gemacht.

Ein Originalfoto zeigt eine Abschiedsfeier in Otynija

Die Aufnahme oben rechts in der Collage, auf der der Bub eine weiße Kapuze trägt, findet sich in einem Bericht von Informator vom 27. Jänner 2026. Das Foto zeigt ihn mit demselben Porträt vor einem mit der ukrainischen Flagge bedeckten Sarg. Der Bericht beschreibt die Verabschiedung des gefallenen Soldaten Mykola Tschekis am Vortag. Als Bildquelle nennt das Medium die Gemeinde Otynija. Eine Vater-Sohn-Beziehung zum Porträtträger wird dort nicht behauptet.

AFP recherchierte die Herkunft aller acht Aufnahmen. Laut dem Faktencheck wurden sie zwischen Oktober 2025 und Jänner 2026 auf der offiziellen Facebook-Seite der Gemeinde veröffentlicht. Auch diese ursprünglichen Beiträge stellen den Buben laut AFP nicht als Sohn der Verstorbenen vor. Die Zusammenstellung verwendet somit echte Aufnahmen mit einer falschen Erklärung.

Der Jugendratsvorsitzende erklärt die freiwillige Hilfe

Gegenüber Suspilne berichtete Maksym Sarakhman, Vorsitzender des örtlichen Jugendrats, dass der damals 14-jährige Ruslan seit Sommer 2024 regelmäßig an den Abschiedsfeiern teilnimmt. Wenn jemand zum Tragen des Porträts gesucht worden sei, habe er sich freiwillig gemeldet. Sarakhman schilderte auch eine weitere Trauerfeier am 6. Februar 2026, bei der der Bub das Bild des gefallenen Soldaten Iwan Romanjuk trug.

AFP befragte Sarakhman ebenfalls. Am 12. Februar 2026 bestätigte er der Nachrichtenagentur die freiwillige Teilnahme des Jugendlichen. Damit liegt neben den ursprünglichen Bildveröffentlichungen eine konkrete Erklärung aus der Gemeinde vor. Die Behauptung vom „achten Vater“ war bereits Thema des AFP-Faktenchecks vom 17. Februar 2026.

MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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