In Wien-Meidling sorgte ein Wahlplakat der sogenannten „Liste STRACHE“ für Aufsehen. Es zeigte patriotische Botschaften in altdeutscher Schrift und mit nationalkonservativer Symbolik. Viele hielten es für Wahlwerbung von Heinz-Christian Strache.
In einem Mimikama-Artikel vom 4. April 2025 wurde die „Liste STRACHE“ als künstlerische Provokation ohne reale Parteikandidatur beschrieben. Diese Einschätzung beruhte auf dem damaligen Informationsstand und der öffentlich sichtbaren Inszenierung. Nach weiterführenden Hinweisen der Gruppe stahlglatt & blumenweich haben wir die Darstellung überprüft und erweitert, denn die Aktion ist zugleich realer Wahlantritt und performative Kommunikationsstrategie.
Die Fakten: Provokation mit Wahlliste und realer Kandidatur
Die „Liste STRACHE“ ist eine seit 1986 eingetragene Partei, die bei der Bezirksvertretungswahl in Wien-Meidling tatsächlich auf dem Stimmzettel stand.
Getragen wird sie von der Künstlergruppe stahlglatt & blumenweich, die politische Kommunikation mit künstlerisch-performativen Mitteln hinterfragt.
Die Aktion kombiniert reale Wahlteilnahme mit bewusst inszenierter Verwirrung: Rechte Ästhetik, Sprache und Symbolik werden überhöht übernommen, um ihre Wirkung und ihre Missbrauchsanfälligkeit sichtbar zu machen.
Wer steckt hinter der „Liste STRACHE“?
Die Gruppe stahlglatt & blumenweich versteht sich als projektbezogene working-unit – ein loser Zusammenschluss aus Personen aus Kunst, Wissenschaft, Aktivismus und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Sie tritt nur projektbezogen öffentlich auf, arbeitet mit Aktionskunst, unsichtbarem Theater (nach Augusto Boal) und Kommunikationsguerilla.
Bekannt wurden frühere Aktionen wie der „Österreichertest“ (2010/2015) oder das Wohnprojekt „Happy Homes“ (2017). Mit der „Liste STRACHE“ verfolgt die Gruppe das Ziel, autoritäre Rhetorik nicht von außen zu kritisieren, sondern durch strategische Überaffirmation von innen ad absurdum zu führen.
Mehr zur Aktion: https://stahlglatt.net/projekte/flood-the-zone-with-shit/
Keine Verbindung zu HC-Strache
Die „Liste STRACHE“ steht in keinerlei Verbindung zur Partei „Team HC Strache – Allianz für Österreich“, die ebenfalls in Wien kandidiert hat. Der Name ist bewusst gewählt, um öffentliche Wahrnehmung zu irritieren und die Mechanismen politischer Wiedererkennbarkeit infrage zu stellen, nicht um HC-Strache zu unterstützen.
Was wir geändert haben – und warum
Wir haben unseren ursprünglichen Artikel vom 4. April 2025 umfassend überarbeitet:
- Die reale Kandidatur der „Liste STRACHE“ wird nun korrekt dargestellt
- Begriffe wie „Fake“ oder „Satire“ wurden entfernt
- Der künstlerisch-politische Kontext wurde erläutert und eingeordnet
- Ein redaktioneller Hinweis klärt transparent über die Korrektur auf
Warum das relevant ist
Der Fall zeigt, wie verschwommen die Grenzen zwischen Politik, Kunst und öffentlicher Kommunikation heute sein können. Die „Liste STRACHE“ ist kein Witz, keine Parodie, sondern eine gezielte künstlerische Intervention, die aufzeigt, wie leicht Sprache, Bildsprache und Symbolik im politischen Raum manipulierbar sind.
Das Projekt zwingt zur Auseinandersetzung mit der Frage, wem wir glauben und warum.
Fazit
Die „Liste STRACHE“ ist keine Fake-Liste, sondern eine reale Wahlliste mit einer künstlerisch-politischen Strategie. Sie nutzt bewusste Verwirrung, Überaffirmation und mediale Irritation, um autoritäre Kommunikationsformen sichtbar zu machen – und mit ihnen abzurechnen.
Und sie zeigt: In einer durchinszenierten politischen Öffentlichkeit braucht es manchmal radikale Formen der Gegenrede, selbst auf dem Stimmzettel.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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