Die Behauptung
Annalena Baerbock soll gesagt haben, sie sei stolz gewesen, auf derselben Brücke in Polen zu stehen, wo ihr Großvater „für die Freiheit Europas gekämpft“ habe – obwohl dieser NSDAP- und SS-Mitglied gewesen sei.
Faktencheck: Falsch
Falsch! Das Zitat ist eine Verdrehung einer Aussage Baerbocks aus dem Jahr 2021. Sie sprach damals offen über die Verbrechen ihres Großvaters in der Wehrmacht – von Stolz oder Rechtfertigung war keine Rede.
Kurze Faktenübersicht:
-
Falsches Zitat: Das auf dem Sharepic verbreitete Zitat ist manipuliert und stammt nicht aus einem Interview mit ABC News.
-
Tatsächliche Quelle: Baerbock sprach 2021 in einer Konferenz des „Atlantic Council“ über ihren Großvater als Wehrmachts-Offizier.
-
Keine SS-Zugehörigkeit belegt: Medienberichte zeigen keine SS- oder NSDAP-Mitgliedschaft des Großvaters.
-
Russische Propaganda: Moskau nutzt gezielt die NS-Vergangenheit des Großvaters zur Diskreditierung Baerbocks.
Die Desinformationskampagne rund um ein angebliches Zitat
Woher stammt das Zitat?
Auf einem Sharepic, das seit Monaten in sozialen Netzwerken kursiert, wird behauptet, Annalena Baerbock habe gesagt:
„Ich war stolz auf der selben Brücken in Polen zu stehen, wo schon mein Großvater für die Freiheit Europas gekämpft hat!!“
Die Schreibweise ist fehlerhaft, und auch inhaltlich eine Fälschung. Das Zitat soll angeblich aus einem Interview mit dem US-Sender ABC stammen. Doch dort gibt es keinen Nachweis für eine solche Aussage.
Was zeigt das kursierende Video wirklich?
Einige Verbreiter der Falschmeldung zeigen ein Video als angeblichen Beweis. Doch das stammt nicht von ABC News, sondern aus einem Gespräch mit der Denkfabrik Atlantic Council vom Mai 2021, und der Kontext ist ein völlig anderer.
"I was proud to stand on the same bridge in Poland where my grandfather fought for the freedom of Europe!"
— nd (@neliohd) September 26, 2024
– Baerbock on ABC in the USA:
Waldemar Baerbock, a hardcore Nazi and SS member! pic.twitter.com/qSpeU0HVRA
Was Baerbock wirklich sagte, und wie daraus eine Lüge wurde
In dem Gespräch 2021 beschreibt Baerbock eine Szene aus dem Jahr 2004, als sie als junge Frau auf einer Brücke an der deutsch-polnischen Grenze stand, ein symbolischer Moment, als Deutschland und Polen gemeinsam die EU-Osterweiterung feierten.
Ihr Zitat im Original lautete:
„Und ich stand 2004 auf dieser Brücke, die natürlich wieder aufgebaut worden ist […] und das war wirklich der Moment, in dem ich dachte: Wow, wir stehen nicht nur auf den Schultern von Joschka Fischer, sondern auch auf denen unserer Großeltern, die es möglich gemacht haben, dass Länder, die Feinde waren, nicht nur in Frieden, sondern in Freundschaft wieder zusammen sind.“
Von Stolz auf Kriegsverbrechen oder NS-Mitgliedschaften war keine Rede. Im Gegenteil: Baerbock spricht explizit über die belastete Vergangenheit, über ihren Großvater, der 1945 als Wehrmachtsoffizier an der Oder kämpfte.
Missbrauch familiärer NS-Vergangenheit für politische Zwecke
2024 berichteten Bunte und Bild über Akten, die auf eine NS-Gesinnung des Großvaters hindeuten könnten, ohne Beweise für eine SS- oder NSDAP-Mitgliedschaft. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass Baerbock diese Informationen bis dahin nicht kannte.
Russland nutzt die Vergangenheit propagandistisch: In jüngerer Zeit wurde diese Familiengeschichte instrumentalisiert, um Baerbocks außenpolitische Glaubwürdigkeit zu untergraben, etwa bei der Ablehnung ihrer Kandidatur für den UN-Vorsitz durch Moskau.
Die Manipulation entlarvt: Wie Fake News entstehen
Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie durch:
- aus dem Kontext gerissene Zitate,
- manipulierte Bildquellen und
- bewusste Verdrehungen
eine völlig falsche Erzählung entsteht. Ein emotionaler Moment der Versöhnung wird umgedeutet zur vermeintlichen Glorifizierung von NS-Verbrechen, ein massiver Vorwurf, der jeder faktischen Grundlage entbehrt.
Fazit zum Thema
Die angebliche Baerbock-Aussage ist frei erfunden. Sie sprach nie von Stolz auf die Taten ihres Großvaters, im Gegenteil: Sie benannte dessen Beteiligung an der NS-Kriegsmaschinerie offen. Der Fall zeigt, wie gefährlich verfälschte Zitate in der digitalen Öffentlichkeit sein können, und wie wichtig es ist, die Originalquellen zu prüfen, bevor Empörung um sich greift.
Quelle: dpa
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
Fake-Kampagne gegen Kanada: X als Echokammer für US- und Russland-Propaganda
Kellermayr Lisa-Maria: Wenn Hass keine Strafe bekommt!
Keanu Reeves und Elon Musk: Die Live-Debatte, die nie stattfand
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
