Die Behauptung
Geimpfte Schwangere sind laut Studie 18-mal anfälliger für Fehlgeburten als ungeimpfte Frauen.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Falsch – ein statistischer Taschenspielertrick, der Schwangere unnötig verängstigt
Die spektakuläre „18-fach“-Zahl vergleicht nicht Geimpfte mit Ungeimpften. Sie wird nur aus den 45 geimpften Frauen der Studie gebastelt:
-
- Früh infiziert (1. / 2. Trimester) → 5 Fehlgeburten
- Spät infiziert (3. Trimester) → 1 Fehlgeburt
Da Fehlgeburten fast nur am Anfang einer Schwangerschaft passieren, sieht der Unterschied riesig aus – egal ob geimpft oder nicht. Genau das zeigt die Studie. Deshalb rät das Forschungsteam am Ende ausdrücklich zur Impfung, um schwere Verläufe überhaupt zu vermeiden.
Wie aus Mini-Daten ein maximaler Schockbericht gezimmert wird
Von 48 geimpften Frauen, die sich früh in der Schwangerschaft mit Corona ansteckten, hatten fünf eine Fehlgeburt. Das klingt schlimm, liegt aber genau im üblichen Bereich: In den ersten drei Monaten passiert so etwas bei 10–15 Prozent aller Schwangerschaften – egal ob geimpft oder nicht.
Später, also im dritten Trimester, kommt eine Fehlgeburt fast nie vor (unter 2 Prozent). Wenn man nun diese zwei sehr unterschiedlichen Phasen einfach miteinander vergleicht, wirkt das Risiko plötzlich 18-fach höher. Das ist eine künstlich aufgeblähte Zahl, die nur entsteht, weil man Äpfel mit Birnen vergleicht.
Auch bei ungeimpften Schwangeren zeigt sich derselbe Ablauf: Erkrankt man früh in der Schwangerschaft, passiert eine Fehlgeburt öfter, erkrankt man spät, fast gar nicht. Weil es hier aber nur wenige Fälle gab, reicht das nicht für einen statistischen Beweis – der Trend ist einfach zu schwach.
Der eigentliche Fehler steckt also in der reißerischen Überschrift, nicht in der Impfung.
Ein Nachrichten-Portal trommelt lauthals mit einem winzigen p-Wert („Oh, sehr bedeutend!“), verschweigt dabei aber die winzige Stichprobe (nur ein paar Dutzend Frauen).
Das lässt sich mit einer Mini-Umfrage vergleichen: Fragt man sechs Leute und drei mögen Pizza, drei mögen Sushi, könnte man mathematisch korrekt schreien: „Pizza-Fans 300 % häufiger als Sushi-Esser!“ – klingt riesig, ist aber Unsinn, weil die Zahl der Befragten viel zu klein ist. Genauso irreführend funktioniert die 18-fach-Schlagzeile von besagtem Nachrichten-Portal.
Der entscheidende Denkfehler: Infektions-Timing statt Impfstatus
COVID-19 kann gerade in der Frühschwangerschaft Komplikationen triggern, weil die Plazenta sich erst aufbaut. Dieser Effekt trifft Ungeimpfte und Geimpfte gleichermaßen.
Die spanische Studie, unter der Leitung von Dr. Noelia Rodríguez-Blanco und Dr. Jesús Sánchez-Más sowie weiteren Forschenden, dokumentiert exakt das:
Nicht der Impfstoff, sondern der Zeitpunkt der Infektion treibt das Fehlgeburtsrisiko nach oben.
- Worauf stützt sich die 18-fach-Schlagzeile?
Fünf Fehlgeburten (10,4 %) bei geimpften Frauen, die sich im 1./2. Trimester infizierten, versus eine Fehlgeburt (2,7 %) bei Infektion im 3. Trimester – alles innerhalb derselben 45 geimpften Frauen. Daraus errechnen die Autor*innen R = 18,5 – ein reiner Trimester-Vergleich, kein Impf-Vergleich. - Was passiert bei den 111 Ungeimpften?
Identischer Trend: Frühinfektion = mehr Fehlgeburten, Spätinfektion = weniger. Das relative Risiko kehrt sich rechnerisch um (R = 0,89) und taugt daher nicht zur Panik-Schlagzeile. - Direkter Impfstatus-Vergleich?
Insgesamt jeweils fünf Fehlgeburten bei 45 Geimpften (11,1 %) und 111 Ungeimpften (4,5 %); statistisch nicht signifikant. Mini-Fallzahlen, breitestes Konfidenzintervall. - Gesamtfazit des Teams Rodríguez-Blanco & Sánchez-Más
Die Impfung geht mit milderen COVID-Verläufen, weniger mütterlichen Komplikationen und keinen Verschlechterungen für das Baby einher. Darum plädieren die Forschenden für einen „dringenden Public-Health-Fokus“ auf den Impfzugang in der Schwangerschaft.
Kurz: Das Nachrichten-Portal verschiebt den Bezugspunkt (Trimester → Impfstatus), verdoppelt die Emotion und verkauft Statistik-Schnipsel als Sensation. Die Originaldaten zeigen genau das Gegenteil der Schlagzeile – belegt von der Studie des spanischen Forschungsteams.
Weltweite Evidenz: Keine Erhöhung der Fehlgeburtenrate durch mRNA-Impfstoffe
Register- und Beobachtungsstudien mit Hunderttausenden Schwangeren. Das Ergebnis ist überall gleich:
- Keine Zunahme von Fehlgeburten.
- Keine Zunahme von Totgeburten.
- Keine Zunahme von Frühgeburten oder Fehlbildungen.
- Aber weniger Krankenhaus- und Intensivaufenthalte bei Müttern und Babys, wenn die Mutter geimpft war.
Ein Beispiel: In einer Yale-Analyse (Mai 2025) wurden 300 Fehlgeburten mit 600 normalen Schwangerschaften verglichen – die Impfquoten waren in beiden Gruppen gleich.
Auch eine große Meta-Analyse im Fachjournal Human Reproduction bestätigt: weder mRNA- noch Vektor-Impfstoffe erhöhen das Fehlgeburtsrisiko. Und selbst die oft zitierte US-Debatte („HHS-Kontroverse“) beruht auf Fehlinterpretationen; die Studienautorinnen haben das öffentlich richtiggestellt.
Kurz gesagt: Viele robuste Daten aus aller Welt zeigen, dass die COVID-Impfung das Risiko einer Fehlgeburt nicht erhöht – im Gegenteil, sie schützt Mutter und Kind vor schweren Krankheitsverläufen.
Kontroverse in den USA basiert auf Fehlinterpretationen; Autorinnen der angeführten Studien widersprachen öffentlich.
Wir haben die Studie analysiert! Das sagt sie wirklich – in einfachen Worten
1. Worum geht es?
Forschende aus Valencia (Spanien) haben 156 Schwangere untersucht, die sich zwischen 2020 und 2022 mit COVID-19 angesteckt hatten.
- 45 Frauen waren geimpft, 111 nicht.
- Die Daten stammen aus zwei öffentlichen Kliniken und aus offiziellen Impf- und Melderegistern.
2. Wie wurde untersucht?
- Die Forschenden schauten rückwirkend in die Krankenakten: Wann erkrankten die Frauen, welche Beschwerden hatten sie, wie verlief die Geburt und wie ging es den Babys?
- Verglichen wurden geimpfte gegen ungeimpfte Frauen – und zusätzlich der Zeitpunkt der Infektion (frühes oder spätes Schwangerschaftsdrittel).
3. Was kam dabei heraus?
| Thema | Ergebnis in Klartext | |
| Symptome | Geimpfte hatten seltener Kopfweh und Erbrechen; keine einzige geimpfte Frau bekam eine Lungenentzündung. | |
| Schwere COVID-Verläufe | Alle fünf Lungenentzündungen traten bei ungeimpften Frauen auf; drei mussten beatmet, zwei auf die Intensivstation verlegt werden. | |
| Fehlgeburten | Die viel diskutierte „18-fach-Zahl“ entsteht nur, wenn man frühe gegen späte Infektionen innerhalb der kleinen Impf-Gruppe vergleicht (5 vs. 1 Fehlgeburt). Das hat nichts mit der Impfung zu tun. | |
| Babys | Gewicht, Apgar-Werte und Aufnahme auf die Kinder-Intensivstation waren bei Babys geimpfter und ungeimpfter Mütter gleich gut; Apgar lag fast immer über 7. | |
| Gesamtfazit der Autorinnen | Die Impfung führt zu milderen Verläufen und weniger Komplikationen. Öffentliche Gesundheitsprogramme sollen Schwangeren den Impfzugang vorrangig ermöglichen. |
4. Was bedeutet das für Schwangere?
- Schützt die Impfung?
Ja. Geimpfte Frauen hatten deutlich weniger schwere Verläufe. - Gefährdet die Impfung mein Baby?
In dieser und vielen anderen Studien kein Hinweis auf mehr Fehlgeburten, Frühgeburten oder Fehlbildungen. - Wann ist das Risiko am größten?
Nicht wegen der Spritze, sondern wenn COVID-19 früh in der Schwangerschaft zuschlägt. Deshalb ist Vorbeugung (Impfung) wichtig.
5. Grenzen der Studie
- Nur 45 geimpfte Frauen – dadurch sind manche Unterschiede statistisch unscharf.
- Daten stammen aus zwei Kliniken in einer Region; Ergebnisse können sich in anderen Ländern leicht unterscheiden.
6. Kurzfazit
Die spanische Untersuchung zeigt:
Impfung = milderer Krankheitsverlauf, keine zusätzlichen Risiken für Mutter oder Kind.
Die viel zitierte 18-fach Zahl ist ein Rechentrick ohne Aussagekraft gegen die Impfung. Wer schwanger ist, profitiert vom Impfschutz – und erspart sich im Zweifel eine schwere COVID-Erkrankung.
Die folgende Grafik fasst dieselben Daten visuell zusammen – orange (nicht geimpft) dominiert fast jeden Balken.
FAQ-Box: Häufige Fragen, klare Antworten
Warum taucht ständig die 18-fache Gefahr in Posts auf?
Weil ein relativer Risiko-Wert aus einem Mini-Vergleich falsch verallgemeinert wurde – die absolute Zahl liegt im natürlichen Fehlgeburtenbereich.
Schadet die mRNA-Impfung meinem ungeborenen Kind?
Die bisher beste Evidenz aus Millionen Dosen zeigt keinen erhöhten Fehlgeburten- oder Fehlbildungsanstieg – im Gegenteil, sie schützt Mutter und Kind vor schweren COVID-Verläufen.
Soll ich im ersten Trimester warten?
STIKO empfiehlt die Impfung ab dem 2. Trimester, um die empfindliche Organbildungsphase zu umgehen – nicht weil dort Risiken bekannt wären, sondern weil man jedes Rest-Restrisiko minimieren möchte.
Ist eine Corona-Infektion gefährlicher als die Impfung?
Ja. Infizierte Schwangere landen häufiger auf Intensivstationen, erleiden vermehrt Präeklampsie oder Frühgeburten. Die Impfung senkt diese Risiken deutlich.
Gilt der Schutz auch für mein Baby nach der Geburt?
Antikörper der Mutter passieren die Plazenta und bewahren Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor schweren Verläufen.
Fazit: Fakten schlagen Panik
Das Nachrichten-Portal verdient Geld mit Klicks und Angst-Schlagzeilen. Schaut man aber nüchtern auf die Zahlen, löst sich das angebliche „18-fach-Risiko“ in Luft auf. Große Studien und Gesundheitsbehörden weltweit zeigen klar: Die Impfung schützt – Panik hilft niemandem. Wer Schwangere verunsichert, setzt echte Leben aufs Spiel. Verlassen wir uns deshalb auf belegbare Fakten, nicht auf reißerische Behauptungen.
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