Die Behauptung
Ein Video zeigt, wie Chinas Präsident Xi Jinping die USA und Israel als „so gefährlich wie die Pest“ bezeichnet. Beide Staaten müssten atomar entwaffnet werden, um einen Dritten Weltkrieg zu verhindern.
Aufgestellt von: Beiträge in sozialen Netzwerken (auf Spanisch dokumentiert von Maldita.es)
Faktencheck: Falsch
Das Video ist ein Ausschnitt aus der Silvesteransprache von Xi Jinping vom 31. Dezember 2025. Darin geht es um Taiwan, nicht um die USA oder Israel. Einen Beleg, dass Xi die Sätze bei einer anderen Gelegenheit gesagt hat, wurde nicht gefunden.
In dem Video spricht Chinas Präsident Xi Jinping. Er spricht Chinesisch, und das verstehen bei uns die wenigsten. Also verlassen sich die meisten auf den Text, der neben dem Video steht. Genau dort steckt die Fälschung – nicht im Video selbst.
Aufgedeckt hat sie Maldita.es, eine Faktencheck-Seite aus Spanien. Wir haben ihre Angaben selbst nachgeprüft.
Bekannt ist das falsche Zitat bisher auf Spanisch. Auf Deutsch ist uns noch kein solcher Beitrag aufgefallen. Warum greifen wir es trotzdem auf? Weil so ein Text in Sekunden übersetzt ist, und das Video bleibt dabei dasselbe. Wer den Fall jetzt kennt, erkennt ihn wieder, falls er bei uns auftaucht. Und der Trick dahinter funktioniert nicht nur bei Xi, sondern bei jedem Video, in dem jemand eine fremde Sprache spricht.
Was sagt Xi in dem Video wirklich?
Das Video ist ein kurzer Ausschnitt aus einer Rede. Xi wendet sich jedes Jahr zu Silvester mit einer Ansprache an sein Land. Diese hier stammt vom 31. Dezember 2025. Sie lief im chinesischen Fernsehen und im Internet.
In dem Ausschnitt geht es um Taiwan. Taiwan ist eine Insel vor der Küste Chinas mit einer eigenen Regierung. China sieht die Insel aber als Teil des eigenen Landes. Xi sagt sinngemäß: Die Menschen in China und auf Taiwan gehören zusammen, und die Vereinigung lässt sich nicht aufhalten.
Die ganze Rede steht im Internet, auf Chinesisch und auf Englisch. Veröffentlicht hat sie das chinesische Außenministerium, also das Amt für die Beziehungen zu anderen Ländern. Wir haben sie von Anfang bis Ende gelesen. Die USA, Israel und Atomwaffen kommen darin kein einziges Mal vor. Nur an einer Stelle spricht Xi allgemein über die Welt: In manchen Gegenden gebe es Krieg. Ein Land nennt er dabei nicht.
Warum taucht das Video gerade jetzt auf?
Die Rede ist also schon neun Monate alt. Trotzdem tauchte sie im September plötzlich mit dem falschen Zitat auf. Ein Blick auf den Kalender hilft weiter.
Während so eines Besuchs ist China ständig in den Nachrichten. Ein Video von Xi wirkt dann wie eine frische Antwort darauf. Kaum jemand fragt, ob es schon älter ist. Ob das Zitat absichtlich in diesen Tagen verbreitet wurde, wissen wir nicht. Wer es erfunden hat, ist auch nicht bekannt.
Warum fallen so viele darauf herein?
Für so eine Fälschung braucht es keine KI und kein Schnittprogramm. Das macht sie billig und schwer zu erkennen. Weil Bild und Stimme echt sind, wirkt auch der Satz daneben echt.
Dazu kommt das Thema. Atomwaffen und ein dritter Weltkrieg machen Angst. Wer Angst hat, teilt schneller und prüft weniger.
- Von wann ist das Video?Auf Datum und Anlass achten. Ein altes Video mit neuem Text wirkt schnell wie eine neue Nachricht.
- Gibt es die ganze Rede?Reden von Präsidenten stehen meist vollständig im Internet, oft auch auf Englisch. Suchtipp: Name, Anlass und „full text“, das heißt „ganzer Text“.
- Woher stammt der Text neben dem Video?Den kann jeder schreiben. Lieber hinhören und auf Untertitel und Schrift im Bild achten.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
