Diejenigen, die hinter diesen betrügerischen Beiträgen stehen, nutzen das Mitgefühl und die Sorge der Menschen für vermisste Kinder aus. Sie posten Fotos und Geschichten von angeblich entführten Kindern und versprechen, dass weitere Informationen oder sogar ein Video zu den Vorfällen verfügbar sind. Da die Orte, an denen die Entführungen stattgefunden haben sollen, variabel eingesetzt werden, wird auch noch ein örtlicher Zusammenhang für Nutzer greifbar. Meldungen zum eigenen Heimatort wirken teilweise wie ein Magnet. Man möchte natürlich wissen, was geschehen ist. Mit diesen Emotionen spielen die Betrüger und versuchen Nutzer so, in ihre Falle zu locken.

Doch Vorsicht ist geboten! Klicken Sie niemals vorschnell auf solche Links, da sie zu gefälschten Login-Seiten führen können, über die Ihre persönlichen Login-Daten abgegriffen werden.

Echtes Foto für Betrug missbraucht

In einer aktuellen „Vermisstenmeldung“ auf Facebook wird das Foto eines Mädchens verwendet, das „Kathrin Duerr“ heißen, 14 Jahre alt sein und aus Rheine stammen soll.

MIMIKAMA
Screenshot Facebook / Juli 2023

Doch dieses Bild gilt als schockierendes Beispiel für die Hinterhältigkeit dieser betrügerischen Beiträge. Das Mädchen auf dem Foto heißt in Wirklichkeit Cassandra Kozlowski und wurde in Wisconsin, USA, Anfang 2021 tatsächlich als vermisst gemeldet. Das Foto des Mädchens wurde von den Betrügern verwendet, um damit möglicherweise die Glaubwürdigkeit des Posts zu erhöhen. Sie missbrauchen es für ihre eigenen Zwecke, um ahnungslose Nutzer in ihre Falle zu locken.

Glücklicherweise tauchte das Mädchen wieder auf und wurde in Sicherheit gebracht, wie das Stevens Point Police Department im Januar 2021 auf Facebook berichtete:

MIMIKAMA
Screenshot Facebook / Stevens Point Police Department

Verbreitung der Falschmeldungen

Nutzer, die solche Statusbeiträge veröffentlichen, wurden, zu einer hohen Wahrscheinlichkeit, selbst Opfer einer Phishing-Falle und haben in Wirklichkeit keine Verbindung zum angeblich entführten Kind oder der betrügerischen Falle.

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Was passiert bei Klick auf den Link?

Hinter den Links in den gefälschten Nachrichten befinden sich Malware oder Phishing-Seiten, die darauf abzielen, persönliche Daten oder Zugangsdaten abzugreifen. Klickt man auf den Beitrag, erscheint die Falle in einem Popup:

Screenshot gefälschtes Facebook-Login
Screenshot gefälschtes Facebook-Login

Gibt man hier seine Benutzerdaten ein, spielt man diese den Betrügern hinter der gefälschten Seite in die Hände. Diese haben damit vollen Zugriff auf das Facebook-Konto. Damit können sie auch auf Seiten oder Gruppen zugreifen, die man selbst betreibt oder in denen man Admin-Rechte besitzt.

Wie kann man sich schützen?

  1. Seien Sie skeptisch: Nehmen Sie nicht jede Geschichte für bare Münze und überprüfen Sie die Glaubwürdigkeit von Beiträgen, insbesondere wenn sie Fotos von vermissten Kindern enthalten. Recherchieren Sie unabhängig nach Informationen, bevor Sie auf Links klicken. In diesem Fall gab eine Bilderrückwärtssuche Aufschluss über die Herkunft des Fotos.
  2. Achten Sie auf verdächtige URLs: Überprüfen Sie sorgfältig die Webadresse, bevor Sie Ihre Logindaten eingeben. Falsche oder gefälschte URLs können Hinweise auf betrügerische Absichten geben. Stellen Sie sicher, dass Sie sich auf der offiziellen Facebook-Website befinden, indem Sie die URL manuell eingeben oder über eine vertrauenswürdige Quelle darauf zugreifen.
  3. Nutzen Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung: Aktivieren Sie diesen zusätzlichen Sicherheitsfaktor, um Ihr Facebook-Konto besser zu schützen. Sie erhalten auch eine Nachricht, wenn jemand versucht, sich von einem unbekannten Gerät aus anzumelden.
  4. Melden Sie betrügerische Beiträge: Wenn Sie auf verdächtige Beiträge stoßen, melden Sie sie sofort bei Facebook. Dadurch tragen Sie dazu bei, dass solche Inhalte entfernt werden und andere Nutzer gewarnt sind.
  5. Machen Sie Ihre Facebook-Freunde aufmerksam: Postet jemand aus Ihrer Freundesliste eine solche Meldung, sollten die Alarmglocken schrillen. Kontaktieren Sie die Person und machen Sie sie darauf aufmerksam. Betroffene sollten schnellstmöglich ihre Facebook-Logindaten ändern.
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Fazit

Bei Beiträgen über vermisste Kinder sollte man vorsichtig sein. Hinter den erschreckenden Meldungen stecken leider oft auch Betrüger. Vor allem, wenn das Geschehnis den eigenen Heimatort betrifft, wirkt der Köder nochmal so stark. Hier kann man auch auf den Webseiten der Polizei überprüfen, ob eine Fahndung oder Vermisstenmeldung zu finden ist.

Stößt man auf Facebook auf eine solche Meldung, sollte man also skeptisch sein. Öffnet sich ein Login-Fenster, sollte man seine Daten nicht eingeben!

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)