Vor vielen, vielen Jahren (es dürften genau 3 gewesen sein) habe ich mich noch darüber beschwert, warum Menschen „Hochkantvideos“ auf Facebook veröffentlichen.
Hochkantvideos, also vertical Videos, sieht man immer häufiger auf Social Media. In meinem letzten Artikel habe ich noch ein wenig geschimpft und darum gebeten, doch bitte das Smartphone für Videos horizontal zu nutzen (siehe hier). Früher waren diese Videos unter dem Begriff „vertical video syndrom“ verschrien.
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Beim Stand von 2016 dürfte das wohl auch gar nicht so verkehrt gewesen sein, mit der Brille von 2019 und drei Jahren Entwicklung im Bereich Social Media sehe ich jedoch nun vieles anders. Vertical Video ist nicht einfach nur noch ein kleiner, provokativer Trend oder irgendeine nervige Unachtsamkeit von Social Media Nutzern, sondern es ist das aktuell „korrekte“ Social Media Format. Ich will erklären, wie ich zu dieser Schlussfolgerung komme.
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Man muss hochkant filmen!
Das ist meine These, die auf einer ganz wichtigen Erkenntnis basiert: Mindestens 2/3 alles Social Media NutzerInnen sind mit dem Smartphone unterwegs. Mindestens! Auf dem Blog der Wirtschaftswoche erfährt man in einem Artikel, dass der Anteil mobiler Endgeräte 2018 auf Social Media bei knapp 80% liegt.
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Die native Haltung eines Smartphones ist entsprechend hochkant. Ergo: 4 von 5 NutzerInnen halten das Smartphone beim Konsumieren aufrecht in der Hand. Zu meiner Ehrenrettung des Artikels aus dem Jahr 2016: Das war damals noch nicht der Fall, der Anteil von mobilen Endgeräten lag erst im September 2016 erstmals über dem Anteil von Desktop-Nutzern (vergleiche).
Sicher, ein Hauptkritikpunkt wird immer bleiben: Unsere Augen sind horizontal angeordnet, entsprechend nehmen wir auch horizontal mehr wahr. Was bringt das jedoch, wenn unser Tor zur Welt, in diesem Falle das Smartphone, eben nicht primär horizontal gehalten wird, da es anatomisch bedingt vertikal besser in der Hand liegt?
Entsprechend sind auch die Apps ausgelegt, die bei vertical video platzoptimiert abgespielt werden. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Die seit Jahren in Beliebtheit und Nutzerzahlen wachsende Plattform Instagram (vergleiche) ist komplett auf Mobilnutzung ausgelegt. Die Fotos sind in quadratform optimal, die Instagram Stories sogar auf vertikale Inhalte optimiert. Wer hier noch horizontal denkt, sollte dringend das eigene Storytelling überarbeiten.
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Aber auch auf Facebook und sogar auf Twitter bekommen vertikale Inhalte zunehmend mehr Platz und entsprechend mehr Aufmerksamkeit. Auf dem Smartphone bekommen vertikale Bilder wesentlich mehr Platz als horizontale Bilder, in der Desktopversion werden sie zu quadratischen Vorschauen, die DENNOCH mehr Platz als ihre horizontalen Geschwister bekommen.
Beispiel: Ein über die Twitter-App aufgenommenes vertikales Bild bekommt in seiner Quadraturform 520*520 Bildpunkte geschenkt. Das horizontale Referenzbild lediglich 217*520 Bildpunkte (siehe hier).
Doch wir wollen uns nicht zu sehr in technische Details verwickeln, da diese Tendenz auf allen gängigen Social Media Plattformen zu erkennen ist. Man bemerkt also schon recht deutlich, wie sehr Social Media Plattformen vertikale Inhalte bevorzugen.
„Alte“ vs. „neue“ Medien
Und wieder ist es ein Generationenkonflikt: alte visuelle Medien waren nicht mobil. Sie mussten nicht getragen werden, hatten ihren festen Platz. Entsprechend waren sie unserem Sichtfeld angepasst und entsprechend horizontal. Gibt man nun vertikale Inhalte auf horizontalen Projektionsflächen wider, wirkt das natürlich befremdlich und alles andere als „richtig“.
Doch genau an dieser Stelle liegt der Fehler, denn vertikale Bildinhalte sind für vertikale Abspielgeräte gedacht, also für die Mehrzahl der Internetnutzer.
Wo stehe ich selbst?
Diese Frage müssen sich all jene stellen, die Hochkantvideos auf Social Media kritisieren. Diese NutzerInnen könnten entsprechend der Minderheit von um die 20% angehören, die ein unoptimiertes Video sehen, da sie einer immer kleiner werdenden Nutzergruppe angehören. Die überwältigende Mehrheit auf Social Media hingegen sieht ein optimal dargestelltes Video.
Was sich jedoch anpassen muss, und das war bereits 2016 so und gilt auch heute noch, ist das entsprechende Storytelling auf Hochkantbildern und Videos, denn dieses sollte entsprechend vertikal verlaufen.
Was als nächstes kommt, wissen auch wir nicht. Wir wissen jedoch, dass neue Formate immer mit einer Skepsis kämpfen müssen, bevor sie zu einer Selbstverständlichkeit werden können. Ich für meinen Teil habe gelernt: Ich optimiere meine Aufnahmen mittlerweile für meine Zielgruppe. Irgendwer wird am Ende eh immer meckern.
Artikelbild: von meatbull / Shutterstock.com
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