Du liest eine Artikelvorschau von Zeitungen auf Facebook und denkst Dir “Wow, die benutzen aber harte Worte”? Du hättest so manchem Pressemedium die ein oder andere Überschrift gar nicht zugetraut? Dann liegt Dein Bauchgefühl vielleicht richtig, denn so manche Facebooknutzer und Seitenbetreiber manipulieren Pressetexte und Überschriften.
Die dabei genutzte Funktion ist nicht neu, jedoch weitestgehend unbekannt: Facebook lässt jedem Nutzer die Wahl, die Vorschautexte von geposteten Links nach eigenem Willen anzupassen. Dies ist jedoch nur auf SEITEN möglich.
Metadaten
Das, was Facebook als Titel (groß) und Beschreibung (klein) unter ein Vorschaubild packt, ist in der Regel durch den Autor des Artikels vorgeschrieben: es handelt sich um Metadaten, welche Facebook aus der jeweiligen Seite ausliest. Diese Metadaten werden vom Autor verfasst und sind ein Teil des Artikels.
Unangenehm daher, dass diese Metadaten durch Facebooknutzer ignoriert werden können und nach außen hin durch andere Angaben ersetzt werden können. Wie man das als Leser bemerken kann? Im Grunde gar nicht ….zumindest nicht ohne zu prüfen. So wie der folgende Titel: hat der Focus diesen Titel verfasst?

Nein, hat er nicht! Hier hat ein Seitenbetreiber manipulativ eingegriffen, um “Überschriftenleser” zu steuern, denn der echte Titel lautet anders:
Einzelfall?
Nein! Das geschieht leider recht häufig und auch verschiedene Medien werden hier genutzt und deren Titel verändert. Ein weiteres Beispiel:

Hat die Sozialamts-Chefin diesen Satz gesagt? Nein, hat sie nicht!

So kann man anpassen
Diese Veränderungen kann jeder Facebooknutzer vornehmen, da es sich um einen einfachen Klick handelt. Man benötigt lediglich einen Link aus dem Netz und das Wissen, wo man hinklicken muss. Denn ist ist tatsächlich ein einziger Klick: vor dem Absenden eines Beitrages kann man die vorgefertigten Texte anklicken und somit verändern.
Hohes Manipulationspotential
Diese Möglichkeit der Anpassung hat auch in der Vergangenheit bereits zu großem Unmut geführt. So herrschte zwischen dem Spiegel online und der Pegida eine Debatte genau um diese Darstellung der Überschriften. Auf der Facebookseite der Pegida erschien folgende Darstellung, welche in der Überschrift das Wort “Asylbetrüger” trug:

(Screenshot: öffentlicher Status)
In der aktuellen Vorschauanzeige dieses Artikels erscheint jedoch diese Darstellung:

(Screenshot: öffentlicher Status)
Das Problem hierbei ist nicht generell die eventuell veränderte Überschrift, sondern eher der Vorwurf, dieses Wort in dem Kontext genutzt zu haben.

(Screenshot: öffentlicher Status)
Möglichkeiten des Nachweises?
Schwer. Man kann lediglich in solchen Fällen nach Parallelstellen suchen, welche zu gleicher Uhrzeit den Link verbreitet haben und diese Standardtexte als Referenz nehmen. Ebenso könnte man den Metatext der Originalseite betrachten und nach der Angabe der “last modified” Angabe suchen, denn aus diesem nimmt sich Facebook die Daten, welche zu einem Link eingeblendet werden. Im Falle des umstrittenen Textes sieht das, was Facebook aus dem Link liest, so aus:

(Screenshot: Facebook, Debugger-Angaben)
Jedoch sind diese Indizien auch manipulierbar, so dass es am Ende wirklich einer Parallelstellensuche bedarf, um den Text zu zeigen, welcher am 16.08.2015 um 18:55 Uhr wirklich standardmäßig eingeblendet wurde.
Kaum Kontrollmöglichkeiten
Man kann den Titel einer Facebookvorschau lediglich kontrollieren, indem man den Link zu dem Artikel selbst postet ODER in den “Facebook-Debugger” (Entwicklerwerkzeug von Facebook) einfügt.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)
