Die Behauptung
Auf einer angeblichen Website der Bundeswehr wird die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die Rekrutierung von 500.000 Soldaten bis Mai 2025 für einen „Militäreinsatz in Osteuropa“ angekündigt.
Falsch
Die Behauptung ist falsch. Die Webseite ist eine Fälschung, wie sowohl Designfehler als auch technische Details belegen. Das Verteidigungsministerium plant kein neues Wehrpflichtgesetz, sondern lediglich einen freiwilligen „Neuen Wehrdienst“.
Kurzer Überblick über die Fakten:
- Gefälschte Webseite: Die fragliche Seite weist zahlreiche gestalterische und inhaltliche Mängel auf und wurde nachweislich am 19. November 2024 mit WordPress erstellt.
- Kein Wehrpflichtgesetz: Der aktuelle Gesetzesentwurf zum „Neuen Wehrdienst“ sieht keine allgemeine Wehrpflicht vor.
- Falsche Zahlen: Die Bundeswehr plant einen langfristigen Aufwuchs auf 460.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2031 und nicht bis Mai 2025.
Analyse der Website
Die angebliche Webseite www.wehrpflicht2025.de (hier archiviert) war in Design und Inhalt auffallend unprofessionell:
- Logos von schlechter Qualität und falsche Schriftart
- Fehlende Dropdown-Menüs und fehlerhafte Links
Die technische Analyse ergab, dass die Seite erst am 19. November 2024 registriert wurde.
Zudem führten alle Links auf der gefälschten Seite auf die offizielle Karriereseite der Bundeswehr – ein weiteres Indiz für die Unechtheit. Eine Sprecherin der Bundeswehr bestätigte, dass Maßnahmen zur Abschaltung eingeleitet wurden. (Hinweis: Die Seite ist seit dem 3.12.2024 nicht mehr online.)
Was plant das Verteidigungsministerium wirklich?
Im Juni 2024 legte Verteidigungsminister Boris Pistorius einen Gesetzentwurf für den „Neuen Wehrdienst“ vor, der nicht mit der Wehrpflicht verwechselt werden darf. Die wichtigsten Punkte:
- Keine Wehrpflicht
- Einführung eines Fragebogens zur Feststellung der Wehrbereitschaft
- Ziel: langfristig 5.000 Freiwillige pro Jahr
Auch die kursierende Zahl 500.000 Soldaten bis Mai 2025 entbehrt jeder Grundlage. Pistorius erklärte im Juni, Deutschland strebe bis 2031 eine Gesamtstärke von 460.000 Soldaten an – nicht von heute auf morgen, sondern in einem Stufenplan.
Wer verbreitet die Falschmeldung?
Die gefälschte Webseite wurde von einer bekannten Telegram-Aktivistin geteilt, die bereits mehrfach durch pro-russische Desinformation aufgefallen ist. Sie kommentierte, Deutschland bereite sich offiziell auf einen Krieg vor. Sie äußerte sich trotz Anfrage seitens Correctiv nicht zu den Vorwürfen.
Weitere Nutzer haben das Thema aufgegriffen – hier eine kleine Auswahl:
Fazit zur angeblichen „Wehrpflicht 2025“
Die Website und die Behauptung sind eine bewusste Fälschung. Das Verteidigungsministerium plant kein neues Wehrpflichtgesetz. Stattdessen handelt es sich um eine Desinformation, die durch ungenaue Zahlen und technische Mängel leicht widerlegt werden kann.
Was tun bei solchen Behauptungen?
Bleiben Sie wachsam gegenüber solchen Nachrichten, insbesondere wenn sie über Plattformen wie Telegram, X (ehemals Twitter) oder TikTok verbreitet werden. Faktenchecks wie dieser helfen, Desinformation zu erkennen und richtig einzuordnen. Geben Sie verifizierte Informationen weiter, um weitere Verwirrung zu vermeiden.
Quelle: Correctiv
Das CORRECTIV-Team hinter der Recherche: Paulina Thom, redigiert durch Viktor Marinov, Max Bernhard
Dies ist eine Recherche des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Das Redaktionsteam steht für investigativen Journalismus und recherchiert zu strukturellen Missständen in der Gesellschaft. Mehr unter CORRECTIV | Recherchen für die Gesellschaft
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