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Veganes Eis im Faktencheck

Genuss ohne Milch: Verbraucherzentrale NRW hat 53 pflanzliche Eissorten gecheckt und gibt Tipps für vegane Schleckermäuler.

Claudia Spiess,

  • Auch veganes Eis kann zahlreiche Zusatzstoffe und Aromen enthalten
  • Bio-Produkte schneiden häufig besser ab
  • Klimabezogene Werbeaussagen bei Stichprobe nicht nachprüfbar
  • Große Unterschiede beim Fett- und Zuckergehalt

Ob klassisches Vanille- und Schokoladeneis oder exotischere Sorten wie Salzkaramell-Brownie- oder Erdnussbutter-Cookie-Eis: Für viele gehört ein leckeres Eis einfach zum Sommer. Wer eine pflanzliche Variante ohne Milch und Sahne wünscht, findet mittlerweile eine große Auswahl im Supermarkt. Aber wie sind diese Eissorten zusammengesetzt und sind sie weniger klimaschädlich? Die Verbraucherzentrale NRW hat für ihre aktuelle Marktstichprobe etwas genauer hingeschaut und verrät, was wirklich in den bunten Kartons aus dem Tiefkühlfach steckt.

Im März waren die Ernährungsfachleute der Verbraucherzentrale NRW wieder in Supermärkten, Discountern und Biomärkten unterwegs. Insgesamt 53 cremige, vegane Eis-Alternativen kamen unter die Lupe, davon ein Drittel Bioprodukte. Die Expert:innen bewerteten die Zusammensetzung, die Kennzeichnung, Nachhaltigkeitsaussagen und den Preis der Eisprodukte ohne tierische Bestandteile wie Milch oder Sahne.

Zusatzstoffe und Aromen: Bio ist meist besser

Die pflanzlichen Eis-Alternativen beinhalten neben einer Vielzahl verschiedener Zuckerzutaten oft pflanzliche Fette wie Kokosfett und Ersatzzutaten wie Mandeln, Hafer oder Lupinen. Es können zudem bis zu neun Zusatzstoffe und drei Aromen pro Produkt enthalten sein. Ähnlich viele verschiedene Zusatzstoffe können sich auch in Speiseeis mit Milch oder Sahne befinden. „Hier empfiehlt sich ein Blick in die Zutatenliste oder ein Griff zu Bioprodukten, die meist mit weniger Zusatzstoffen und Aromen auskommen“, erklärt Nora Dittrich, Referentin für Ernährung bei der Verbraucherzentrale NRW.

Große Unterschiede beim Zucker- und Fettgehalt

Auch veganes Eis gehört zu den Süßigkeiten. Wer eine aus gesundheitlicher Sicht bessere Wahl treffen möchte, sollte sich die Nährwerttabelle etwas genauer anschauen. Der Marktcheck zeigt große Unterschiede beim Kalorien-, Fett- und Zuckergehalt, sodass sich der Vergleich lohnt. Manches Eis enthält pro 100-Gramm-Portion – das sind etwa ein bis zwei Kugeln Eis – schon rund die Hälfte der für Erwachsene maximal empfohlenen, täglichen Zuckermenge von 50 Gramm. Viele Produkte kommen hier aber auch deutlich besser weg.

Schöne Werbebegriffe statt klarer Informationen

Die Mehrheit der geprüften Produkte wurde gut sichtbar als „vegan“ auf der Vorderseite bezeichnet – aber eben nicht alle. Einige Eisprodukte geben diese Information nur auf der Rückseite der Verpackung oder verwenden rechtlich undefinierte Begriffe wie „plant based“ oder „pflanzlich“. „Für eine bewusste Wahl beim Einkauf sollten nach unserer Ansicht vegane Ersatzprodukte schon auf der Vorderseite die definierte Angabe „vegan“ angeben“, unterstreicht Dittrich. „Außerdem sollte die prozentuale Menge maßgeblicher Ersatzzutaten auf den ersten Blick erkennbar sein.“ Auf vielen Verpackungen werden zwar auf der Vorderseite Ersatzzutaten wie Lupinen oder Kokosmilch angegeben, nur ausnahmsweise wird aber zusätzlich deren Anteil im Produkt ergänzt. So werben manche Firmen zum Beispiel mit einer Mandelbasis, letztlich sind aber nur drei Prozent Mandelmark enthalten – dafür aber viel Kokosfett. Zudem sind Werbeaussagen wie „100 % natürlich“, oder „natürliche Zutaten“ nicht geschützt. Diese Eisprodukte können trotzdem lange Zutatenlisten aufweisen oder zugesetzten Zucker, Zusatzstoffe und Aromen enthalten.

Klimavorteile nicht nachvollziehbar

Wem Umwelt- und Klimaschutz wichtig sind, der liegt bei pflanzlichem Eis in der Regel richtig. Denn durch den Verzicht auf Milch und Sahne können vegane Produkte eine bessere Klimabilanz vorweisen. Schlagworte wie „klimaneutral“ oder „negative CO₂-Bilanz“ sind allerdings nicht hilfreich, wenn die Information fehlt, wie dies erreicht wurde. Ebenfalls im Dunkeln bleibt meist die Herkunft der Zutaten. „Zumindest für die maßgeblichen ersetzenden oder mengenmäßig bedeutenden Zutaten wäre dies nützlich, denn viele Menschen wünschen möglichst kurze Transportwege, wie beispielsweise Soja aus Europa statt aus Übersee. Hier sollten die Hersteller nachbessern“, fordert Dittrich.

Preise schwer vergleichbar

Die Preise für die veganen Eisangebote variieren stark: Das Kilo kostete im Überprüfungszeitraum zwischen 6 und 26 Euro. Umfassende Preisvergleiche waren allerdings nur bei Produkten möglich, die ihre Füllmenge sowohl in Gramm als auch in Millilitern ausweisen. Der Grund: Eis wird durch den oftmals enthaltenen Lufteinschlag cremig, wirkt aber bei einer Füllmengenangabe in Litern preislich günstiger und weniger kalorien-, zucker- oder fettreich als bei einer Gewichtsangabe in Kilogramm.

Das Fazit der Verbraucherschützer: „Ein Blick auf die Nährwerttabelle und Zutatenliste gibt Aufschluss über die konkrete Zusammensetzung“, sagt Nora Dittrich. „Insgesamt ist ein gelegentlicher Eisgenuss im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung aber völlig in Ordnung.“


Factsheet – die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Worum geht es?

Eis ist für viele im Sommer eine leckere Abkühlung. Rund acht Liter Speiseeis essen die Deutschen laut Statistischem Bundesamt pro Jahr und pro Einwohner. Insgesamt wurden 2021 in Deutschland gut 614 Millionen Liter Speiseeis hergestellt. 2019 und 2020 war Deutschland zudem EU-Spitzenreiter bei der Herstellung. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl veganer Eisangebote. Die Verbraucherzentrale NRW hat die rein pflanzlichen Angebote in den Kühlregalen der Supermärkte genauer unter die Lupe genommen.

Was wurde überprüft?

Die Verbraucherzentrale NRW hat insgesamt 53 Becher cremige vegane Eis-Alternativen erfasst, bei denen pflanzliche Zutaten die sonst üblichen Milchbestandteile ersetzen. Die Produkte stammen von 22 unterschiedlichen Herstellern aus Supermärkten, Discountern und Biomärkten. Rund ein Drittel der Marktstichprobe sind Bioprodukte. Die Expert:innen der Verbraucherzentrale NRW haben die Zusammensetzung der Eisprodukte, die Kennzeichnung, Nachhaltigkeitsaussagen und den Preis bewertet.

Wann wurden die Produkte eingekauft?

01. März bis 24. März 2022.

Wer hat geprüft?

Die Lebensmittelexpert:innen der Gruppe Markt und Konsum der Verbraucherzentrale NRW.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Kennzeichnung: Auf den veganen Charakter weist die Mehrheit der geprüften Eisprodukte auf der Vorderseite hin. Neun Eisprodukte geben nur auf der Rückseite der Packung an, dass es sich um veganes Eis handelt. Drei Produkte verwenden den rechtlich undefinierten Begriff „plant based“, bei dem zum Beispiel unklar bleibt, ob die verwendeten Zusatzstoffe, Aromen oder Verarbeitungshilfsstoffe tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind.
  • Zutaten: Anstelle von Milchbestandteilen eingesetzte pflanzliche Zutaten wie Mandeln, Lupinen oder Kokosmilch werden bei mehr als der Hälfte der getesteten veganen Eisprodukte auf der Schauseite angegeben oder bildlich dargestellt. Diese Zutaten sind jedoch mitunter nur in geringen Mengen im Produkt enthalten – dafür zum Teil reichlich Pflanzenfette und -öle.
  • Vergleichbarkeit: Eis kann durch den oftmals enthaltenen Lufteinschlag bei einer Füllmengenangabe in Litern preislich günstiger und weniger kalorien-, zucker- oder fettreich wirken als bei einer Gewichtsangabe in Kilogramm.
  • Nährwerte: Der Kalorien-, Fett- und Zuckergehalt der betrachteten Eisprodukte schwankt stark. Eine Portion von 100 Gramm so manchen Produkts liefert z.B. schon rund die Hälfte der für Erwachsene maximal empfohlenen täglichen Zuckermenge von 50 Gramm. Viele Produkte enthalten aber auch deutlich weniger Zucker.
  • Zusatzstoffe und Aromen: Die geprüften Eisalternativen enthielten in der Spitze bis zu neun Zusatzstoffe und drei Aromen pro Produkt. Im Durchschnitt waren es vier Zusatzstoffe. Das vegane Eis schnitt beim Einsatz von Zusatzstoffen und Aromen somit nicht unbedingt besser ab als Speiseeis-Produkte mit Milch oder Sahne. Ausnahme: Veganes Bio-Eis wies im Mittel weniger Zusatzstoffe und Aromen auf oder kam teilweise auch ganz ohne aus.
  • Herkunft der Rohstoffe: Nur auf zwei veganen Eisprodukten wurde angegeben, dass jeweils der enthaltene Hafer und die verwendeten Lupinen aus Deutschland stammen.
  • Klimabezogene Werbung: Veganes Eis kann im Gegensatz zu Eis mit Sahne und Milch durchaus klimaschonender sein. Einige wenige Produkte im Test werden als „klimaneutral“ bezeichnet bzw. einmal eine „negative CO2-Bilanz“ ausgelobt, es blieb aber unklar, wie das erreicht wird und worauf sich die Angabe konkret bezieht.

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Quelle: Verbraucherzentrale, Weiterführende Infos der Verbraucherzentrale


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