Im Zusammenhang mit dem vereitelten Anschlag auf die Wiener Pride-Parade rücken laut Berichten des Standard soziale Medien, wie TikTok, als Plattformen für die Radikalisierung junger Menschen erneut ins Rampenlicht. Doch wie weit reicht der Einfluss dieser Plattformen tatsächlich?
Soziale Medien als Waffen der Radikalisierung
Terrorismus-Experte Nicolas Stockhammer von der Donau-Universität Krems hebt hervor, dass die beteiligten jungen Männer höchstwahrscheinlich nicht über versteckte Foren im Darknet, sondern über gängige soziale Medien radikalisiert wurden. Fast 80 Prozent der Personen, die sich radikalisieren, tun dies über Internet- und Social-Media-Plattformen wie TikTok und Twitch.
Die Herausforderungen der Ermittlungsarbeit
Omar Hajawi-Pirchner, Leiter der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), betont, dass im Zuge der Ermittlungen umfangreiche Daten gesichert wurden. Die Auswertung dieser Daten werde jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen. Er betonte auch die Notwendigkeit zusätzlicher Befugnisse, um die Kommunikation im Vorfeld einer möglichen Bedrohung besser überwachen zu können.
Veränderungen in der Rekrutierungslandschaft
Peter R. Neumann, Extremismusforscher am King’s College in London, stellt fest, dass sich die Rekrutierung potenzieller Extremisten verändert hat. Trotz des Rückgangs von Radikalisierungsnetzwerken spiele das Internet, insbesondere TikTok, eine immer wichtigere Rolle in diesem Prozess.
Die Rolle von TikTok und anderen Plattformen
TikTok, eine besonders bei Jugendlichen beliebte Video-App, unterscheidet sich von anderen Social-Media-Plattformen. Ihr Algorithmus entscheidet auf Basis des bisherigen Nutzerverhaltens, welche Inhalte den Usern präsentiert werden. Ende 2021 kritisierten Experten gegenüber dem Standard, dass die App bei geschickter Nutzung extremistischen und radikalen Inhalten eine Plattform bieten könnte.
Auswirkungen und Gegenmaßnahmen
Trotz der Kritik habe TikTok noch nicht genug getan, um diese Probleme anzugehen, so Neumann. Auch der Staat tue sich schwer, wirksame Gegenmaßnahmen zu Hasspredigern zu entwickeln.
Dieses Problem beschränkt sich nicht nur auf TikTok
Die Dokumentationsstelle politischer Islam veröffentlichte im März 2023 eine Publikation mit dem Titel „Jung, hip, islamistisch“. Darin werden die Aktivitäten islamistischer Influencer beschrieben, die ein modernes Image kultivieren und aktuelle gesellschaftliche Themen im Sinne eines islamistischen Verständnisses umdeuten.
Die Herausforderung bleibt: Wie kann die Radikalisierung junger Menschen durch soziale Medien wirksam bekämpft und gleichzeitig die Freiheit des Internets und der sozialen Medien gewahrt werden? Diese Frage wird in den kommenden Jahren sicherlich weiter diskutiert und erforscht werden.
Wir bei Mimikama und die Doppelrolle der sozialen Medien in der Radikalisierung
Als Organisation, die sich der Aufklärung über Internetbetrug, Falschinformationen und Medienkompetenz widmet, sehen wir die ambivalente Rolle, die Plattformen wie TikTok bei der Radikalisierung spielen können.
TikTok: Eine Plattform für Kreativität und Bedrohungen
TikTok wurde ursprünglich als kreatives und unterhaltsames Medium entwickelt, kann aber bei unsachgemäßer Nutzung zu einem mächtigen Werkzeug für die Verbreitung radikaler Ideologien werden. Besonders beunruhigend ist, dass der TikTok-Algorithmus, der auf personalisierten Inhalten basiert, ungewollt auch radikale Inhalte fördern kann. Die genaue Funktionsweise dieses Algorithmus bleibt jedoch weitgehend im Dunkeln, was die Entwicklung wirksamer Präventionsmaßnahmen erschwert.
Die Herausforderung der Kontrolle und Regulierung
Die Kontrolle und Regulierung von Inhalten in sozialen Medien ist eine komplexe Aufgabe. Es ist also entscheidend, das richtige Gleichgewicht zu finden. Einerseits muss die Meinungsfreiheit gewahrt werden, andererseits ist es wichtig, die Verbreitung schädlicher oder radikalisierender Inhalte einzuschränken.
Bildung und Bewusstsein als Schlüssel
Wir glauben, dass Aufklärung und Bewusstseinsbildung in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung sind. Junge Menschen müssen besser darüber informiert werden, wie sie sich sicher im Internet bewegen und potenziell schädliche Inhalte erkennen können. Sie sollten auch ermutigt werden, kritisch zu denken und Informationen aus verschiedenen Quellen zu überprüfen, bevor sie sie als wahr akzeptieren.
Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Social-Media-Plattformen
Wir betonen die Notwendigkeit einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Social-Media-Plattformen. Es ist wichtig, dass diese Unternehmen ihre Verantwortung anerkennen und aktiv Maßnahmen ergreifen, um die Verbreitung radikalisierender Inhalte zu verhindern. Gleichzeitig müssen Regierungen einen rechtlichen Rahmen schaffen, der diese Unternehmen zur Rechenschaft zieht und gleichzeitig die Rechte der Nutzer schützt.
Hinweis: Beratungsstelle Extremismus
Die Beratungsstelle Extremismus ist eine österreichweite Anlaufstelle.
Sie hilft, wenn Angehörige, SozialarbeiterInnen, LehrerInnen oder andere Personen sich Sorgen machen, dass sich jemand aus ihrem Umfeld einer extremistischen Gruppierung angeschlossen haben könnte. Sie erhalten Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Extremismus (politischer und religiös begründeter Extremismus wie Rechtsextremismus oder Dschihadismus, Verschwörungstheorien, fundamentalistische Gruppierungen etc.
Sie machen sich Sorgen um Ihr Kind?
Extreme ausprobieren, aggressives Verhalten, Lügen, Rebellion gegen die Eltern – das können ganz normale Verhaltensweisen von Jugendlichen in der Pubertät sein. Aber wann wird es gefährlich?
Die Beratungsstelle bietet eine Helpline, persönliche Beratung, fachliche Expertise und Fortbildungen an. Die Beratung ist anonym, vertraulich und kostenlos.
Quelle:
- Der Standard
- Ö1-Morgenjournal
- Dokumentationsstelle des Politischen Islam
- Bundesministerium für Inneres
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