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Hafermilch: Selbstversuch mit traurigen Erkenntnissen!

Vor wenigen Tagen habe ich zum ersten Mal die sogenannte „Hafermilch“ selbstgemacht. Das war zunächst zwar verblüffend einfach, hat jedoch zu einigen Fragen geführt.

Andre Wolf,

Es ist kein Geheimnis: Der Konsum von „Milch“ als Produkt nimmt in Deutschland seit Jahren stetig ab. Demgegenüber steigt der Konsum von Milchalternativen, wie beispielsweise das weitläufig als Hafermilch bezeichnete Alternativprodukt. Laut Statista hat sich bereits 2020 im Vergleich zum Jahr 2018 der Absatz von pflanzlicher Milch im deutschen Lebensmitteleinzelhandel verdoppelt. Diese industriellen Produkte sind jedoch teuer und der jeweilige Geschmack bisweilen gewöhnungsbedürftig. Doch es gibt eine (sehr) günstige Möglichkeit: Milchalternativen selbst produzieren! Das habe ich getan und ein erstaunliches Ergebnis bekommen. Speziell soll es daher im folgenden um die allseits bekannte sogenannte Hafermilch gehen.

Zunächst: Hafermilch ist natürlich keine Milch. Der Begriff „Milch“ ist der tierischen Milch von Kuh, Schaf, Ziege oder gar Pferd vorbehalten. Wir reden insofern von einem Begriff, der im Volksmund so genutzt wird. Offiziell wird Hafermilch daher beispielsweise als Haferdrink angeboten und die produzierenden Firmen sind dazu angehalten, den Begriff „Milch“ zu vermeiden. Wobei ich persönlich immer bei Bezeichnungen wie Haferdrink, Hafergetränk oder ähnlichem vorsichtig bin, die diese in der Marketingsprache oft intransparent sind. Der Einfachheit halber nutze ich deswegen in diesem Artikel den Begriff Hafermilch, da dieser weitläufig verständlich ist.

Hafermilch an sich ist ein recht einfaches Produkt, das aus geschrotetem Hafer und Wasser hauptsächlich besteht. Eigentlich nur aus Wasser, und zwar zu 90 % in der Regel. Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich mich am letzten Wochenende einmal dazu durchgerungen, anhand eines einfachen Rezeptes Hafermilch selbst zu produzieren. Dieses Rezept möchte ich niemandem vorenthalten:

  • 1 L kaltes Wasser
  • 100 g Haferflocken
  • 1 Prise Salz

That’s it, that’s all. Alle drei Zutaten habe ich in einen Mixer gegeben und in etwa zwei bis drei Minuten lang gemixt. Als Zusatztipp kann ich hierzu geben, dass es sinnvoll ist, ein oder zwei Eiswürfel hinzuzugeben. Das bewirkt, dass die Masse aufgrund der Erwärmung, die beim Mixen entsteht, nicht verklebt. Nach dem Mixen habe ich das Ganze durch ein Sieb laufen lassen und fertig. Im Sieb sind die Haferrückstände geblieben, die ich übrigens beim nächsten Frühstück als normales Hafer-Frühstück verwendet habe. Die Flüssigkeit habe ich aufgefangen und somit meinen ersten Liter Hafermilch produziert.

Jetzt stellt sich aber immer die Frage, was ich mit meinem Ersatzprodukt erreichen will und warum ich das überhaupt produziere. Bei Hafermilch ist es wichtig zu wissen, dass sie natürlich auch recht kalorienreich ist und grundsätzlich kein Getränk ist, mit dem man seinen „Durst löscht“. Es geht halt darum, dieses Produkt dort einzusetzen, wo im ursprünglichen Sinne klassische Milch zum Einsatz gekommen ist und ich diese (aus welchen Gründen auch immer) ersetzen möchte. Und bei der Selbstproduktion ist es überdies wichtig, dass ich die Inhaltsstoffe selbst bestimmen und kontrollieren kann, sowie den Preis sehr niedrig halte.

Hafermilch selbstgemacht: Die Kosten!

Und jetzt geht es los. Werfen wir einmal einen Blick auf die entstandenen Kosten. Ich habe 500 g geschroteten Hafer im Einzelhandel gekauft. Diese 500 g haben mich 55 Cent gekostet. Für die Hafermilch habe ich 100 g verwendet, die mich im Grunde also 11 Cent gekostet hätten. Jetzt kommt ein „aber“, denn ich habe die Reste aus dem Sieb ja für das nächste Frühstück wiederverwendet. Insofern steht die Frage im Raum, wie hoch die Kosten bei dem verwendeten Rohstoff wirklich waren.

Weil jedoch nicht alle diese klebrige Masse beim nächsten Frühstück verwenden, gebe ich die Kosten an dieser Stelle einfach mal mit 11 Cent für den Hafer an. Dazu kommt das Wasser. Ein Liter Wasser, speziell in Wien, kostet so gut wie nichts. Im Schnitt können wir die Kosten für einen Liter Wasser mit 0,2 Cent angeben. Es gibt verschiedene Quellen, die geringfügig mehr oder weniger ausweisen ¹ ² ³. Auch die Prise Salz ist im Grunde kaum zu berechnen, sodass ich die 12 Cent pro Liter nicht überschreite.

Zugegeben, mein Produkt ist extrem puristisch geworden. Es ist auch nicht vielseitig einsetzbar, was wir gleich noch genauer betrachten werden. Dennoch habe ich einen Liter Hafermilch produziert, dessen Abfallprodukt ich sogar noch nutzen kann. Sicherlich muss ich am Ende auch noch die Kosten für Strom (naja) und Mixer (Anschaffung) einrechnen, aber gerade der Mixer ist schwer kalkulierbar, da er im Haushalt für alle möglichen Dinge verwendet wird.

Dennoch habe ich an dieser Stelle erstmal ein Produkt für knapp unter 12 Cent. Was kostet dem Gegenüber ein Liter industriell gefertigte Hafermilch? Wir brauchen nur in einen Supermarkt gehen und sehen Preise zwischen 1,80 € und 3 €. Die Redaktion des brand eins Magazins hat zum Thema Hafermilch einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht, in dem auch die Zusammensetzung für ein Produkt der Firma Havelmi zu lesen ist:

Havelmi gibt diese Kosten pro Liter an:
Unverbindliche Preisempfehlung (brutto) 2,99 Euro [100 %]
— Mehrwertsteuer (19 %) 0,48 Euro [16 %]
→ Unverbindliche Preisempfehlung (netto) 2,51 Euro
— Handelsspanne und Logistik 1,00 Euro [33,4 %]
→ Abgabepreis ab Werk 1,51 Euro
— Rohstoffe 0,31 Euro [10,4 %]
— Verpackung Einweg (Deckel, Etikett) 0,07 Euro [2,3 %]
— Verpackung Mehrweg (Flasche, Kiste) 0,20 Euro [6,7 %]
— Herstellungskosten (Gas, Wasser, Strom) 0,10 Euro [3,3 %]
— Personalaufwand 0,37 Euro [12,4 %]
— Sachaufwand 0,41 Euro [13,7 %]
— Marge 0,05 Euro [1,7 %]

Quelle: brand eins

Aus der Übersicht heraus erkennen wir, dass natürlich verschiedene Faktoren für den hohen Preis verantwortlich sind. Dennoch haben wir einen eklatanten Unterschied zwischen meinen nicht ganz 12 Cent und den 2,99 € aus dem industriellen Produkt. Wir müssen bei diesem Preisunterschied jedoch fair an die Sache gehen. Denn da kommen wir zu den großen Problemen meiner selbst hergestellten Hafermilch: der Geschmack, die Einsatzmöglichkeiten, die Haltbarkeit.

Der Purismus hat seinen Preis!

Geschmacklich hinkt mein puristisches Produkt der industriellen Hafermilch hinterher. Das ist einerseits so gewollt, da ich kein Zucker oder andere Zutaten hinzugefügt habe, andererseits schmeckt mein Produkt dadurch kaum. Sicherlich ist es ein Vorteil, dass ich die Zutaten meines Produkts selbst bestimmen kann. Damit habe ich die volle Kontrolle über meine Hafermilch und nehme keinen versteckten Zucker oder ungewollte Zutaten zu mir.

Um nun dieses fehlende Geschmackserlebnis auszugleichen, habe ich jedoch eine große Menge an Zutaten zur Verfügung, die ich mitmixen kann. Und das bleibt uns allen am Ende selbst überlassen. Ob ich Datteln (sehr beliebt) vermenge, Honig, Zucker oder Gewürze einfließen lasse, obliegt allein mir und meinem Geschmack. Ich habe viele Möglichkeiten. Dadurch verändert sich jedoch auch wieder der Preis und der Nährwert.

Meine puristische Hafermilch hat auch die Grenzen ihre Einsatzfähigkeit recht schnell gezeigt. Ich habe sie ganz naiv beispielsweise als Milchersatz in meinen Kaffee hinzugefügt. Das funktioniert logischerweise überhaupt nicht, da meine Hafermilch mit dem Kaffee keine homogene Masse bildet. Meine wesentlich schwerere Hafermilch setzt sich am Boden des Kaffees ab. Um mein Haferprodukt für den Kaffee zu optimieren, müsste ich von vornherein eine „Barista-Hafermilch“ herstellen, die wiederum etwas komplexer in der Produktion ist. Hierbei reicht ein einfaches Sieb nicht, sondern ich muss schon wesentlich stärker filtern (mit einem Handtuch zum Beispiel). Auch der Einsatz eines Emulgators wie Lecithin wäre sinnvoll.

Und nun stehen wir vor einem dritten Problem. Und zwar vor dem Problem der Haltbarkeit. Meine puristische Hafermilch ist nicht sehr lange haltbar, im Allgemeinen lese ich in verschiedenen Online-Quellen, dass ich dieses Produkt innerhalb von drei Tagen verbrauchen sollte. Bei der Barista Hafermilch ist das recht ähnlich. Ich kann die Haltbarkeit verlängern, indem ich das Produkt aufkoche und heiß abfülle. Die Keime werden dabei getötet und ich kann daher auf Vorrat meine Milchalternative zubereiten.

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Hafermilch selbstgemacht? Meine traurigen Erkenntnisse!

Mein Antrieb für die Selbstproduktion einer Milchalternative liegen auf der Hand: Ich möchte grundsätzlich Produkte nutzen, deren Inhalte ich selbst kontrollieren kann. Ich möchte überdies Produkte nutzen, die nachhaltig sind. Am Ende möchte ich auch den Preis niedrig halten können. Die fertigen Produkte, da kann man hin und her rechnen und schön- oder schlechtreden, haben natürlich zusätzlich einen Preisaufschlag, weil sie eine Art Kult-, Szene- oder In-Produkt darstellen.

Dennoch war ich fassungslos, mit wie wenig Material- und Arbeitseinsatz ich eine puristische Alternative herstellen konnte, die sogar in gewissem Rahmen einsetzbar ist. Wer wie ich mit dem fehlenden Geschmack bei der Hafermilch klarkommt, spart eine Menge Geld ein. Auch der absolut geringe Produktionsaufwand ist erstaunlich und steht kaum in Relation zu dem Preis der industriellen Produkte. Die anderen traurigen Erkenntnisse liegen jedoch darin, dass eben der Geschmack fehlt. Geschmack, Einsatzfähigkeit und Haltbarkeit sind letztendlich nicht zu unterschätzende Faktoren. Dennoch ist für mich in Zukunft klar, dass ich experimentieren und meine persönlichen Fähigkeiten dementsprechend auch erweitern werde und auf die wirklich günstigeren selbst gemachten Produkte zurückgreife.

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