Weltvegetariertag & Framing: Isst du „noch“ Fleisch?

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Herzlich willkommen im Oktober, herzlich willkommen zum Weltvegetariertag. Augenscheinlich gibt es für fast alles mittlerweile einen Tag.

Nachdem Billie Joe Armstrong gestern Abend endgültig aufgewacht sein sollte, wird er heute auf dem Kalender wohl den Begriff Weltvegetariertag lesen können. Zumindest wenn er einen deutschsprachigen Kalender hat, auf Englisch lautet dieser Tag World Vegetarian Day.

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Auf Social Media sprang mir als Autor dieses Textes heute am Morgen auf Facebook in einem Posting des WDR Lokalzeit OWL die Information entgegen, dass heute der Weltvegetariertag ist. Nach kurzem informativen Googeln fand ich heraus, dass sogar der gesamte Oktober als World Vegetarian Awareness Month gilt. Und dass bereits seit 1977 Aha.

Doch zurück zum Posting des WDR OWL. Darin ist zu lesen, dass mittlerweile 6,5 Millionen Menschen in Deutschland sich vegetarisch ernähren und die Tendenz steigen sei. Das ist soweit nicht weiter unspektakulär, spannend ist jedoch die Aufschrift des dazugehörigen Sharepics, dort liest man:

Heute ist Weltvegetariertag: Esst ihr noch Fleisch? Dieses Sharepic ist insofern spannend, da es tatsächlich ein kleines Framing enthält.

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Framing zum Weltvegetariertag

Das Posting zeigt tatsächlich seine Wirkung. Das liegt nicht etwa daran, dass Menschen den Weltvegetariertag hassen würden, sondern daran, dass ein kleines bestimmtes Wörtchen in dieser Frage eingebaut ist. Die Frage lautet: Esst ihr „noch“ Fleisch.

Dieses „noch“ ist das Zünglein an der Waage, welches einen bestimmten Bedeutungsrahmen erschafft. Und da sind wir beim Framing angekommen. Framing bedeutet unter anderem, dass man mit Worten und Ausdrücken ein Bild in den Köpfen der Leserinnen und Leser erschafft. Also einen sogenannten Bedeutungsrahmen, der direkt eine Meinung oder ein Gefühl zu einem Thema hervorruft.

In diesem Fall ist es die provokative Frage „Esst ihr noch Fleisch“, die eine unausgesprochene Frage mit sich zieht, nämlich die Frage „“Wie lange denn noch?“. Und es ist genau diese ungestellte Frage, die viele Menschen dazu veranlasst, negativ auf dieses Posting zu kommentieren, aber auch natürlich dazu provoziert, überhaupt auf dieses Posting zu reagieren.

Zum Vergleich: Die Frage „Esst ihr Fleisch?“ klingt bereits harmloser, legt den Bedeutungsrahmen jedoch weiterhin auf fleischverzehrende Menschen und spricht diese an. Die Frage nach „Wer ernährt sich vegetarisch?“ legt Bedeutungsrahmen und Kontext wiederum auf die Zielgruppe der Vegetarier.

Man kann an diesem (im Grunde harmlosen) Beispiel zum Weltvegetariertag jedoch erkennen, wie sehr man mit Worten und Ausdrücken spielen kann und Menschen somit zu Reaktionen bewegt.

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Der (wieder einmal) hinkende Vergleich von Corona und Influenza. Auf zwei verbreiteten Sharepics wird COVID-19 mit Influenza verglichen. Mehr dazu HIER.

Artikelbild „Weltvegetariertag“ von IriGri / Shutterstock.com


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